Tony Giles – blind solo traveller

Tony Giles  – blind solo traveller

You don’t need to see to travel, because essentially travelling is about people. You can go to the countries and look at the mountains and that is okay, but you need people, without the people you got no culture. That is what I am interested in, how people live different ways – Tony Giles

Tony Giles aka Tony the Traveller, 41, from England is born blind, partially deaf and he is travelling the world blind since 22 years. He visited 124 countries so far and his goal is to travel all spots of this planet. So officially 59 are missing, if you count the official countries.

I will never  be done with travelling, my goal is  to visit every country in the world. I am gonna keep travelling to the rest of my life. I love it, it is my passion.

I met him on lovely Travel Festival Leipzig, a platform for people that travel in a reflective conscious way. I talked with Tony about how he started to travel alone with no internet. About his beginnings in America, food in Japan, that blew him away, about bungee jumping, jumping out of airplanes and rafting.

We talked about different smells of the countries, he mentions a place that attacs all your senses and where everything smells like poo, he described how german cities smell, particularly Leipzig, which country he loves the most, visiting places off the beaten track, how he can afford all his travelling and biggest plan so far: hiking the Inca Trail of Machu Picchu in Peru in October 2020.

He wrote two books so far. “Seeing the world my way” and “Seeing the Americas my way”: Seeing the World My Way, describes his early journeys: out for adventure but consumed by alcohol as a method for dealing with his disabilities. His second ebook, Seeing the Americas My Way, is a more sober, yet more emotional tale. It highlights his challenges of confronting personal issues whilst travelling.

For his life challenge  – hiking the Inca Trail  – he raises money. One half is for his trip, the other half goes to the Galloways Society for the Blind. A charity based in Preston England, helping and supporting blind and visually impaired people.

It was a big pleasure to meet him. Check him out.

Meet him also on TED Talk and his website. 

 

Cole Chance – Sober Yogi

Yoga Mediation Retreat Recovery

“I was shaking and detoxing on my mat. Everything about me was horrid and everything around me was so beautiful.”

All ears on: Cole Chance.

She was an alcoholic and drug addict for many years. Nothing seemed to work to get rid of her addiction, until Cole dropped into a yoga class in a drug and alcohol treatment center. She did not stop with her self-destructive behavior, but whenever there was a moment of sobriety, she did some asanas to get into more contact with herself. Her life started to change in small steps, back and forth: Imagine her drinking organic wine and reading buddhist books with one eye open. Doing therapy that helped her, but the 12 steps program of Alcoholics Anonymous not working for her. Imagine her being again in hospital with an overdose. When Cole was about to die, she decided that she wants to live.

“The day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom.” ~ Anïas Nin

Since 7 years she is a sober yogi. She teaches yoga all over the world, leads retreats and is involved in addiction recovery community.

In Bali she taught yoga and meditation in a notorious prison. Cole shares her experience with female balinese prisoners with us. Also we talk about her long way to free herself from addiction, about frustration, anger, longing for adrenalin and intensitiy, risky behavior, exploring things that are uncomfortable, yoga being medicine, teaching yoga for prisoners, getting out of the head, the lessons of contact dance and hope.
I am grateful to have met her on my journey.

Check her out: colechanceyoga.com

She also teaches on youtube.

Das Leben ist kein Retreat – Bali & der Müll

Ich stehe am lodernden Lagerfeuer einer prachtvollen Villa in Ubud, dem spirituellen Zentrums Balis oder der besser gesagt der Welt. Tantragöttinen, Yogis, Conscious Hustler, Weltenbummler und (Ex-) Promis treffen sich hier, um ein Leben zu führen, was erstmal einem Traum gleicht. Healing Cafes, Infinity Pools, Saunalandschaften in Reisfeldern, majestätische Villen…Ich habe das Gefühl in einem Film gelandet zu sein. Filmkulissen sind der Grund, warum so viele Menschen das Leben in Ubud lieben. Hier kann man spielen und muss ausblenden.

Heute spielen wir mit dem Feuer. Es ist die monatliche Full Moon Party. Ein Expat, der sich nach einem hinduistischen Gott benannt hat, ist der Feuermeister. Er sieht aus wie eine Mischung aus Rocky und einem Hippie, der gerade aus einer Höhle Indiens gekrochen ist. Er hat eine Krawatte um seinen Kopf und um seine Schultern gebunden, auf seiner Stirn thront ein roter Punkt. Eine Tika, das Segenszeichen der Hindus.  Nachdem sein Helfer uns abgeräuchtert hat, um unsere schlechten Energien zu verjagen – bad vibes sind im Paradies nicht willkommen – bekommen wir nach und nach auch so eine Tika an unsere Stirn geparkt. In der tantrischen Richtung steht die Variante für Kraft. Sie schützt das dritte Auge, unser Energiezentrum.In der Eventeinladung auf Facebook steht, dass wir heute Abend unseren Spirit befreien sollen und unsere Talente ausdrücken. Aha. Gotts Helfer postet auf Instagram eins seiner Talente:„I can teach you to live like a king“. Auf dem dazugehörigen Foto sitzt er lasziv auf einem der luxuriösen Canapes. Ja man kann mit wenig Geld in Bali einen auf dicken Mäkkes machen und seine Passionen ausleben als Tantratarzan, Lebenscoach, Lebenskünstler jeglicher Art oder Influencer, dessen Aufgabe es ist, sich im Paradies auf Instagram in Szene zu setzen und perfekte Glanzbilder in die sozialen Netzwerke raus zu senden.

Damit wir lockerer werden, bekommen wir einen dickflüssigen Kakao gereicht. Dann laufen wir Händchenhaltend ums Feuer. Mit Menschen, die unsere brothers und sisters sind machen wir Augenkontakt und atmen dann nach einem bestimmten Rhythmus. Alles okay soweit. Ich habe auf meiner bisherigen Reise gelernt, dass Connection für uns Menschen wichtig ist. Natürlich ist das nicht leicht, auf fremde Personen zuzugehen, aber darum geht es ja, zu erkennen, dass wir alle Menschen sind und die meisten sich nach mehr Connection sehen. Also lasse ich mich ein. Beim Feiern in Clubs sind wir ja auch nach dem dritten Getränk offen und sprechen mit fremden Menschen oder stellen andere Dinge mit ihnen an. Hier braucht man nur ein Feuer, einen Kakao, ein paar gut gemeinte Floskeln und das Ausblenden von greifbaren Realitäten. Am Ende der Zeremonie fordert Gott uns auf, der Welt etwas zu wünschen. Einer nach dem anderen kommt ans Mikrofon: Man wünscht Liebe für alle. Frieden für alle. Ein junges Mädel wünscht sich, dass die ganze Welt Ubud ist und alle Menschen die Chance bekommen Healingwork wie am Fliessband zu machen. Dann wird noch der kränkelnden Natur gute Besserung gewünscht und man bläst die wishes into the holy fire.

Mein ganzer Körper fängt an zu zittern vor Wut. Denn seit ich in Ubud bin, höre ich immer wieder Floskeln und Wünsche für die Welt und sehe kaum Taten. Seit Wochen packe ich immer wieder Mal bei Trash Hero mit an. Freiwillige Helfer treffen sich einmal die Woche und räumen Müll weg. Der liegt überall herum, weil es kein reguläres Müllsystem gibt. Für uns in Deutschland kaum vorstellbar. Weil die Conscious Community ständig von ihrer Liebe zu Mutter Natur spricht, wundere ich mich, dass keiner zu den wöchentlichen Aufräumaktionen kommt, wo doch an den Strassenrändern so viel Müll herum liegt. Als ich zur Villa fuhr vorbei an Reisfeldern, verschlug es mir die Sprache. Zentimeterhohe Müllberge. Zwischen den Palmen, hinter den Warungs, den balinesischen Restaurants, Plastikmüll soweit das Augen reicht. An den Reisfeldern lümmeln Styroporboxen mit Pommes Ketchup Resten drin, Kühe versuchen die zu essen, also das Plastik und Styroporzeugs.


Die Bäche sind voll mit gefüllten Plastiktüten, was man littering nennt, einfach reinwerfen. Ein Balinese steht knietief im Wasser und versucht den Bach von Plastiktüten zu befreien, die sich ineinander verknotet haben wie ein Cuddle Puddle. Der Balinese gehört vielleicht mit zu den Menschen, die nicht wissen, wie schädlich Plastik ist. Aber wir Westler wissen es und fahren jeden Tag auf Bali dran vorbei. Ich jetzt erstmal auch, denn ich muss ja zur Full Moon Party.

Am Feuer werden wir aufgefordert den heiligen Rhythmus unseres Lebens zu tanzen und Gott sagt zu uns, dass wir mit unserer Anwesenheit Gleichheit und Balance in die Welt bringen. Ich stimme ihm damit so gar nicht zu. Wir sind nämlich zu viel(e) hier auf Bali. Bali bebt. Über fünf Millionen Touristen wollen ein Stück vom Paradies jedes Jahr und hinterlassen Berge an Müll. Wie bekommt man da mehr Bewusstsein rein? Ich erinnere mich an den grossen World Clean Up Day, der im September war. Auf Bali trafen Trash Hero und andere Organisationen sich an 12 Orten, einer davon war Ubud. Im Vorfeld wurde in den sozialen Netzwerken eingeladen mitzumachen auch in der Conscious Community Gruppe. Als ich morgens um sieben Uhr beim Treffpunkt ankam, ein Sportplatz im Zentrum Ubuds, standen vor mir mehrere hundert Balinesen. Aus den Lautsprechern lief laute Popmusik, alle machten zusammen Aufwärmübungen. Wir räumten auf, danach sprach ich mit dem Balinesen Gusfl Wedagama. Er ist Kunstlehrer und war mit seiner Klasse am Start. Wir gingen in ein einfaches Cafe, den Balicoffee konnte er sich aber nicht leisten. Ich zahlte gerne für uns beide. Er erklärte mir, dass die Götter keinen Plastik mögen. Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich so viel Zusammenhalt und Power an diesem Morgen bei den Balinesen sah und Tränen in den Augen, weil niemand aus der Conscious Community zu sehen war, die doch Mother Nature so sehr liebt, die den Balinesen so dankbar ist hier jeden Tag so ein schönes göttliches Leben führen zu dürfen mit den ganzen Tag im Healing Cafe abhängen bei Love Bowls und Spirulina Smoothies und am Laptop arbeiten. Bali hat zwei Blasen. Balinesen & Touris/Expats. Sie finden kaum zusammen, hier wäre es eine Gelegenheit gewesen.

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Aufräumaktion ging ich zum Workshop „Authentic Relating” – hier lernt man zu sagen,  was wirklich Sache ist. Um 10 Uhr morgens ging es los. Als ich ankam, sollten wir uns vorstellen und beschreiben wie es uns geht. Ich war euphorisch und erzählte knallwach und happy von meinen Erlebnissen. Einer der Teilnehmer sagte zu mir: „Danke, dass du den Müll wegräumst, ich mache keinen Müll!“. Vor mir ein Yogalehrer, der wie ein Säugling auf seinem Bauch lümmelte. Mit Schlafzimmerblick linste er in die Runde und redete ganz laaaangsam. Dass er vor 30 Minuten aufgewacht ist und dass sein kleiner Zeh immer noch schläft, seine rechte Hand dagegen schon aktiv ist und er aber noch etwas Zeit zum Ankommen braucht. Ich finde es nicht schlecht, in sich Hineinzuhorchen und bewusster zu werden– aber das, was ich in Ubud erlebe, gleicht einem Theaterstück. Eine Amerikanerin fing an zu weinen, aber so, als wenn sie gerade bei einem Casting mitmacht und auf Knopfdruck was passieren muss. Sie heulte mit ihrem ganzen Körper. Dann bekam der Workshop etwas von einer Werbeveranstaltung. Werbung für die eigene Person. Ich sass in einer Gruppe mit drei Leuten. Auf die Frage: „Was würde ich über dich wissen, wenn ich dich richtig kennen würde“ antwortete einer, dass er super gut beim KnickKnack ist, eine andere, dass sie besonders gut im Knipsen ist, es ist die Fotografin des Events, was 300 Dollar kostete. Meine Freundin, eine Deutsche, die reich an Lebenserfahrung ist, verliess daraufhin den Workshop. Ihr Part wurde ersetzt durch den Workshopleiter. Er war aber nicht bei der Sache, weil er schon beim nächsten Event in London war, dass gerade vermeldete ausverkauft zu sein. Er jubelte. Und weil es so geil lief für ihn, forderte er von uns, dass wir ihm Affirmationen sagen, so dass er sich noch geiler fühlen konnte. Er wollte so etwas hören wie: „Du bist einmalig, du bist erfolgreich, du bist der tollste Kerl…you can do it!“ Oh no, ich schämte mich anwesend zu sein. Nicht nur meine Freundin, die die Flucht ergriff, fand das Seminar nicht gut, sondern auch ein Tänzer aus Ubud, der sich immer wieder in den kurzen Pausen bei mir beschwerte, er würde keine Connection zu den Leuten hinbekommen. Beim Endkreis, wo jeder sagte, wie er das Wochenende fand, haute er tatsächlich raus, dass er voller Liebe ist und Dankbarkeit und sich über die neuen Connections sehr freut.“ Ja gut. Musste ich wohl was missverstanden haben..Nicht. Authentic Relating ist ein tolles Tool, es gibt auch kleinere Events in Ubud, die gut sind, in Indien habe ich damit auch wunderbare Erfahrungen gemacht. Aber hier an diesem Wochenende ist es einfach nur schal und schräg. Nach den zwei Tagen wundert es mich auch nicht, dass einige Teilnehmerinnen auf der Strasse an mir vorbei gehen ohne zu grüssen. Das ist Ubud. Wüssten sie, dass ich fürs Radio arbeite, dann würden sie ganz anders mit mir umgehen. Aber ich lasse diese Information oft aus, weil es auf dieser Reise darum geht, mich als Menschen kennenzulernen und nicht ständig den Angebermodus anzuknipsen wie es andere hier tun. Fast jeder hat was auf Youtube zu sagen, und immer ist alles so amazing.

Amazing wirkt die Bubble, die für Touristen und Expats in Bali kreiert wurde. Wenn zum Konzert in einem der prachtvollen Healing Cafes geladen wird, gibt es ein Schaulaufen, dass dem der Pariser Fashion Week gleicht. Man kann Star spielen, denn die Balinesen tun alles dafür, dass man sich so fühlt.  Ich sass in den traumhaftesten Kulissen und habe in meiner Zeit auf Bali viel beobachtet. Ich sah hinter den lächelnden bedienenden Balinesischen Gesichtern viel Irritation: „Wie der Matcha Tee ist nicht grün genug?“

Das, was auf Bali passiert, ist moderner Kolonialismus. Es ist ein Spaziergang zwischen Reisfeldern, Tempeln, Beaches, Infinity Pools, Opening Parties, Kokosnüssen und Hängematten. Ich bin nicht die einzige, die das so sieht. Ich spreche mit DJ Kamau, der seit 14 Jahren in Bali lebt.

DJ Kamau ist eingebunden in die Ubud Community, kritisiert aber auch die Entwicklung

Er gehört zur Community und beschreibt wie die Stadt im Dschungel damals war. Ein ruhiger Ort für Kreative. Maler, Autoren, Tänzer lebten hier. Es war überschaubar, jeder kannte sich und war der balinesischen / indonesischen Sprache mächtig. Heute ist Ubud zwar immer noch kulturelles Zentrum Balis, aber vom Tourismus und von Expats überrollt:  DJ Kamau sagt:

“People try to move to places where they can have a better life. Unfortunately for many people coming from Western nations relative to the other places of the world is a better life to go and live an extravagant life. I don’t say that there is anything wrong with that person, but it becomes a problem when you go and you exploit and you are going to a place and you are just buying things, invite your friends over and they buy stuff and you never really give anything to the place that you go to. And for me that is near colonialism. When you come in and you care less about the actual people and their situation and their daily life and you impose your way of life onto that place, that is near colonialism. Many people are doing that. And particularly now it is so easy to do that with the internet, many local speak English now, so you don’t even have to learn the language and you don’t have to interact with any Balinese people, except to pay a bill or something right? Yes it is near colonialism and exploitation and the island is suffering, because of that. A lot of the local people they want money, they believe they need money in order to do this and since banks are coming in and taking out loans they are in dept with bank and wanna make more money which causes more problems. And they wanna build more stuff which invites more people and pollute more rivers. It is a big snowball and it takes a lot of holistic education to go both ways between people who are coming in, because they are promoting people to come. Tourism is the biggest sector of the economy, so it is okay people to come in, but what are they coming to? Are they coming in appreciation for the culture to learn, to connect, to make barns, to support or to come to exploit to take take take? I say to people when you come and stay – what do you offer? Make true connection, friends and family, be in involved in a place you moved to. It is really important what do you have to offer. Every day the Balinese make offerings as part of the nature and the culture of this island. So people who come here what do you offer? What do you present what can be a benefit for the place not only in a financial way, but can benefit culturally here. And I don’t mean culturally trying to make them like you, but just giving something that can explain the awareness of the beauty they already have and how to keep that going and how to take that beauty that is already here into the future. As oppose to say you need to be like western society, or saying you just need to serve me, drive me to the temple, bring me my motorbike.

 

Kadek

Ich denke an Kadek. Ich lernte sie kennen, weil sie jeden Tag vor dem berühmten Yoga Ort steht. Sie ist 16 Jahre jung, geht zur Schule und nebenbei fährt sie Yoginis mit ihrem Scooter durch die Stadt. Das Geld braucht sie um ihren Traum zu verwirklichen. Sie möchte nach Amerika und dort als Kellnerin durchstarten. Damit könne sie ihre Familie stolz machen. Sie und ihre Familie finden, dass das ein guter Plan ist. Kadek fährt jeden Tag Moped und ich möchte von ihr wissen, wie sie behandelt wird. Ich erfahre von ihr, dass viele Ladies in Yogipants und Namasteshirts auf die harte Tour stehen: „They are not nice at all. They are rude to me”. Das schockiert mich. Das Verhalten ist das Gegenteil von der Yoga Philosophie mit Loving Kindness. „Loving kindness ist in Ubud eine Floskel“, sagt mir eine Frau, die schon viele Jahre hier lebt,  „Jeder ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, mit seiner Heilung und mit Business machen, dass Loving Kindness hier kaum Platz habt“. Ich merke das auch in vielen Situationen. Statt Loving kindness kommen einem oft aufgeblasene Egos entgegen. Das sieht auch eine angesagte indonesische Yogalehrerin. Sie hat den Wandel in den letzten Jahren zu spüren bekommen. Während wir sprechen, drehen neben uns schon wieder einige Pocahontas Youtubevideos: „Hellooooo from Baliiiii, it is so amazing here!“. Sie erklärt mir: Yoga sei eine innere Reise und keine äussere, und warnt davor, dass alles in Ubud zur Show wird:

„You know in digital era, everything has become like Oh I wanna take a selfie, Oh I wanna get sweaty. Oh I wanna get this pose now, because I wanna put it in Instagram, because I wanna put it in Instagram, because I wanna people like my Instagram. It is really not in the ancient perception of yoga, it is just about an image.“

Es geht um das Image in Bali. Und so werkelt man eben im Aussen herum. Immer mehr Hotels werden errichtet und Villen gebaut. Am Surferort Canggu, der in den letzten Jahren übervoll wurde, protzen fette VIP Beachclubs am Meer, es gibt es Hotels, die im Balinesischen Charme errichtet sind, wo ein Zimmer pro Nacht 450 Euro kostet. In Ubud schlängeln sich in den Reisfeldern Resorts mit Zimmern ab 900 Euro die Nacht. Eine Luxusboutique reicht sich an die nächste und dazwischen fährt ein Balinese mit Süppchen herum für die Einheimischen. Er klingelt und hält an und am Gehweg isst man dann.

 

Daneben steht eine junge Balinesin in einer Swimwear Boutique. Die Klimaanlage ist auf Anschlag, sie niest und schaut leblos vor sich hin. Sie muss Bikinis verkaufen, die 100 Euro kosten. Das ist die Hälfte ihres Monatsgehalts. Eine alte Dame mit einem Handtuchturban auf dem Kopf, abgemagert und überfordert verkauft am Gehweg vor Starbucks Holzäffchen und Fächer gegen die Hitze.

Touris laufen mit elektrischen Handventilatoren und Plastikbechern gefüllt mit Latte to go an ihr vorbei. Geht die Balinesin nach der Arbeit nach Hause wartet auf sie in der Regel ein dunkler Raum, modrig und mit einer Matraze am Boden. Es gibt Expats, die helfen, wie gerade die Besitzer eines Eventhauses. Sie kauften balinesischen Kindern neue Matratzen. Das ist ein Anfang, etwas zurückzugeben und wenn es nur ein Minimum ist, etwas gegen Ungleichheit zu tun. Während die einen Matratzen spenden, denken die anderen schon wieder darüber nach noch mehr Disneylandfeeling für Expats nach Bali zu bringen. Ich bin auf einem Mantrakonzert in majestätischer Kulisse eines berühmten Sängers. Um uns herum puffriger Rasen und duftende Blumen. Nach dem Konzert verkündet dieser stolz, dass ein luxuriöser Teetempel errichtet werden wird für die Community zum Austausch bei Tee. Das mit dem Austausch ist ja nicht so einfach. Das muss man ja erstmal in Workshops lernen. Ich erinnere mich an eine Szene mit Gott. Ich traf ihn auf dem Weg zum Ecstatic Dance. Er fragte mich, wie es mir geht. Ich erlaubte mir nicht mit amaziiiiiiiiing zu antworten, sondern mit Achterbahn. Ob er das kenne, wenn die Befindlichkeit schwankt? Er so: „No, oh I forgot to buy some chocolat“. Und weg war er. Beim Tanzen stellte ich fest, dass  die Musik an dem Morgen mich nicht catchte.  Ich setzte mich neben meine Bekannte aus Amerika. Sie flüsterte mir zu, dass es ihr heute nicht gefällt. „Mir auch nicht, ist ja kein Beinbruch“, erwidertee ich. Nach dem Tanz fragte uns ein Coach für Herzensangelegenheiten, wie wir die Sause fanden. Sie so: „Amaziiiing!“ Ich gucke verwundert und sage: „Hmm, ich mochte die Musik heute nicht“. Er erschreckt sich über meine ehrliche Aussage. Die Amerikanerin versucht seinen Schock abzufangen und fragte ihn, ob er mit uns Mittagessen möchte. Er ruderte herum, dass er noch auf wen warte und es nicht ganz genau wisse…  Wie gingen ohne ihn zum Buffet und dann konnte sie endlich erzählen, dass ihr der Tanz auch so gar nicht gefiel.

Es gibt in Ubud natürlich auch wunderbare, ehrliche, echte Menschen. Yogalehrer, Coaches und Künstler. Die sind aber eher leise. Wie auch der Maler Jati. Ich wohnte einen Monat in seinem Homestay, der an einem Stück Grünstreifen ist. Oben im Haus ist sein Atelier. Hier malt er seit 60 Jahren jeden Tag Frauen, Rehe und Natur. Er erzählte mir, dass er das Haus nicht mehr verlässt, da alles um ihn herum zubetoniert wird und er den Anblick nicht erträgt. Sein Sohn dagegen findet Tourismus toll. Er hat längst neben dem Homestay ein Cottage mit Pool eröffnet und liebäugelt damit den letzten Grünstreifen plattzumachen, um noch ein Hotel hinzustellen. Wir schauen auf das noch freie Stückchen grün. Hinter den Palmen schimmert ein Pool. Auf einer Mauer steht ein junger Tourist. Er macht eine Arschbombe ins Wasser und lässt sich von seinen Buddies dabei abfeiern. Jati sagt: „I am also sad to see, because grow up you know. Modern modern like this, you know, first it was not like this. It was ricefield. Now here everywhere is concrete. Hotel… Of course young men they like it like this. That is why I am just quiet.“

Maler Jati

Ich musste Jatis Homestay verlassen, weil die Hochsaison begann und meine Monatsmiete auslief. Sein Sohn fragte mich nicht, ob ich bereit wäre mehr Geld pro Nacht zu zahlen, stattdessen behauptete er, seine Zimmer seien ausgebucht. Das stimmte nicht, jedoch verliess ich ohne Widerspruch den Homestay, um mir noch einen weiteren anzusehen. Hier war die Familienmutter immer auf Anschlag. Sie weinte. Gäste, die gebucht hatten, kamen nicht, weil sie festsassen auf einer anderen Insel. Es war wieder Sturm. Die Familie hat einen Kredit aufgenommen, für den Pool, wo vorher noch ein Fischteich war. Pool müsse sein, denn die Nachbarn haben längst einen und der würde mehr Gäste anziehen. Ich blieb hier zehn Tage. Nicht ein einziges Mal in dieser Zeit badete jemand im Pool. Bali ist voll mit Pools. Jede Popelvilla hat einen und das in einer Welt, wo Wasser endlich ist. 2025 werden geschätzt 9 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben und mit 40 Prozent des uns heute zur Verfügung stehenden Wassers auskommen müssen.

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Lenica lebt bescheiden in Amed.

Lenica,  die als Yogalehrerin ein beschauliches Leben in Amed führt, einen Ort, den ich wegen seiner Bescheidenheit noch empfehlen kann, sagt zu mir, dass so ein Luxus verboten werden sollte. Sie hat recht. Balis Lage ist brisant. Immer mehr Blogger, Digital Nomaden, Influencer und Lifecoaches leben hier und verbrauchen Ressourcen. Weil es auf Bali warm ist, laufen Klimaanlagen für die Westler auf Hochtouren und man duscht gerne drei Mal am Tag. Laut der Bloggerin Ute Kranz @bravebirdsblog verbraucht die Tourismuswirtschaft auf Bali 65 Prozent des auf der Insel verfügbaren Wassers. Der Tourismus nimmt den Bauern und ihren (Reis) feldern das Wasser weg. Reisfelder weichen Villen und Hotelanlagen. Die Bauern müssen dann irgendwie als Tourismussklaven überleben. Und z.B. in einer der Wahnsinnssaunalandschaften arbeiten. Hier sind Pools randvoll mit Rosenblüten gefüllt. Nebenan ist ein Bach, in dem sich Balinesen waschen. Als ich das sehe, verlasse ich die Sauna. 1,7 Millionen Balinesen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Eine angesagte Reisebloggerin mit Millionen Followern veröffentlicht ein Video, das Bali als das billigste Paradies auf Erden bewirbt. Sie fordert die ganze Welt auf herzukommen: „Come to Baliiiii!!!!!“ brüllt sie in die Kamera! – Hier geht es zum Video. Und damit zieht sie Peoples an, die just fun haben möchten und am besten kostenlos. Schön nackig Moped fahren, am Beach abhängen mit laut Mukke, einer Balinesin im Rücken, die für 5 Dollar rumknetet, während man einen Papayashake mit Plastikstrohhalmen einhaucht. Mich hat das fertig gemacht. Ich mischte mich in sozialen Netzwerken ein, bemerkte, dass Bali kein Wonderland ist und 1500 Menschen schrieben zurück, dass mehr Bewusstsein für die Natur Balis geschaffen werden muss. Bali ist verletzlich. Wenn immer mehr und mehr Horden dort einfallen, war es das mit dem Paradies. Der Mensch zerstört, was er entdeckt und liebt. Viele Balinesen bitten um Hilfe, dass der Tourismuswahnsinn mal runterkommt. Ich mutierte auch zum selbstgerechten borstigen Kaktus, der es auf Strohhalmtäter/-innen absah.

Am Strand von Canggu, wo die Partymeute abhängt, sammelte ich mit Trash Hero zusammen in zwei Stunden 300 Kilogramm Müll auf. Als ich nach dem Clean Up mit einem Tauchlehrer Pommes ass, schimpfte er auf die Welt, auf die, die nicht mithelfen, die unachtsam Bali bereisen, auf mich und auch ihn, weil wir auch da sind und mit den Moped zum Clean Up gekommen sind, was auch wieder der Umwelt schadet. Wir alle seien zu viel für das Ökosystem Balis und das unserer Erde. Ich bin ratlos und oft nur noch fertig. Wir sind alle schuldig. Scheiss Plastik.

Im Gegensatz zu Ubud helfen an Orten wie Amed oder Canggu viele Westler mit beim Clean Up.

Dann entdeckte ich das Buch “The world we have  – a buddhist approach to peace and ecology” von dem vietnamesischen Mönch Thich Nhat Hanh. Er schreibt, dass es schwer ist nicht zu verzweifeln, dass man es aber schaffen muss friedlich zu bleiben. Immer. Auch wenn vor einem vollgeschissene Babywindeln, Flip Flops und Zahnapastatuben am Strand rumliegen. In Canggu ist die Trash Hero Bewegung aktiv. In Ubud fehlt es wie schon erwähnt an Leuten, die mit anpacken. Hier halten zwei Balinesinnen die Stange. Ich habe immer wieder mal eingeladen am Ende von Events wenn man andere Events ankündigen darf. Das Free Event gemeinsam Müll aufzusammeln, sorgt für Knitterfalten in den Gesichtern der Tantradancer. Und während ich urteile, gestehe ich, dass auch ich zwei Monate lang nicht mit aufgeräumt habe. Warum? Weil mich der Anblick von all dem Theater gelähmt hat. Ich sass schlecht gelaunt  und, ja, genauso egozentrisch, wie die, die ich kritisiere, unter meiner Palme. Thich Nhat Hanh schreibt:  „We have to heal ourselves first, before we can heal the planet”. Dazu gehört auch Mitgefühl zu haben mit dem Scheiss, den wir alle fabrizieren. Meinen Zeigefinger und meine Wut kann ich mir sonst wo hinschieben. Ich frage mich: „Was sagen unsere innere Landschaften über die äusseren aus?“. Mir geht ein Licht auf: In Ubud kommen viele zur Heilung. Sie sind damit beschäftigt ihre inneren Landschaften aufzuräumen. Bei Menschen, die nur wenige Wochen da sind verstehe ich, dass sie keinen Sinn für echten Müll haben. Aber die, die schon so lange auf Bali leben und längst andere coachen und heilen wollen, die könnten doch mal mit anpacken. Denn sie müssten doch inzwischen besser connected zu sich selbst sein und somit auch zu den Mitmenschen und der Umwelt.  Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das mitanpacken Freude bringt. Es bringt einen aus dem Selbstoptimierungswahn raus, und aus dem Egozentrismus, der ungesund werden kann. Das sehe ich an westliche „Heilerinnen“, die immer wieder hinter mir herrennen und mir ein Retreat nach dem nächsten aufschwatzen wollen, dabei aber selber aussehen als müssten sie dringend zur Kur. Nein Leute, ehrlich: Das Leben ist kein Retreat!

König von Ubud empfängt Trash Hero

Ich nehme beim Jahrestreffen von Trash Hero teil. Die Königsfamilie von Ubud empfängt uns. Der König hält eine Rede, droppt dabei Sätze in sechs Sprachen und sagt auf deutsch zu mir: „Das nächste Mal wenn du kommst, ist Bali ohne Plastik“, er ergänzt auf englisch: „I am very proud with the movement with Trash Hero international. I mean, we need certain people to move and to motivate, because we are scared that the world could be covered soon by plastic by stuff that cannot be recycelt, in the sea we could not see – under the water it is full of trash, so sad.  In the nature, we can see it and we can clean it, but we need to educate people, sometimes trash just moves along the street and there is plasticbag moving around because of the wind you know I try to motivate: Why don’t you take it, why don’t you collect it?“ Danach setzte er erste Plastikverbote durch. Keine Plastiktüten mehr und die Coachingfamilie, die im selben Guesthouse wie ich in Canggu wohnte, bekommt ab sofort ihr drei Mal am Tag angeliefertes Essen bestehend aus Pancakes, Melone und einem Ketchuptütchen, das immer ungeöffnet im Müll landet, nicht mehr in den weissen Styroporboxen. Vielleicht kommt sie ja mal auf die Idee selbst etwas in der schicken neuen Küche des Guesthouses zuzubereiten, schliesslich ist sie Ernährungscoachin.

Als ich die Strasse zur prachtvollen Villa in Ubud entlang fuhr war ich sprachlos über die Menge des Mülls. Er glich einem Rosenmontagszug, der gewütet hatte. Stunden später am Feuer finde ich meine Worte wieder. Ich stelle mich auch in den Kreis und erzähle, was ich sah und lade alle ein Mama Bali aufzuräumen. „Wenn ihr Bali so liebt, dann lasst uns aktiv werden und mit Trash Hero einen Clean up auf der Strasse zur Villa veranstalten“. Alle brüllen den Schlachtruf JAYA!, was soviel bedeutet wie JAWOHL! Dann geht es rüber zum  Ecstatic Dance. Eine Woche später ist es soweit. Ein Clean Up. Keiner erscheint…. Zu viel Müll.

 

 

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Mr Musa and the death

Every morning Mr Musa is sitting at the table of a little Thaifamily guesthouse. He is sitting alone, his eyes are in searching mode. Whenever you look at him he uses the blink of an eye to make a short contact of sharing something like “Good Morning. Nice sky”.

One morning he comes to my table and after talking about temples in India, he asks me if I wanna go for a walk with him to the river bank. While walking he tells me that he likes this area so much, because it has so much life in every corner. An alive atmosphere.  I understand him very well. 2012 I visited this place for the very first time. I was travelling  to Asia for the first time and I was alone.

Alone with a broken heart. I went for long walks with this thing in my chest that felt like an overcooked Tofuthaicurry with mashed and burned pieces and I was driving around in the Karma Taxi searching for something, searching for myself. The Karma Taxi story is here. 

Since then I managed to get my heart to be whole again with some burned areas, that sometimes still feel old pain, but in general my heart is much more at peace. Now we go for a walk with Mr Musas heart. It seems to be that in the last years nothing has changed in this khet, one of the 50 districts of Bangkok. The hustle on the market, the Thaimamas behind their food stalls, the kids in schooluniforms buying sweets and laughing excitedly, the dried chilis bedded on the pedestrians, the cats that are sitting in front or on ricesacks, singing birds on the power cables that are decorating the streets, the smell of incense, fish and oranges, paper lanterns hanging in the rustling trees and the chants sloshing from the temples at sunset time. But since 2012 everything has changed here. Everything.

Mr Musa and I we buy pink noodles, peanuts and spouts and sit at the banks of the river. In ten minutes the food will be in our stomachs that breaks it down and then it will go into the earth again where we all come from. Observing the flowing water makes clear that all is in constant move and hence in change. The floating plastic bags fall into particles, these particles are getting eaten by the fish that maybe choke or it got caught by the fishers and land on the grill or it just dies a natural death. The fish will die as we are all going to die. The german artist Perel is singing in her song “Alles” /All –  “A house, a fence, the bird chokes, the time, the space, nothing comes back. On a yard, a heart is breaking. Everything that was, will never be again and everything that is, is always over.” Nothing stays the same, but despite we want to stop time and hold on to people, stories and stuff.

„This moment shall never end“, we hear us saying. “This love should never stop” we wish. We swear we will stay together forever until death separates us. Some of us are sticking to the promise and seeing through to the finish, others take the exit earlier. Going somewhere with someone else. That’s life. Who does not accept and let go, will be suffering. Again and again. A lot. On my journey I got to know the concept of attachment and detachment. It is an essential part of the Buddhist teachings and of the Yoga Philosophy, the Yoga Sutras of Patanjali.

To suffer less, it is highly recommended to learn how to love and how to detach at the same time. This kind of relating is a challenging art.

Who has spent his life over decades with one person, cannot let go easily. In my opinion it is natural that it is very hard to say bye bye and to let go. It happens that over the time while living together, raising children, building things .. two butter halfs melt together into one sandwich and become a symbiotic something.

And while facing the fact of impermanence, that death will separate the merged butterhalfs again, it is important to learn to stay one whole person in a relationship. Always. It is good to learn to love and to detach at the same time and practice it while the person is still alive. You do not love less with detachment.  You can turn on your heart full power.

(On my journey through the world and also through the spiritual scene I often saw this concept of detachment misunderstood or abused. People take it as an excuse for not having stable relationships anymore and instead they run from one person to another. In the Touch & play & next one mode. I saw loneliness and disconnection. Detachment is not meant to function as an excuse for intimiacy issues. Here one should examine the relationship with oneself of course alone for a while.)

We all walk the way over the bridge alone and with that we are no alone. When we get this then there is a chance for getting true connection with others.

Our life is like a bridge. With beginning and end. In the middle of the bridge we kind of “stop”. We build a house, start a family and or build a career and are very attached to our jobs, because society gives us the message of  being exchangeable in every moment. So we cling to it. We buy clothes, more clothes, technic more technic, new technic, the latest hot shit and meanwhile ignore that this will end. It can end in five minutes, tomorrow or next month.. It will definitely end in some decades. We cannot escape this fact. Like a stubborn donkey we do not wanna leave the middle of the bridge, we do not wanna move towards the end. We retousch our pictures, get some botox in our face, trying to ignore the fact that our body, what is an accumulation of living cells, is growing older in every second. Whatever we do, whatever we cling to, we are heading towards the end. The law of impermanence, also known as anicca, is not making an exception for us. I know it is f*ng scary, but death it is part of life. Jessica Walker a theatre director from Barcelona says: “Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ –  „We are born, we grow, we develope to die.“ On her festival in India we did a death meditation, it was the most impressive week on my journey – you read the interview after a longer german text here.

Death Meditation with Jessica – Photo by Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

We did the meditation to get used to the fact that we all die. Whenever something that we love ends or death is hitting us it is always to early. That is why Buddhism is teaching us to live in the present moment. And get involved in life and look who is next to you. On the train, at work, at the restaurant, in the yoga course, in the doctors waiting room. Talk to people especially to the older ones, listen to them and cultivate loving kindness. Also for the ones who are like a cactus on bad drugs – they lack of love!

I return with Mr Musa to our guesthouse. The next morning my room neighbor Heidi, a dutch artist, tells me that she met Mr Musa one week ago in the streets. He seemed lost. He spoke to her, walked with her to her guesthouse and asked if she could live there comfortably. She answered “Yes of course. This is  a simple, clean and friendly place, runned by a Thaifamily”.  Mr Musa, who belongs to the upper class, as he is a doctor from Malaysia, was living in a luxurious Five Star Hotel in Bangkok.  Some moments later he left it and moved into the small simple guesthouse. He told Heidi that his wife died two years ago and since then he is lonely. He misses her so much. Everywhere. His feeling of loneliness got more intense in the atmosphere of the Five Star Hotel. Nobody talked to him, to the older solo male traveller that looked sad. Many people do not like the smell of sadness. I remember when I was alone nearly 7 years ago in the streets of Boston and cried as if the world would die, crying in the metro, in the bus to the airport, at the airport…nobody spoke to me. People were irritated by so many tears and so much sadness. Instead of being irritated and talking to Mr Musa people in the Five Star Hotel lobby in Bangkok where dressed up like on commercial advertisement posters sitting at the bar and starred at their smartphones and ipads. While Heidi is telling me this and I start getting tears in my eyes again, Mr Musa comes back from the market for having lunch with the guesthouse family. He joins their prayers. Seeing him in this gentle community he looks at peace. The permanent absence of his dead wife is having a break.  In this very moment Mr Musas heart is able to let her go without stopping loving her.

Mucho Love, Yvi

Mr Musa und der Tod

Mr Musa sitzt jeden Morgen am Tisch des kleinen familiären Thai Gästehauses und grüsst alle Menschen, die aus ihren Zimmern kommen. Er sitzt da, grüsst und sucht. Wann immer jemand ihn ansieht, nutzt er den Wimpernschlag einer Verbindung und erzählt etwas.

An einem Morgen kommt er zu mir herüber. Er fragt mich, ob ich mit ihm zum Flussufer laufen möchte. Wir laufen los. Er erzählt mir, dass er diese Gegend mag, weil hier so viel Leben ist. Ich verstehe ihn so gut. Ich landete hier zum ersten Mal 2012, auf meiner ersten grosse Reise alleine. Ich ging durch diese Gassen viele Kilometer mit meinem Herzen spazieren,  das einem zerhackten Tofuthaicurry glich und brauste suchend durch das grosse Bangkok in dem Karmataxi (klick für die Story hier). Mein Herz ist seitdem wieder zu einem grossen Ganzen mit Klebestellen geworden, manchmal wird alter Schmerz noch aktiviert, aber generell  ist es mehr bei sich angekommen. Jetzt gehen wir mit Mr Musas Herz spazieren. In diesem Viertel, wo ich 2012 schon war, hat sich in den letzten Jahren scheinbar nichts verändert. Das Gewusel auf dem Markt, der sich am Wasser entlang schlängelt ohne Ende in Sicht, die Muttis hinter den brummenden Garküchen, die Kids, die in Schuluniformen Süssigkeiten kaufen und aufgeregt an den Gehwegen hocken, neben ihnen getrocknete Chilis für den Verkauf, Katzen, die neben, vor und auf den Reissäcken hocken, die zwitschernden Vögel, der Geruch nach Räucherstäbchen, Fisch und Orangen, die Lampions in den raschelnden Bäumen, die Gesänge, die im Sonnenuntergang aus den Tempelanlagen heraus schwappen. Oberflächlich gleicht dieser Khet, einer der 50 Bezirke Bangkoks, dem von 2012, aber natürlich hat sich hier alles verändert. Alles.

Mr Musa und ich kaufen pinke Nudeln, Erdnüsse und Sprossen und sitzen auf einer Bank am Fluss. In zehn Minuten wird unser Essen im Magen sein, der es dann zersetzt und irgendwann landet es wieder in der Erde, da wo wir alle herkommen. Der Blick aufs fliessende Wasser macht klar, dass alles in Bewegung ist und damit in Veränderung.  Die schwimmenden Plastiktüten zersetzen sich Stück für Stück, der Fisch wird an den Plastikpartikeln ersticken oder gefangen werden und auf den Grill kommen oder eines natürlichen Todes sterben. Er stirbt wie wir alle sterben werden. Ja wir werden alle, alle sterben.

Perel singt in ihrem Song Alles:

„Ein Haus, ein Zaun, der Vogel erstickt, die Zeit, der Raum, nichts kommt zurück (……….) auf einem Hof, ein Herz zerbricht. Alles, was war, wird nie wieder sein, und alles, was ist, ist stets vorbei.“

Nichts bleibt wie es ist trotzdem möchten wir Zeit an-, und Menschen, Geschichten und Besitztümer oft festhalten.  „Dieser Moment soll niemals enden“ hören wir uns sagen. „Diese Liebe soll nie zu Ende gehen.“ Wir schwören uns, zusammenzubleiben bis der Tod uns scheidet. Manche ziehen das durch, andere nehmen schon vorher die Ausfahrt woanders hin. That’s life. Wer krampfhaft festhält, der leidet. Auf meiner Reise begegne ich immer wieder dem Konzept von attachment und detachment – Anhaftung und Ablösung. Das gibt es im Buddhismus und auch in der Yoga Philosophie, in den Sutras des Patanjali.

Um weniger zu leiden, sollte man lernen zu lieben und gleichzeitig loszulassen. Eine höchst anspruchsvolle Kunst.  Wer sein Leben 50 Jahre lang mit einer Person geteilt hat, der kann sich nicht mal eben so ablösen. Oft ist man da verschmolzen wie zwei Sandwichscheiben, ist zu einer Symbiose mutiert. Deswegen ist es wichtig, diesen Weg innerlich im Hier und jetzt zu starten während der, die, das, was wir lieben noch da ist. Man liebt durch Ablösung nicht weniger. Man kann sich trotzdem mit ganzem Herzen einlassen. Full Power.

(Auf meiner Reise durch die Welt und Spiriszene traf ich nicht wenige Menschen, die dieses Konzept der Ablösung als Ausrede dafür benutzen keine stetigen Beziehungen mehr zu führen und von einem Menschen zum nächsten zu hüpfen, sie werden so immer einsamer und disconnecteter –  so ist detachment nicht gemeint).

Unser Leben ist wie eine Brücke. Mit Anfang und Ende. In der Mitte bleiben wir oft „stehen“, bauen Haus und oder Karriere auf,  halten uns krampfhaft am Job fest, gerade weil man uns vermittelt jederzeit austauschbar zu sein, wir gründen vielleicht eine Familie, legen uns Autos zu, einen grossen Garten, kaufen Klamotten und noch mehr Klamotten und ganz viel Technik, neue Technik, immer neue Technik  und ignorieren, dass das alles schon Morgen vorbei sein kann und definitiv in einigen Jahrzehnten vorbei ist.  Wie ein sturer Esel wollen wir uns von der Mitte des Lebens nicht wegbewegen und nicht Älterwerden. Wir retuschieren Fotos und spritzen uns Zeugs ins Gesicht. Trotzdem werden wir älter und steuern auf das andere Ende der Brücke zu. So viel ist sicher. Mit der Theaterregisseurin Jessica Walker aus Barcelona  habe ich auf ihrem Festival in Indien eine Meditation zum Tod gemacht. Sie sagt: „Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ Wir werden geboren, wir wachsen, wir entwickeln uns, um zu sterben.”  Es war meine intensivste Woche auf meiner Reise. Hier geht’s lang zum Text über diese Erfahrung.

Meditation über den Tod mit Jessica. Foto von Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

Im Buddhismus nennt man die Unbeständigkeit der Dinge „Anicca“. Alles befindet sich im Fluss, alles ist vergänglich. Aber wann immer die Vergänglichkeit zuschlägt, ist es zu früh für uns. Deswegen lehrt der Buddhismus uns im Moment zu leben, die Menschen um uns herum wahrzunehmen. Im Bus, im Zug, in der Kaffeebar, in der Arztpraxis. Ihnen zuzuhören vor allem den Älteren und  Mitgefühl und Liebe zu kultivieren.

Wir alle gehen den Weg auf der Brücke in erster Linie alleine und damit sind wir nicht alleine. Wenn wir das checken, gibt es eine Chance für echte Connection.

Ich kehre mit Mr Musa zurück zum kleinen Gästehaus. Am nächsten Morgen spreche ich mit Heidi, eine niederländische Künstlerin in meinem Alter, die im Zimmer nebenan wohnt.  Sie erzählt mir, dass sie Mr Musa vor einer Woche auf der Strasse traf. Er wirkte verloren und sprach sie an. Sie spazierten einige Meter zusammen bis Heidi vor dem kleinen Gästehaus stehen blieb. Er fragte sie interessiert, ob sie ernsthaft da gut wohnen könne. Sie sagte „Ja natürlich: es ist familiär und herzlich hier“.  Mr Musa, der ein Arzt aus Malaysia ist und der reichen Schicht angehört, war bis zu dem Tag in einem luxuriösen Fünf Sterne Hotel einquartiert, das er nur wenige Momente später verliess, um auch in diesem einfachen Gästehaus zu leben. Er erzählte Heidi, dass seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist und dass er seitdem so einsam ist. Sie fehle ihm so sehr. Seine Einsamkeit wurde durch das anonyme unterkühlte Fünf Sterne Hotel in Bangkok noch verstärkt. Hier sprach man nicht mit ihm als älteren“fremden“ Alleinreisenden. Schon gar nicht, weil er eben etwas traurig aussah. Hier sass man stattdessen aufgemotzt wie auf einem Werbeplakat an der Bar, auf den schicken Bildschirm des I-pads starrend. 
Und während Heidi mir das erzählt und ich schon wieder Tränen in den Augen habe, kommt Mr Musa vom Markt zurück, um mit der Thaifamilie des Gästehauses zu beten und Mittag zu essen. Er packt noch ein Kartenspiel auf den Tisch und sieht zufrieden aus in dieser Gemeinschaft.  Die permanente Anwesenheit der abwesenden Ehefrau legt eine Pause ein:

Mr Musas Herz lässt sie los und liebt sie weiter…

 

Mucho Love, Yvi

Sam & Jett: 1 to 1 Love

In the jungle of Ubud, the hot spot where free love rules and detachment challenges are on a daily schedule, I met a young couple that committed to each other 1 to 1  and got married. Samantha and Jett from Canada. They know each other since 11 years, since 5,5 years they are a couple and since 8 months they are married. As they are so happy I spoke with them about their relationship, the necessity of opening up, speaking about values and how to share emotions and feelings in order to grow together. Before they got married they did a test if they really match. They went on a long hike…Last week on Ecstatic Dance between all the free spirits I saw a couple dancing with each other from the beginning until the end and they could still breathe. They were over 80 and in bliss. Pure freedom can also be achieved when you fully engage with someone. But for this some inner work is needed, some courage, trust and the will to make a choice. I see Jett and Sam going the same path. Enjoy reading their story. Mucho Love, Yvi

Yvi:  What is really astonishing for me, you look so happy as if you would have met 2 weeks ago.  How do you do your relationship?

Jett: You gotta be honest and tell them exactly how you feel when you feel it, that is when your emotions are true. And if you hold a grudge and you let it wait your emotions will get clouded and you forget why you are actually angry. So it becomes lost anger. You can’t get over.

Sam: We can tell each other in the moment how we feel with kind words and talk through it.

Yvi: You are so young.  How did you learn to talk to each other in this mature way?

Sam: For me I was very quiet I hold a grudge if I was angry, giving the silent treatment, but he always pushed me to be open when we talked about what’s wrong. He had no judgement around that. You know when I did tell him how I was feeling, he would not get angry at me, he is like “Ok I see your perspective, but this is not really what I meant.” Or maybe it was a misunderstanding. Or maybe we do butt heads, but why does that have to be a problem, can we agree to disagree? Does it have to be a huge deal? Like put some perspective on it and see it from a bigger point of view.

Yvi: Many people I meet, have problems getting access to their emotions and they are running away, sometimes without even noticing it and they are older than you are. Jett why are you so open to your emotions, why can you feel them so well and allow them to be articulated in your partnership?

Jett: I do not wanna hold a grudge on myself so… that is a good question..

Yvi: What about your parents, have they taught you that it is an important instrument for relationships that you learn to feel and express your emotions?

Jett: My mum, she is a wonderful happy lady, but cross her line she is gonna tell you exactly where you went wrong and why she doesn’t enjoy how you acted. So I kind of learned from that: Gotta tell it how it is and don’t hide anything, because then you are just hiding who you are. That is not honest. Being dishonest is not only to yourself, but to everyone else around you.

Yvi: Are your parents still married?

Jett: No.

Sam: No. My parents divorced when I was 10. Until then I had a quite picturesque childhood, a happy family but then there was a lot of arguing, unpleasant in the house, a lot back and forth I think I learned a lot from their mistakes, and what not to do in a relationships and one of my friends had a very picturesque childhood her parents never fought they were so kind to each other, I saw that and I thought that is what I want. I have to be kind to my partner and not use harsh words to my partner

Yvi: That is interesting, because many children that come out of divorced families they are repeating what they saw at home. You are not repeating at all and on top you were sure to marry.

Jett: Oh yes. I put a lot of thought into my actions, I ponder before I act. Where else that would be impulse and that is very bad… You know when you are going to a store and when you don’t think about what you wanna buy, you buy something and then you realize that you don’t need it. You gotta be sure of something before you act, where else it has no meaning to it!

Yvi: Your parents are divorced, but why did you choose to get married?

Jett: Because I saw that it is really important to Sam to marry and I realized I wanna be with her forever and I should get married if that is what it takes to keep her then I do that for her even though it really wasn’t a part of my believe. I did not see marriage a needed thing to keep a relationship, but for her believes it is very important, so I just wanted to make her happy and also make myself happy along the way too.

Yvi: How was your wedding?

Jett: Very beautiful, one of the best days of my life, if not the best day of my life, because we were really bringing all these people around, really show support on who you are marrying and who you love, especially of  – You guys are sure, then your family is going to be sure on it, because you can see that you are unhappy. They don’t want you to be unhappy, so being sure, really shows them that you are actually happy and they are ok with that. And really teaches them to grow to love the person. If they love you then make them love them the people you love too.

Yvi: How do you feel after having married?

Jett: I feel the same.

Yvi: In Germany before they marry they have a day when they get T -Shirts and on it are sentences like: “Last day in freedom”. Do you still feel free?

Jett: Yes, she let’s me breathe, she lets me run, I run into the forest and I always wanna come back.

Sam: He is hanging around with his bros and planning a trip alone to South America without me and that is fine. I know he will come back to me and be faithful.

Yvi: You have your values like being faithful, did you talk about it what exactly your values are?

Sam: Before we got married that was a really big thing for us we had to make sure that our values are aligned, because I can tell why it did not work out for my parents which values were not aligned. For me marriage was so important, because I grew up in a Christian home and another thing was bringing up one day children or having a family together how we will raise them, in which religion or spirituality we will bring them up in. Until we could not figure out or align that value I could not move forward any further with that relationship, but then we both figured out a way we are both happy with, moving forward with those sorts of things. We knew that we will be happy together if we would do it this way that we agreed upon.

Yvi: Have you been discussing more about a particular value?

Sam: Before marriage for me it was religion. How to bring up our children. I am Christian and Jett you wanna share your believes?

Jett: Yes, I am Native American so everything is from the earth, god is all around, even though we don’t call it god. It is the great creator Kisemanto we call it. I realized, all religions even if their rules are different, they all believe in one thing the Higher Power, I was able to agree with Sam on her religion even though she was not able to see mine all the time.

Sam: We sometimes disagree about certain things, but we did agree to pray, mediate, connecting spiritually and we celebrate Thanksgiving.. that was enough for me to move forward with our relationship.

Yvi: Is it always easy peasy or do you also have fights?

Sam: We definitely have disagreements, but I think most of the time they come around when we spent too much time together. We just need to have a lone time. Sometimes we do butt heads, but we never yell or throw harsh words at each other, because we know that this is just damaging.  When we do get frustrated with each other, we kind of take a step back and ask: “Ok why is this happening, what is the problem here, do we really need to be arguing about this, because usually it ends up about something like “Oh you didn’t do the dishes, I have been doing the dishes all week, Do you think maybe you could put in some effort?” And then actually he is like: “You know I did the dishes, but maybe you did not see me doing it, maybe you feel like overworked, maybe you can take a step back and relax.” And I am like: “Oh ja, I did have a busy week, sorry I am taking out my anger on you. I just need some time for myself, some time alone or some selflove.” There is usually a reason for your actions. You have to take a step back and see “Ok what is going on here behind the scenes!”

Yvi: Have you ever gone to bed with a fight?

Jett: No, gotta get it out right then and there. Where else you wake up angry and then that ruins your whole day.

Sam: When we went into our marriage we said: “We are not going to bed angry at each other”. But last day we had a silly fight & went to bed. I turned around in bed, huffing and puffin like “och I am angry about something silly”, but 3 minutes later he tapped me on the shoulder and said: “Ok, but remember we said we would not go to bed angry at each other. So can we forgive each other and move past this?” And I said: “Yes, we can. Good night.”

Jett: My mum always tought me that you have to keep a promise.  Promises are bonding so you can’t break them. That is why she does not promise so much for anything, cause she might break it, but marriage is a big promise, you gotta learn to keep that. It is a big step, that is why you really have to think about it before you marry someone. Where else you find yourself marrying the wrong person all along, that is gonna break a promise, that is gonna hurt you in the long run, hurt your dignity and your selflove and your partner.

Yvi: On my journey I have seen many couples that did not seem to be so happy being with each other. At dinner starring with grumpy face at their smartphones, having arguments at the beach, discussions in the rice fields about together and lonetime, they come home again and maybe split up. As a couple you have many tests in holiday and in daily life. Where did you check if you are getting along really well?

Jett: 3 years before the wedding, we went on a hike on he west coast trail on Vancouver island, it is 76 kilometers and  we did that hike to show all our emotions, because you get frustrated with yourself, with the actions around you and it really teaches you about each others emotions. And you come to terms to realize that these are my problems, not hers. So I should not make it her problem and I learned to deal with it myself.

Yvi: It is always this “Come back to yourself”, when emotions are arising.

Sam: Yes, and not to blame somebody else, take responsibility for your actions and emotions. When we did that hike there was no social media, there is just you and that person and this long trail the journey ahead and this heavy pack and walking all day. You have to keep the mental positivity going in your head, because it can become stressful and you really see the other person in their weakest moments.

Jett: On the trail I noticed how some other couples treat each other. It really teaches you how you don’t wanna act, so when the times comes that you are feeling a taff situation, just reflect on how sad it made you feel seeing  how other people treat each other with the aggression that really only comes from their own stress level and nothing else caused by their partners. You gotta…

Sam: Harness those inner emotions. For both of us it was a lot learning from other peoples behavior towards each other. Really take that in and look at yourself and where you can change and grow. We are seeing each other things when we talk to other people, and then we talk to each other like: “Oh you are maybe a little bit harsh?” We say: “Okay I am gonna work on that and try not to be that way, or can you give me a gentle reminder if I do start acting that way to be my best self?” It is a work in progress.

You can choose to be still a good person in that weak spot. You see this person in their rawness, and love this person. It was great encouraging each other and uplifting like “We make it, it is going to be fine!” You know you have your doubts like „How we gonna make it, the trail is so long“, but we just keep going pushing each other forward and then this was when we knew it is gonna be good.

Yvi: What are your plans?

Sam: When we come home we wanna safe up for our first home and we are starting our careers. Jett is a chef and I am a health coach and personal trainer. We wanna go our own ways. Jett wants financial freedom, that we can do what we really wanna do and love in life and start a family.

Yvi: Paint a picture! Where is home?

Jett: My tribe is Mikesew Cree and we come from the Athabasca area, bit I was born in Edmonton Alberta, which is 4 hours south of it. I kind of grew up all over western Canada, always moving as a child, which is where my need for travel came from, but on this travel trip now that we are actually out here traveling I come to realize that Home is the best place. I really love it back in Canada. I don’t think I can ever get the connection to any of the land anywhere else than at home, because it is just ingrained in me. It is very beautiful.

We wanna build an Aframe House, have a little piece of land on the mountain.

Sam: We wanna host people from around the world and cook for them and help them hike in the mountains.

Jett: We want to have 2 children of our own and then adopt a third native American baby to give them a chance in life, because in Canada they really are repressed people. Lot’s of them growing up without ever having a chance to experience the world for what it is, wanna give them the opportunity for that and also teach my culture to these children, they never get the chance to actually learn it, because they are grown up in such a hard life that they kind of deny it or ignore the fact of what they are. I wasn’t raised like that, but that is how people treated me as if I was some lesser and my culture just some primitive way that should be extinct, but then the more I learned about it the more I realized that it is really my believes, so made me more connected to it and wanna teach our kids that way and raise them to love themselves along with other people.

Es war einmal Eat Pray Love: Ubud und das Märchen von der Liebe

Ich sitze in meinem Traumholzhaus in den Reisfeldern Ubuds und bin enttäuscht, müde, ausgelaugt, traurig und wütend. Über den Ball der kaputten Herzen, auf dem ich seit Wochen unterwegs bin. Freundinnen warnen mich. „Schreibe nicht darüber, mach dich nicht so nackig.“ ABER: Come on: Worüber ich schreibe, ist menschlich und geht jeden von uns etwas an. Wir alle wollen Liebe und Verbindung, oder? Nur kaum jemand sagt es mal geradeheraus, dass all die Verletzungen, die dabei passieren, verletzend sind. Liebe und Beziehungen in 2018 gleichen immer mehr einer brüchigen Internetverbindung, und deswegen schreibe ich jetzt, was ich sehe und erlebe und nehme Ubud als Extrembeispiel. Ich wollte mich in der Welt kennenlernen, nach der  indischen Dichterin Rupi Kaur. Sie schreibt: „Fall in love with your solitude.“ Das habe ich die letzten elf Monate aufrichtig getan, und auch immer wieder „Nein Danke“ gesagt, wenn ich merkte, dass es sich nicht lohnt, diese Solitude zu verlassen. Etwas, das ich gelernt habe. Aber ich spüre auch, nach all der Zeit an den wunderschönen Orten, dass ich nicht immer alleine sein möchte. Zum ersten Mal möchte ich wieder teilen. Holzhaus, Mopedfahrten durch die Vulkanlandschaften, in Wasserfälle springen, am Lagerfeuer hocken. Ich möchte das gerade nicht mehr teilen mit Frauen, die selbständig sind und alleine um die Welt reisen, und manchmal so tun als wäre alles tutti und mich dabei mit verweinten Augen ansehen. Ich wusste, dass es so etwas wie Eat Pray Love nur einmal gibt und auch Liz Gilbert ist mittlerweile wieder geschieden. Aber immerhin hat sie einige glückliche Jahre zusammen mit dem Mann gehabt, den sie in Ubud kennenlernte. Das war aber einmal. Freunde, das Eat Pray Love Märchen ist vorbei! In Ubud wie in der Spiriszene allgemein „lieben“ sich alle nach fünf Sekunden, man weiss den Namen des anderen zwar nicht, aber hey: „LOOOOVE you!“ Und alle sind sofort brothers, sisters und friends, ohne nachzufragen, wie es eigentlich so geht. In Ubud gibt es keine Beziehungen mehr und wenn dann halten sie 6,5 Minuten – so lange wie zwei Tänze.

Beim Ecstatic Dance im berühmten Yoga Barn in Ubud, der Menschen anzieht, die Aussen mit Innen verwechseln, lag am Ende des Tanzes die schöne Latina auf dem ehemaligen berühmten Baseballspieler, der jetzt Lebenscoach für Beziehungen ist. Während sie sich an ihm festklammerte, glotze er lüstig und verängstigt zu mir rüber. Ende der Connection.

Ja, so eine Tanzfläche ist aber auch zu verlockend. Ein Mann kommt auf acht Frauen hier… so viele neue Optionen, um den Schiss vor Commitment schnell nicht  mehr zu spüren. Das ist die Mischung, mit der die Herrschaften hier in Ubud unterwegs sind. Man tarnt es unter: Detachment / Nicht- Anhaften. Das lernt man im Buddhismus und beim Yoga. Es bedeutet, dass wir alle uns an nichts mehr festhalten, denken die Ubudianer. Richtig ist aber, dass es darum geht, eine beständige Beziehung führen zu können ohne  Tauziehen. Nur für Erwachsene. Um erwachsen zu werden, gehört es dazu auch im Disneyland der tausend Optionen mal anzuhalten und dazubleiben. Den anderen wirklich wahrzunehmen und nicht auf fiese Fluchtimpulse zu reagieren.

und du und du und du..

In Ubud gibt es ein Paar, beide sind professionelle Tänzer. Sie haben einen kleinen Sohn. Sie drehen Youtubevideos darüber, wie es gelingen soll, offene und polydingsBeziehungen zu führen. Nackt sitzen sie vor der Kamera. Weil er seine radikalen Freiräume braucht, muss sie drei Häuser weiter tagelang in einem angemieteten kleinen Zimmer bleiben. Woher ich das weiss, weil sie meine Nachbarin war. Als ich einen Spaziergang durch die Reisfelder mache, traf ich nicht nur sie, sondern kurze Zeit später einen Balinesen, der mich fragt, ob ich zu ihm will also zu dem Tänzer mit ausgelagerter Partnerin und Kind…. Er, der Tänzer, nimmt sich den Liebes-Freiraum so sehr, dass er regelmässig Frauenbesuche hat, mutmasse ich jetzt mal. Das nennt man freie Liebe.

„Ich bin kein Auffanggefäss für deinen Schmerz“ – Lady Gaga.

Auf der Tanzfläche tanzt er nie alleine, sondern immer mit hübschen jungen Frauen. Das, was er veranstaltet, hat aber nichts von Tanz mehr, sondern von Frauenkörper verschlingen. Sie steht am Rande, kuckt zu und die freie Liebe wird zum freien Leiden, zugeben würde sie das nicht, aber sie postet später auf Facebook, dass sie mal wieder traurig ist und die Depression wieder zugeschlagen hat, und sie sich aber Superwomanlike von dem Grund der Geschichte detached. Es folgt eine Hymne auf die Freiheit der Liebe, emotional und körperlich.

Warum sehe ich dann immer wieder nur pure Trauer? Wenn ich sehen würde, dass es gelingt, würde ich schweigen und einfach nur tanzen. Ich sehe es aber hier nirgendwo. Ich sehe stattdessen ein wunderschönes Mädel, das sich immer wieder wegdreht von der Tanzfläche. Sie ist Tantracoach, was hier alle interpretieren mit „Jeder mit jedem“. Sie schaut in die Palmen, ihre Mundwinkel gehen nach unten. Ich glaube sie massiert gerade in Gedanken ihre Emotionen, wahrscheinlich waren sie zu attached, das muss man schnell wieder locker bekommen. Denn angespannte, anhängliche Frauen, oder Frauen, die eine Person mögen und nicht mehrere gleichzeitig, die sind in Ubud nicht gewollt, ihre Energie sei runterziehend und einengend. Also stretchen Frauen hier ihr Herz und ihr Innenleben so wie ihre Gliedmassen auf der Yogamatte. Schön geschmeidig. Das Mantra dazu: „Öffne dein Herzcharkra, hafte nicht an, sei glücklich, niemals bedürftig, liebe dich und lächel.“

Kurze Zeit später zieht sie ihren Mund wieder hoch zu einem Zahnpastalächeln und springt zurück auf die Tanzfläche und findet mit dieser Energie einen Mann, der auf ausschliesslich Aussen steht und sie so ansieht, als hätte er sich spontan in sie verliebt. Seine Körpersprache trägt den Titel: „Komm lass uns Liebe spielen“. Er streicht über ihre Wangen, über ihr Haar und verweilt mir ihr in dieser Umarmung bis der Tanz vorbei ist. Und next one.

Ich weiss, wir sind alle eins: One universe, one love, universal love. Aber trotzdem. Ein anderes Mädel, das suchend umhereiert, trifft den anderen Tänzer, der auch nie alleine zu einem Song tanzt. Sie umarmt ihn, knetet seinen Rücken, was man hier auch immer macht, sie freut sich wie eine 16 Jährige aus einer Highschoolserie. Nach drei langen Minuten löst er sich aus dieser einengenden Verbindung, beruhigt seine Schnappatmung und tanzt mit einer anderen den Engtanz, wo schnell die Luft knapp wird. In den kommenden zwei Stunden Ecstatic Dance würdig er sie, die sich so freute ihn zu sehen, keines Blickes mehr. Am Ende lausche ich dem Gespräch zwischen ihr und der anderen Tantragöttin. Sie fragt die traurig aussehende Verlassene: „.. und klappt es mit dem detachment?“ Sie antwortet: „Ja alles wunderbar“. Sie geht alleine nach Hause in ihre Villa und weint (das habe ich ihr jetzt mal angedichtet). One universe, no love. Schätzchen du bist austauschbar.

Wer nach Ubud kommt, braucht einen Panzer, um nicht komplett aus seinem Herzchakra eine Geisterstadt zu machen. Es ist merkwürdig, denn sogar die scheinbar coolen Boys, die Liebe spielen beschweren sich darüber keine Verbindung zu bekommen. Woran das wohl liegt? Man muss eben bei sich selbst anfangen und radikal ehrlich zu sich sein. Letzte Woche erreichte der Ecstatic Dance einen traurigen Höhepunkt. Der Tänzer, also der, der Youtubevideos dreht und Coach ist für Liebeskram, ist alleine da, seine Partnerin schaut heute nicht vom Rande der Tanzfläche zu wie er andere Frauenkörper einhaucht. Die letzten 20 Minuten hat er zum ersten Mal keine Tanzpartnerin. PS. Ecstatic Dance ist ein Tanz, den man in erster Linie alleine tanzt! Er rennt herum, fängt an zu schreien und zu zittern und stürzt sich wie ein Leopard, der seine Beute erlegt, auf meine Freundin. Sie fallen zu Boden, er wimmert und umklammert sie wie ein kleiner Junge, dessen Mutter verschwunden ist. Ja, Psychologen könnten mal hierherkommen für Feldstudien und am besten alle einpacken. Es ist alles so glasklar, und weil Ubud die Stadt ist, die für Heilung steht, macht es mich um so mehr wütend. Denn auf diesem Ball der Erwachsenen-Kinder mit kaputten Herzen und Süchten wird nichts besser auch nicht durch den Detachmentchallengewahn. Woran liegt das?  Ich besuche Amed, um mich zu erholen, eine tolle Stadt, die ab vom Schuss des ganzen TanztantraTrara liegt. Ich treffe einen Tauchlehrer, der es nach jahrelanger Arbeit an sich richtig raushat. Er spricht über Meditation. Dass wir erst lernen müssen mit uns selbst zu sitzen bevor wir uns in kollektive Kuschelparties stürzen.

So hart das auch ist. Ohne die radikale Reise zu uns selbst anzutreten, wird diese rastlose Suche im Aussen immer so weitergehen. „Ohne Heimat keine Reise“ wie ich immer sage. In Ubud hält kaum jemand mal an, und so geht der Irrsinn immer weiter. Die Tanzfläche ist voll von Bedürftigkeiten, Kindheitstraumata und keiner gibt es zu. Da ist es viel einfacher sich eine Portion Energyhealing zu geben und sich Liebesinstashots als Tarzan, der von einer hübschen Lady zu nächsten springt, abzuholen. Oder die Janes, die das mitspielen, um nicht „alleine“ zu sein. Dass damit die Bindungsängste, die weit in die Kindheit hineinreichen, so niemals gelöst werden, ist logisch. Die Tanzlehrerin, die es selbst nicht leicht hat in ihrer Offenendingsbeziehung, bietet Tanztempel nur für Frauen an und das macht sie super. Im Ernst. Allerdings fällt auch auf, wie sehr die Frauen das hier brauchen, um nicht durchzudrehen.

Ich verstehe jetzt auch, warum ich mich nach vielen Tänzen wie im Schleudergang gefühlt habe. Ich mag Contact Improvisation sehr, da ist man immer mit einem Körperteil mit wem anders verbunden. Ich merke aber auch, dass es mich verwirrt. Hier in Ubud bekommt diese Tanzart immer wieder sofort etwas von einem bewegten Date. Ein Mann, mit dem ich super tanzen konnte, wollte auch danach mit mir Händchenhaltend dasitzen. Ja, ich weiss, das tun alle so hier. Er lud mich zu einer Magical Partner Meditation ein. Ich dachte, dass es Zeit ist, sich mal einzulassen und ich sagte zu ihm: „Ok, also fahren wir da gemeinsam hin?“ Er, der gerade noch noch meine Hand hielt, fängt sofort an zu schwitzen und wie ein Tier, das in die Enge getrieben wird und erwidert mit weit aufgerissenen Augen, Zornesfalte auf der Stirn und schriller verärgerter Stimme, dass ich da alleine hinkommen soll. Seine Einladung hätte nicht bedeutet, dass wir das zusammendurchziehen. Bei dieser Partnermeditation würde jeder mit jedem meditieren… „Achso ne ist klar. Pull and pushaway Pschyopathenverhalten. Was ein Albtraum.“

Ich weiss, ich sollte Mitgefühl haben für ihn, da er aber weit über 30 ist, fällt es mir wirklich schwer. Ich weiss, die Angst ist durch meine Frage bei ihm  vollgefressen aus ihrem Schlaf in seinem Unterbewusstsein aufgeweckt worden. Darüber postet er auch was auf Facebook, über fear of commitment und dass er keine Connection zu Frauen hinbekommt. Jaaa. Beispiel: Auch sprang die Angst an als er unbedingt mit mir in die Sauna ausserhalb Ubuds wollte, zwei Wochen rüttelte er an mir mitzukommen. Dann als es soweit war, war er nicht bereit die 15 Kilometer nachts zusammen mit mir zurückzufahren, ich hatte nämlich Schiss, um Mitternacht als Frau alleine durch die Dunkelheit zurück zu heizen. „Ich fahre so wie ich will“, sagte er mir. „Du wirst schon alleine nach Hause finden. Aber bitte. Komm mit. Du verpasst sonst was“ ermahnte er mich. So ein Schisser. Er denkt er sei freier Cowboy, dabei lebt er im Gefängnis.

Diese Angst, vorm Alleinsein und vorm „nur“ Zuzweitsein, wird in Ubud dann nicht mit innerer Arbeit angegangen, sondern man rennt schnell zu Gruppenevents nach dem Motto „Das Leben ist ein Retreat.“ Das Ganze wird noch verstärkt durch FOMA – „Fear of missing out“ – eine gängige Krankheit gerade bei den Weltenbummlern. Es ist die Angst etwas oder wen anders zu verpassen. Die wird dann hier in Ubud mit einer Extrasession Acroyoga betäubt, obwohl man schon völlig fertig ist. Diese Yogart, wo man zu zweit oder mit mehreren akrobatische Übungen macht. Nix dagegen, ist super, aber auch hier wird das immer mehr als Spielwiese missbraucht als Ersatz für etwas, das zuhause nicht da ist. Touch and play. Noch mehr Leute kennenlernen bei der Pose wilder Vogel, der nach Panama fliegt. Zum Acroyoga bin ich nicht mehr hin, auch wenn man wollte, dass ich mitkomme. „Come on, Yvi it is so much fun!“. Puh, ich frage mich, haben die hier alle gar keine Kindheit gehabt, oder warum wird hier so wild gespielt? Dieses Tempo an Fliessbandaktivitäten macht mich schon beim Hinsehen müde. Aber es wäre eben besser, sich das alles gar nicht so genau anzukucken und zuhause zu bleiben mit einer Schachtel Müsli. Dann hätte ich aber nix zu schreiben…

Ich habe gedacht, dass ich zu oldschool bin und wollte mich deswegen ins Meer der Bewegungen stürzen. Krass aus meiner Komfortzone rausgehen und tanzen. In Ubud sagt man, dass man den Kopf beim Tanzen ausschalten muss und nur als Körper unterwegs sein darf & Herz bitte ausknipsen. Aber ich finde, wenn man doch regelmässig mit wem tanzt, und aus einer Umarmung zehn werden, die länger als zwei Minuten dauern, dass man dann nicht nur ein Körper sein kann. Der indische Yoga und Meditationsheld Sadhguru, ein weiser Mann mit Rauschebart, der hoffentlich als einer der wenigen in der Szene keinen Dreck am Stecken hat, erklärt das mit dem Körper. Unser Körper speichert alle Berührungen ab, er vergisst nie. Nicht, was gestern war und auch nicht,  was 20 Jahre zurückliegt. Unser Körper erinnert alle Berührungen und kann sie sogar Personen zuordnen. Er mahnt: „Achte darauf, von wem du dich anfassen lässt. Mit wem du dich einlässt und weiter gehst. Bekommt der Körper zu viele unterschiedliche Interaktionen, stürzt ihn das in ein Chaos“. Klickt auf seinen Namen und dann kommt ihr zu seinem Video. Das, was er erzählt, erklärt, warum viele Menschen stumpf werden und /oder randlos über die Tanzflächen und durch die Welt geistern.

Nein Danke.

Mittlerweile gibt es EcstaticContactTrantricDance in Ubud. Hier holen sich die einsamen, angsttrunkenenen Freigeister ihre abendliche Touchdosis ab. Dann fahren sie wieder nach Hause mit einem verwirrten Körper.

„Liebe suchen, jemand suchend, alles abgesucht und niemanden gesehen“ – Bosse. Oder „Liebe suchen, jemand suchend, alles abgesucht und zuviel gesehen“ – Yvi.

Meine gute Freundin Suni, die mit ihrer gut funktionierenden Familie in Ubud ist, sagt: „Yvi hör auf mit dem Zeigefinger auf diese Szene zu zeigen und geh weiter!“ Ich gehe heute Abend zum Tanzen. Nicht randlos, aber mit angeknipsten Herzen. Ich übernehme die volle Verantwortung…oder ich bleibe doch daheim, mal sehen. Mucho Love, Yvi

 

Hampi – Mopedpanne in der Steinwüste

Nach Hampi fuhr ich, um meine Freundin Talia wiederzusehen. Nachdem wir zwei Wochen zusammen Yoga in einem bekannten Ashram im Süden Indiens machten, bin ich alleine lebensmüde nach Gokarna hoch und hatte meine aufregendste Zug- und Nachtbusreise ever. Talia ist weiter nach Hampi, der Stadt, die die meisten auf ihrer Bucketliste haben. Ich gehöre mit zu denen, die urteilen wenn etwas zu sehr gehypt wird: Antike Tempel und Paläste in der Steinwüste ankucken, klang für mich so sexy wie damals mit der 5ten Klasse ins Steinzeitkundemuseum zu gehen – chronische Müdigkeit vorprogrammiert. Da ich Talia aber so sehr mochte, bin ich ihr dann doch noch gefolgt und es war mein bester Impuls.

 

Hampi stellte sich heraus als das für mich bisher beeindruckendste Fleckchen Indiens. Ich stand mitten in einer Steinwüste, die so aussah als hätten Aliens Lego mit Steinen gespielt: Rundes Geröll chillte auf grossen Felsen in einem Winkel, der dazu einlud, dass es rückwärts wieder runter ging. Tat es aber nicht. Gestapelte Steine übereinander so weit das Auge reichte. Ich glotze mir die Augen fast aus und war so beeindruckt, dass ich meine Mopedfahrangst überwand und mir einen eigenen Scooter mietete. Talia hatte Schiss und fuhr mit Mahec mit, einer taffen Inderin, die sie im Zug nach Hampi kennenlernte und mit der wir einen atemberaubenden Bungalow in den Reisfeldern teilten. Mahec war so alt wie Talia und ich, rauchte Kette, trank vormittags mindestens 10 Chai und mochte mich erstmal nicht. Das merkte ich direkt ab Minute 1. Sie war eine knallharte Politikjournalistin aus Delhi, der Stadt mit der ungesundesten Luft der Welt, und einem System, das es Frauen schwer macht. Das musste sie hart machen, um zu überleben, glaube ich. Sie kämpfte für ihre Unabhängigkeit und hatte strategisch ihren potentiellen Ehemann vergrault. Das fand ich cool, aber dieses Vergraulen lag auch hier in Hampi in der Luft.  Wir mussten immer bis mittags warten bis Mahec bereit war Hampi anzukucken und dann war sie hektisch.

Mahec und Talia

Als wir losfuhren – es war meine erste Scooterfahrt ever – fuhr sie mit Talia hinten drauf los als wenn sie von wem verfolgt werden würde. Wurde sie ja auch und zwar von mir. Es war schwer als Fahranfängerin das Tempo zu halten. Nach kurzer Zeit verliess Mahec die Strasse und fuhr mitten in die Steinwüste rein. Es ging über Äste, Geröll, Löcher. Nach einer halben Stunde landeten wir vor einer Felswand, die Sonne brannte und wir mussten umkehren. Als wir die Strasse erreichten, wartete Mahec gar nicht mehr auf mich und zischte mit Talia davon. Mein Reifen zischte auch und begann zu schlingern. Erste Mopedfahrt, erster Platten, welch ein Abenteuer! Ich dachte: „Oh shit. Jetzt bin ich alleine in der Wüste…“ Ich hatte keine indische Simcard, das heisst ich konnte jetzt auch nicht anrufen, musste darauf vertrauen, dass Mahec und Talia merkten, dass ich nicht mehr hinter ihnen war. Das taten sie nicht sofort, aber  nach einer Weile kamen  sie zurück. Ich hatte noch nie einen Platten und dachte: „Das wird jetzt teuer“. Mahec blieb cool und befahl mir und Talia auf dem Felsen neben den Ziegen zu warten. Wir fanden das toll!

Sie wollte mit dem kaputten Moped ins nächste Dorf fahren. Das bekam sie ohne Probleme hin und drei Stunden später war sie zurück. Die Panne kostete kaum etwas, umgerechnet 3 Euro, die Mahec übernahm. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Zum Sonnenuntergang bestiegen wir dann noch den Hanuman Tempel. Wie sassen zusammen da, lächelten uns an und als die dicke gelebt Kugel einen Abgang machte und der Himmel zartlila schimmerte, wurde Mahec endlich weicher.

Einen Tag später machte ich mich noch mal spätnachmittags alleine mit dem Moped los zu einem Geldautomaten in einem Dorf 30 Kilometer entfernt. Ich bedachte nicht, dass es um 18 Uhr schlagartig dunkel wurde. So musste ich alleine mit meinem Moped in der Dunkelheit zurück. Es war die schönste Mopedfahrt in meinem Leben. Das Gefühl „nachts“ alleine durch Indien zu heizen, überwältigte mich: Zwei Dinge, mit denen ich bis dahin nicht gut konnte, Scooter fahren und in der Dunkelheit alleine unterwegs sein, haben mich auf einmal begeistert.

Mucho Love Yvi

 

 

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Karma Taxi Part 2

Ich hatte mir das so easy vorgestellt. Nachdem ich mit Freunden mit einem Taxi morgens um 5 den Hügel hoch nach Sarankot gefahren bin, um mir anzusehen, wie die Sonne aufgeht und dabei um den Himalaya tanzt, entschied ich mich nicht mit dem Auto zurückzurollen, sondern zu Fuss nach Hause durch Landschaft und Dörfer zu spazieren.

Morgens um 6 in Sarankot, noch gut drauf.

Ich wusste, dass eine Strasse in einen Weg mündete, der nach unten zum See ging, wo ich wohnte. Ich lief los und merkte, dass es mehrere Gabelungen und keine Schilder gab. Nach einer Stunde stellte ich fest, dass es kaum runter ging, sondern nur in Serpentinenform von links nach rechts.

Nachdem ich von einigen Dorfbewohnern wie ein Pingpongball hin und her geschickt wurde, reichte es mir.

Nette Dorfbewohnerin

Ich hielt an einem Haus an und fragte die Familie, ob ich nicht einfach querfeldein runtergehen kann, einem ausgetrocknetem Flussbett nach, das von der Richtung her genau auf mein Zuhause treffen müsste. Mit gebrochenem Englisch bejahten sie, und eine Begleiterin tauchte auf. Eine kleine drahtige Bäuerin mit scharfem Blick und einem Stroh-Tragekorb am Rücken, der fast grösser war als sie selbst.

Auch nett, von der rasenden Bäuerin habe ich kein Bild

Sie lief schnellen Schrittes los, ich hinterher. Dazu plapperte sie wie ein Wasserfall auf Nepalesisch. Ich verstand nichts. Nach einigen Minuten tauchten zwei Boys im Gestrüpp auf. Mit erhobenem Buschmesser warnten sie mich vor der Frau. Sie wäre verrückt. Das konnte gut sein, denn sie redete immer schneller, wie ein Spoken Word Artist und droppte immer wieder ein Sprachgemisch aus drei Wörtern „nepalese, rupees und dschungle“. Dann stoppte sie und zog an meiner Halskette. Um sie zu beruhigen, gab ich ihr einen Hundertrupeeschein und rannte davon, die Nepalesin folgte mir. Der Dschungel wurde immer dichter, das trockene Flussbett endete im Gebüsch. Mit Indianerrufen näherten sich uns die Jungs, und es kam zu einem Showdown. Ich fing an zu Brüllen und heulte los. Die Nepalesin wurde ruhiger und gab auf. Die beiden Jungs machten mir den Vorschlag, mir den Weg zum Weg nach unten zu zeigen. Ich verneinte und lief weiter bis zu einem Abhang. Ende. Nun musste ich den beiden vertrauen. Wir liefen zusammen los und sie ermahnten mich, es wäre gefährlich alleine im Dschungel unterwegs zu sein, ein Tourist wäre, wo wir uns befanden, umgebracht worden. Eine Info, die es nicht besser machte. Ich war vollgetankt mit Schiss, mein Herz pumpte. Ich versuchte einen auf cool zu machen und quatschte mit ihnen über Hip Hop und Fussball. Ich erfuhr, dass Prakash und Samir beide 13 Jahre alt sind. Sie sind Bayern München Fans, beste Freunde und leben in einem Dorf am Berg. Prakash erzählte von seiner kranken Mutter, vom Onkel, der das Geld der Familie versäuft und von der Anspannung, die in seinem Zuhause wohnt.  Prakash ist deswegen immer unterwegs zusammen mit seinem Kumpel Samir. Samir hat jetzt aber eine Freundin, Prakash möchte keine. Er möchte nur eins: Immer mit seinem besten Freund zusammen sein und vor allem frei sein!

Ich musste daran denken, wie ich vor einigen Wochen in Indien auf dem Arunachalaberg geklettert war.

Blick auf den Arunachaleswara-Tempel, mit einer Ausdehnung von knapp zehn Hektar ist er einer der größten Südindiens.

Drei Stunden ging es steil bergauf.  Als ich mit meiner Gruppe in der Mittagshitze wieder abstieg, sass an einem Baum eine Frau, die das mittlere Alter überschritten hatte. Erst dachte ich, sie würde kurz ruhen. Ich ging weiter, um den Anschluss nicht zu verpassen. Dann schwappte ein leises Wimmern zu meinen Ohren herüber. Ich fragte sie, ob sie Hilfe bräuchte: „Ja, Wasser bitte“. Meine Gruppe war nun schon weiter unten, und ich immer noch bei ihr. Nach kurzer Zeit unterhielten wir uns auf Deutsch, bzw. sie auf Schweizerdeutsch. Sie erzählte mir, dass sie seit 25 Jahren in der Schweiz lebt und jedes Jahr nach Indien kommt, weil sie Inderin ist.  Sie hätte aber in Indien keine Familienangehörigen mehr. Für ihren Shivabergtrip hatte sie einen Inder angestellt, der sie begleiten sollte und ihre Handtasche trug. Sie war barfuss, und weil sie dem Herren wohl zu langsam war, ist er ohne Rücksicht zu nehmen und ohne sich umzuschauen in seinem Tempo weitergegangen. Ohne sie. Sie hatte Panik und hing wie eine zu weich gekochte Nudel am Baum. Ich gab ihr meinen Arm, sie hakte sich unter, stand auf und setzte in Zeitlupe einen Fuss vor den nächsten. Durch die Mittagshitze waren die Steine aufgeheizt, ihre Füsse qualmten und sie war dehydriert. Auch nach einer halben Flasche Wasser, die ich ihr gab, war sie noch durstig und hungrig, es stellte sich heraus, dass sie morgens um 5 ohne Essen ohne Trinken und ohne Schuhe los ist. Das mit barfuss den Berg besteigen machen viele Inder. Ein Ritual ihrem Gott Shiva zu huldigen.

Die Bergspitze. Spätestens hier müssen alle ihre Schuhe ausziehen.

Ich wurde nervös, auf dem Berg war nun Backofenhitze und sie wollte nicht mehr weitergehen. Nach nur zehn Metern, fragte sie mich, ob wir gleich da sind. Ich machte ihr klar, dass wir in dem Schneckentempo noch Stunden brauchen würden und sie schmelzen wird. Sie jammerte und hatte Angst, ich konnte sie nicht stemmen. Ich wollte runterrennen und den Mann suchen, lief los, sie rief mir verzweifelt mit piepsiger Stimme im Schweizerdeutsch hinterher: „Warten Sie, lassen sie mich nicht alleine“. Ich blieb bei ihr. Dann kam endlich jemand, ein junger Inder. Er war auf den Weg nach oben und setzte sich auf einen Stein. Ich erzählte ihm aufgeregt, dass meine Gruppe weg ist, ich kein Handy habe zum anrufen und dass die Frau nicht mehr gehen kann und wir Hilfe brauchen. Er blieb gechillt und sagte im Predigerton, dass alles gut ist und ich mich nicht Sorgen sollte. Ich solle gehen und er würde auf die Dame Acht geben, indem er sitzen blieb. Irre. Dann wurde tatsächlich alles gut. Denn zwei Männer aus unserer Gruppe, Jannick und Blair, erschienen plötzlich, sie waren auf der Bergspitze länger geblieben und stiegen jetzt erst ab. Perfekt, sie hatten noch Wasser, Orangen, Datteln und Erdnüsse. Dann zeigte die Inderin mit dem Finger in die Ferne: „Da ist er!“ Zu dritt riefen wir nach ihrem Handtaschenträger, und er kam tatsächlich zurück. Auch er hatte Hunger. Nachdem wir beide mit ausreichend Essen und Trinken versorgt hatten, gaben wir dem Taschenträger zu verstehen, dass er sich um die Inderin kümmern musste. Da sie kaum von der Stelle wegzubewegen war, schlugen wir ihm vor erstmal ein paar hundert Meter weiter, die berühmte Meditationshöhle anzusteuern, wo man sich ausruhen konnte. Er versprach es. Die Inderin wollte meinen Kontakt, ich gab ihn ihr nicht, weil ich keine indische SIM Karte hatte und auch keine Geduld mehr, und so verabschiedeten wir uns, ohne unsere Kontakte auszutauschen.

Blair sagte: „Du wirst sie bestimmt wiedersehen so wie du in deiner Geschichte Karma Taxi (klick drauf) einen Taxifahrer in Bangkok durch Zufall wiedergetroffen hast als du dich verlaufen hattest und er dich dann heim brachte.“ Und ich traf sie wieder. Wir verbrachten eine Stunde an der Höhle mit dem Garten, und in dem Moment, an dem wir rausgingen, kam sie uns mit ihrem Handtaschenträger entgegen. Ihr Jammern wich nun einem Lächeln, sie nahm meine Hand und sagte: „Dankeschön, ich hatte so Angst, ich dachte an dem Baum, jetzt ist es vorbei. Sie haben mein Leben gerettet“. Das fand ich nett aber auch pathetisch. Nun gab ich ihr doch meinen Kontakt, nachdem sie nochmals darum bat. Ich erfuhr ihren Namen. Jeya Kovilan. Beim erneuten Abschied sagte sie zu mir: „Wenn man die Gelegenheit bekommt, auf dem Shivaberg, jemanden zu helfen, dann erhält man Gottes Segen.“

Gottes Segen löste ich in Nepal im Dschungel ein. Die Jungs brachten mich zu dem Pfad, der uns runterführte in die Stadt. Klitschnass geschwitzt, mit Kratzern an den Beinen und Sonnenbrand im Gesicht erreichten wir ein Café. Ich kaufte Wasser und Bananenkuchen für uns.  Dann begleiteten sie mich noch bis nach Hause. Ich bin ihnen für immer dankbar.

Prakash und Samir

 

 

Mit Herzrasen zu Osho

Hab ich mich erschreckt. Mit einem Riesenplatsch macht ein Affe eine Arschbombe auf den Teller von Oshos Yoko Ono. Der Dhal – ein gelber flüssiger Linsenbrei – macht ein Muster auf ihren grossen Brillengläsern, ihrem weinroten Kleid und dem Osho-Plastikbild, das an einer Mala, einer buddhistischen Gebetskette, an ihrem Hals hängt.  Auch ich bekomme eine Portion Spritzer auf meinen weinroten Poncho aus Kashmirwolle ab. Es sind 30 Grad, mir ist sehr warm, Dresscode rulez! Dieses Outfit trage ich nun eine Woche lang tagsüber, und ich fühle mich so sexy wie eine verformte Aubergine, die fällig für den Kompost ist. Ich bin bei Osho Tapoban, der Kommune in den Bergen Kathmandus. Es ist die günstigere Version des Ashram in Indien, den Osho damals in den 70er Jahren in Pune aufbaute und der heute zu einem luxuriösen internationalen Meditations- und Selbsterfahrungsresort gewachsen ist. Zu gross für mein Budget, deswegen stecke ich nun in Kathmandu am Mittagessenstisch mit Yoko Ono – so nenne ich sie jetzt, weil sie tatsächlich wie Yoko Ono aussieht. Sie ist eine Sannyasin, eine Anhängerin, die Osho noch zu Lebzeiten kannte, der mit nur 59 Jahren eine Biege machte. Etwas weiter neben dem Essensgebäude ist sein Grabstein, es ist eine Art Bagelförmiges Schwimmbecken ohne Wasser, in der Mitte ist ein Baum und ein Schild mit Vogel. Auf dem steht: Osho – Nie geboren – nie gestorben, nur zu Besuch auf diesem Planeten, 11. Dezember 1931 – 19. Januar 1990.

Für alle, denen dieser Planetbesucher Osho nichts sagt: Er war ein indischer Guru mit Wallebart und hypnotischen braunen Augen, der so oft seinen Namen wechselte wie Prince und sich ähnlich wie ein Popstar feiern liess. Er war ein Sexguru, der die Philosophie des Tantra ins alltägliche Leben schubste,  er spukte der Scheinheiligkeit unserer Welt ins Gesicht, kritisierte alle möglichen Religionen, bis auf Jesus und Buddha, die fand er spitze. Nach Buddha lehrte er Selbstliebe, Mitgefühl mit seinen Mitmenschen zu haben und im Moment zu leben, was auch bedeutet, loslassen zu lernen. Denn alles was vorbei ist, ist vorbei.

„Osho ist ein erleuchteter Meister, der mit allen Möglichkeiten arbeitet, um den Menschen zu helfen, diese schwierige Phase in der Entwicklung des Bewusstseins zu überwinden.“ – der Dalai Lama

 

Bevor er als spiritueller Playboy durch die Decke ging, studierte er Philosophie, eckte immer wieder mit seinen Vorgesetzten an, war als Professor tätig und fing während der Lehrzeit an durch Indien zu tingeln, um stundelange rein improvisierte Vorträge zu halten. Er predigte, dass der Wert eines Menschen nicht daran auszumachen ist, was er im Aussen schafft, also wie viele Tindermatches er bekommt, wie geil sein Job oder fein modelliert sein Körper ist, den er/sie dann gerne exzessiv auf Instagram ausstellt, um noch mehr Follower zu bekommen. Dass Ehrgeiz, Druck und Wettbewerb uns kaputt machen würden und man in der Schule lieber unterrichten sollte, sich gegenseitig zu unterstützen, statt dem anderen was zu neiden und immer besser sein zu wollen. Er erklärt, warum man Ehebetten verbrennen sollte und erstmal lernen sollte mit sich selbst, ALLEINE, komplett und glücklich oder zufrieden zu sein, damit man sich nicht zeitlebens auf Partner stürzt und sie wie eine Tafel Schokolade verschlingt, in Hoffnung ein Glücksgefühl zu bekommen, das aber so schnell nachlässt wie ein Zuckerhoch. Da braucht man dann schnell Nachschub.

Ich denke an meine indische Yogalehrerin Jeenal, die bis Mitte 20 niemanden datete, um erst einmal eine starke unabhängige Persönlichkeit zu entwickeln. Das ist in ihren Kreisen so üblich. Wie viel Liebeskummer durch Unreife und Unwissenheit  würde uns erspart bleiben, wenn auch wir uns erstmal noch ein Weilchen zurückhalten würden, um uns selbst besser kennenzulernen.

Ich laufe an einem Schild vorbei, dass ich wirklich nach jahrelangem Üben mit Auf und Abs unterschreiben kann. Ich weiss, wie vier Jahre Beziehung gehen, und auch ein Jahrzehnt, und ich weiss, wie sich das plötzliche Ende anfühlt, wenn alles in wenigen Sekunden einstürzt und man wackelt und nicht weiss, wie laufen und atmen alleine gut gehen. Vor sechs Jahren begann meine Reise. Dieses durch die Welt alleine laufen. Nach kürzeren Begegnungen, die ich bewusst verabschiedete, sage ich heute: „Ohne Heimat keine Reise“. Damit meine ich auch die Reise zu mir selbst. Ich habe bei mir selbst angefangen –  vom bedürftigen Kleinkindmodus hin zu „Alleine ist es auch ganz schön schön.“  Noch vor einigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, mal ohne Beziehung zu sein. „Alleine atmen, alleine durch die Welt reisen, wie schrecklich…“ Also physisch konnte ich das immer gut, am Ende auch mit jahrlanger Fernbeziehung: Jeder machte sein Ding, verwirklichte sich im Beruf, aber trotzdem war da ja jemand, der einen stützte. Tägliches skypen und telefonieren gaben mir das Gefühl nicht „alleine“ zu sein, und tatsächlich brauchte ich das, um voranzukommen. Viel Feedback und Support gab es in dieser Zeit der Beziehung, und ich bin dankbar dafür. Was ich nicht lernte, war ohne den Halt eines anderen mein Ding durchziehen. Ich bekam dann von heute auf morgen die Chance das zu lernen, und ich tat es. Ich lernte nicht nur mit mir alleine klarzukommen, sondern auch alleine selbstbewusst zu sein. Ich bekam genug Situationen, um zu üben. Als ich aus der Beziehung rausfiel und ich dabei war, mich wie eine zersprungene Teekanne zu flicken, stand schon die Gesellschaft da, die mich mitleidsvoll anglotzte. Auf der Familienfeier wurde beunruhigt gefragt: „Was ist mit Dir? Du siehst doch gut aus, warum hast du denn keinen Mann?“ Die Hausärztin fragte, ob ich denn keinen Kinderwunsch hätte und wies mich daraufhin, dass ich mich beeilen sollte, so nach dem Motto: „Frau Ü 30 ohne Mann und Kinder ist ein viertel Hähnchen, seltsam und wird einsam und alleine sterben.“ Sterben tun wir alle alleine und es liegt nicht in meiner bzw. unserer aller Kontrolle, wie sich ein anderer Mensch verhält. Unsere Kontrolle endet bei uns selbst. Und sowieso Beziehung ist nicht sowas wie in den Laden gehen und sich was neues kaufen, auch wenn viele mit Tinder und co. genau in diese Richtung gehen.

Heute stelle ich fest, dass es doch eher schwierig ist, wenn man nie lernt mal Sonntagsabends mit Pizzaessen und Film kucken alleine auf dem Sofa glücklich zu sein. Stattdessen schummelt man sich von der einen in die nächste Beziehung, ohne einen Atemzug dazwischen zu lassen. Wie ein Kleinkind, das ohne Muttis Hand nicht laufen kann. Selten höre ich einen Satz wie: „Wir stellten beide fest, dass wir nicht mehr glücklich miteinander waren, und beendeten deswegen unsere Beziehung, und jeder von uns hat danach eine Weile alleine gelebt, um das Ende zu verarbeiten.“ Meistens ist es doch so, dass einer schon zweigleisig fuhr, bevor er/sie sich traut das Alte loszulassen. Ich selbst muss mir hier an die Nase packen, und entschuldige mich bei meiner ersten Liebe, die genau das mit mir erlebt hatte.

Osho macht klar: Erst wer alleine durchs Leben zuckeln kann, kann auch zu zweit gut  reisen. Wenn der Lieblingsmensch dann eine Strasse weiter ohne uns abbiegt, ist das okay, denn alles ist in ständiger Veränderung und unterliegt, wie gesagt, nicht unserer Kontrolle. Was wiederum nicht heissen soll, dass wir impulsiv abbiegen sollten, wenn die Strasse mal holpert und eine Baustelle kommt. Osho, der auch mal raushaut, dass Ehemänner Dummköpfe sind, ist nie gegen Beziehung gewesen, er findet es sogar gut, wenn man sich mal richtig auf wen einlässt. Er sagt aber auch wie wichtig Freiheit ist, damit Liebe atmen kann. Freiheit ist aber nicht zu verwechseln mit wie ein wilder Vogel impulsiv durch die Gegend zu vögeln, sondern einfach nur keine anhängliche Klette zu sein. In den 80ern sprach er darüber, dass wir in der westlichen Welt zu schnell unsere Partner aussortieren und zu viel belanglosen Sex mit irgendwelchen Menschen haben würden. Was würde Osho heute sagen? Die Tinderhölle, so erfuhr ich, ist sogar unter Reisenden aktiv, die sich für ein paar Stunden treffen, Knick Knack und dann adieu sagen. Ich finde das erschreckend, erklärt aber auch, warum kaum jemand mehr im Café vom Smartphone aufkuckt, egal, ob vor ihm ein balinesisches Reisfeld ist, ein Strand in Indien oder ein leckeres Frühstück in Kuala Lumpur.

Weil fleissige Menschen Oshos Reden abtippten und in Bücher packten, lernte ich ihn vor fünf Jahren kennen durch das Buch „Mut. Lebe wild und gefährlich“. Es geht darum, sich seinem Schiss zu stellen und zu kapieren, dass viele unserer Ängste aufgeblasene Schwabbelmonster sind, die uns nur klein und gefangen halten wollen und uns zuflüstern „Bleibe da, wo du bist“. Auch in Beziehungen bleiben wir oft sehr lange, obwohl wir merken, dass sie nicht mehr echt sind. Dass die Liebe ausgezogen ist, und das Zusammensein nur noch auf Bequemlichkeit beruht und oder auf der Angst, alleine zu enden. Ich selbst habe damals sehr lange in einer Beziehung ausgeharrt, die bis zur Halbzeit absolut gut und wichtig für beide war, aber danach leider nur noch eine Illusion. Aus Schiss „alleine“ zu sein, blieb ich bis das Kartenhaus einstürzte.

Ich treffe bei Osho Tapoban Nina, eine 53 jährige Inderin, aufgewachsen in Nepal, die mit 21 zwangsverheiratet wurde mit einem Inder in New York.  Zwischen ihnen gab es weder Verliebtsein, noch Liebe, noch Freundschaft, noch gemeinsame Interessen. Sie respektierten sich. Am Anfang der Ehe haute Nina noch zwei Mal ab zu einer Freundin, dann blieb sie 30 Jahre lang. Dass sie mit 51 den Mut aufbrachte und sich scheiden liess, ist bemerkenswert, aber auch ein Tabu in ihrer Kultur. Sie sagte: „Yvi, jeder redet von dieser Liebe mit den Schmetterlingen im Bauch. Ich möchte das doch auch einmal im Leben erleben.“ Osho sagt: „Folge deinem Herzen und scheue nicht davor ins Ungewisse zu springen!“ Jedes Ende bringt das Ungewisse, vor dem die meisten von uns Schiss haben. Dabei kann das Verlassen der Komfortzone kreativ machen, neue Kräfte freisetzen und Platz für Neues schaffen. Egal ob mit einer Beziehung oder dem Leben allgemein. Mein Sprung ins Ungewisse ist meine Reise. Mein Leben in Leipzig hatte sich durchaus gut angefühlt, aber ich wollte trotzdem einmal im Leben ausbrechen. Seit Jahren träumte ich jede Nacht davon, durch fremde ferne Länder zu zuckeln und Dinge zu sehen, die ich nicht kenne, mir Zeit zu nehmen und mich meinen tiefsten Ängsten mal wirklich zu stellen. Aus Existenzangst schob ich, aber der Wunsch verfolgte mich und quälte mich so lange, bis ich ihm nachgab und ihn zu meinem klassischen Lebenslauf hinzufüge – Abi, Studium, Auslandsjahr, Traumjob in Köln und Traumjob in Halle, alleine auf Weltreise…

Es ist mein „Lebe wild und gefährlich“ Programm und dafür muss ich keine adrenalinbesoffenen Abenteuerexpeditionen machen, es reicht schon ohne die herkömmlichen „Sicherheiten“ eine Weile zu leben. Am Anfang meiner Reise verschanzte ich mich in einer Bambushütte. Sorgensüchtigeschrottgedanken veranstalteten ein Konzert in meinem Kopf, und ich flüchtete mich in die sozialen Netzwerke. Ich wackelte, denn zwei mir bisher äusserst wichtige Säulen waren gefällt. Beziehung und Job. Ich hätte mir vor Jahren niemals vorstellen können ohne beides zu überleben. Nun… ich lebe noch. Und damit ich noch mehr Survivalfeeling  abbekam, musste ich meine Wohnung aufgeben, denn meine Hausverwaltung erlaubte Untermiete nicht. Nicht mal, obwohl ich ein Jahr Kaltmiete im Voraus bezahlen wollte. Es sollte wohl definitiv so sein, nix mehr zum Festhalten. Als mein Vater mir half, meine Wohnung aufzulösen und der Herr der Hausverwaltung das goldfarbene Klingelschild mit meinem Namen darauf abmontierte und es mir in die Hand drückte, dachte ich mir hysterisch-euphorisch „Ja gut einmal im Leben sollte man auch das mal erleben.“ Osho würde applaudieren. Die Konfettikanone, die ich in der anderen Hand hielt, vergass ich vor lauter Aufregung zu zünden, sie wartet auf mich zuhause.

Für mich ist auch hier klar „Ohne Heimat – keine Reise“. Meine Heimat ist Leipzig. Viele, die hier in der Oshokommune landen, haben alles hinter sich gelassen oder kommen mit dem alltäglichen Leben und den Gesellschaftsanforderungen nicht klar, oder sie kommen aus ärmlichen Verhältnissen wie einige Nepalesinnen. Oder sie sind echte Meditationsfreaks und haben Bock auf Erleuchtung. Also Erleuchtung strebe ich nicht an, ich bin schon im Alltag erleuchtet wenn ich geile Pommes esse, starken duftenden Kaffee einhauche, ein tolles Konzert besuche oder gute Gespräche führe. Ich mag normales Leben und „normale“ Menschen, was mir auf dieser Reise immer klarer wird.

Die meisten der Osho Anhänger in Kathmandu sind zwar lieb, aber ich habe ein komisches Gefühl. Ein junger grossgewachsener Nepalese lacht sich die komplette Woche lauthals durch den Tag. Seine Augen sind weit aufgerissen, sein Gesicht puterrot. Vielleicht ist er in Oshos Lachwoche hängengeblieben, die ist Teil eines dreiwöchigen Programms. Da muss man eine Woche lang drei Stunden am Tag lachen, auch bzw. gerade wenn man sich hundeelend fühlt.

Etwas weiter in der Ecke grinst sich eine wunderschöne um die 60 Jahre alte Australierin einen. Sie hat sich nach acht Jahren Singledasein in einen 30 Jahre jüngeren Nepalesen verliebt, beziehungsweise er sich in sie. Es sei pure Liebe. Sie möchte Teil der Kommune werden.

Ein gelockter Inder spricht mich an und fragt mich, ob ich auch Schiss vor Beziehungen hätte, und ob ich nicht Lust hätte mit ihm abends eine Runde spazieren zu gehen. Bisschen Sex üben. Ich verneine dreifach.

Yoko Ono möchte wissen, warum ich zum Meditieren gekommen bin. Ich erzählte ihr von meinem nervös hechelnden Herzen, das besonders in der Nacht einen auf „Renn so schnell du kannst“ macht und zwar seit Teenagerzeiten. Ich habe mich trotz meiner Ängste von nichts in meinem Leben abhalten lassen, aber ein rasendes Herz strengt an, macht müde, unausgeglichen und zapft einiges an Energie ab, die ich lieber für andere Dinge verwenden möchte. Sie zitiert Osho: „Es gibt nichts zu fürchten“. Ich weiss das auch, aber mein Nervensystem sieht das, seit ich denken kann, anders. Diese Reise ist auch dazu da, Schluss zu machen mit meinem Panikherzen.

Wochen zuvor hatte ich in einem zehntägigen Bootcamp versucht mein Herz mit der strengen Vipassanameditation zu besänftigen. (Nachzulesen hier  unter Be happy – Meditation statt Malediven)  Es gelang mir zwar die 130 Stunden zu sitzen und 10 Tage zu schweigen, aber es gelang mir weder die Gedanken abzustellen noch das Herz zu beruhigen, und beides hängt ja zusammen, also so, wie man denkt, so schlägt das Herz. Mein Herz brodelte danach wie ein Vulkan, der kurz davor war auszubrechen. Osho war Fan von Vipassana, sagt aber, dass unsere westlichen Köpfe für stundenlanges Sitzen ohne Vorbereitung nicht gemacht sind. Wir hätten zu viel Mistgedanken im Kopf und damit wir im Stillsitzen nicht explodierten, müssten wir erst unsere Köpfe entleeren – das ist in etwa so wie kacken gehen.

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Einmal entleeren bitte!

Fürs Entleeren beziehungsweise Entladen entwickelte Osho eine aktive dynamische Meditationsform, bei der wir unsere Gefühle und angestauten Emotionsmonster wie Angst, Trauer und Wut, die ja in unseren Körperzellen hocken und drauf warten, dass unser Lieblingsmensch, Mutti oder unsere Kollegin den Knopf drückt,  erstmal selbst mit Wucht aus unseren Systemen rausschubsen. Und das sieht bekloppt aus. Morgens beginnen wir mit wildem lauten Ein- und Ausatmen dazu die Hände zum Himmel und mit Schmackes zum Brustkorb. Dann müssen wir 15 Minuten durchdrehen: Wir sollen brüllen, weinen, schreien, wonach auch immer uns ist. Eine unfassbare Lautstärke trommelt gegen meine Ohren, dagegen ist ein Motörheadkonzert mellow. Erst stehe ich völlig perplex da und urteile: „Man das ist ein Irrenhaus hier.“ Aber mal ganz ehrlich wer von euch hat nicht auch öfters mal Bock einfach loszuschreien oder gegen etwas zu treten? Im Strassenverkehr lassen ja auch einige Autofahrer ihre angestauten Frustrationen raus. Das ist hier nix anders nur in geschütztem Rahmen und sehr viel bewusster. Ich bin schon nach zwei Minuten brüllen heiser und friedlich. Jetzt hüpfen wir, unsere Arme gehen zum Himmel und wir rufen hu hu hu. Das ist megaanstrengend und dient zur Aktivierung unserer Energie im Powerhouse also Bauch.  All das dient auch dazu unser Atemmuster zu durchbrechen, denn die Art des Atmens ist gekoppelt an unsere Gedanken. Ich zum Beispiel atme oft sehr flach und gepresst, was zeigt, dass ich ein bisschen angespannt bin. Dann 15 Minuten Stille gemäss Vipassana.

Nachmittags haben wir dann Kundalini Meditation, eine Praxis aus dem Tantra, um unsere Energie zu verbessern. Nein das hat hier nichts mit Sex zu tun. Hier geht es darum, dem Nachmittagstief und Verspannungen an den Kragen zu gehen. Stehend schütteln wir uns zu niedlicher Glöckchenmusik. Ich finde das besonders gut, weil ich immer noch eine Wirbelsäule habe, die eher einer rostigen Stange gleicht statt einer Feder. Dann tanzen wir und danach sitzen wir wieder still. All das passiert mit geschlossenen Augen, damit keiner sich schämt. Was für ein Bekloppti doch dieser Osho ist, denkt ihr jetzt vielleicht. Ich muss sagen, dass seine Methode wirklich gegen Unruhe und Anspannung hilft. Und wenn Osho es schafft, den Menschen mit seinem Hüpf- und Schreiprogramm ausgeglichener zu bekommen und festgefahrene Muster zu durchbrechen, finde ich das gut. Und erinnern wir uns mal zurück als wir noch kleine Hüppedinger waren, da haben wir uns auch keine Platte gemacht, was die anderen denken. Osho ist für mehr Spass, frei- und durchdrehen und sagt „Ernsthaftigkeit ist eine Krankheit“. Mein Panikherz wurde übrigens untersucht und offiziell als unbedenklich bewertet. Äusserliche Mittelchen würde ich niemals nehmen, genausowenig wie Aufputschmittel, um effektiver arbeiten zu können oder Drogen, damit das Leben spannender wird. Ich denke, was nicht ist, ist nicht und hat seinen Grund. So ein Körper muss das alleine schaffen. Ich stimme meinen Körper auf dieser Reise wie ein Instrument und kucke was passiert durch Yoga, Meditation, Qi Gong, Singen, Tanzen und Wandern  immer nach dem Motto: „Raus aus dem Kopf, rein in den Körper“.

Abends wird es noch mal aufregend, ich habe das Gefühl in der Anstalt zu sein, denn alle tragen weisse lange Kittel. Erst gibt es einen Oshovortrag von Band, dann kollektives Raven und Ausrasten zu Technomusik und Hare Krishnasongs und im Hintergrund werden Oshofotos als Slideshow an die Wand gebeamt, zu denen sie mit ihren Händen zum Himmel nach jedem Song Oshoooooooo rufen.  An einem Abend hat es dann volles Rohr Sektencharakter. Der Boss der Kommune kommt für einige Tage, um neue Sannyasins zu initiieren. Er drückt seinen Finger an ihre Stirn, ans dritte Auge, hängt ihnen die Mala mit Oshobild um. Dabei weinen, schreien, zittern sie, fallen dann wie tote Fliegen um und bleiben regungslos die nächsten 45 Minuten liegen. Ein rundliches Mädchen läuft mit Kamera rum und filmt es für Facebooklive. Yoko Ono ist erbost, weil das Mädchen es nicht richtig macht. Das ist für mich mal wieder 1 A Esoentertainment.

Swami Anand Arun und der Initiationsritus

Ich bleibe regungslos am Rand sitzen und habe zum Glück Nina an meiner Seite, die wie ich das Spektakel mit offenem Mund betrachtet. Für mich ist klar, dass ich auf keinen Fall länger bleibe als die gebuchten sieben Tage. Nina hat nur fünf Tage Zeit, weil sie busy in New York ist und ihr Freund auf sie wartet. Er ist ein Multimillionär und Kontrollfreak und böse auf sie, weil sie etwas ohne ihn unternimmt und dann auch noch was für sich selbst tut. Sie hat tatsächlich direkt nach der Scheidung, einen alten Freund gedatet, mit dem sie jetzt eine romantische Beziehung führt. Das verliebte Herzklopfen, das sie einmal im Leben erfahren wollte, erlebte sie in den ersten Monaten mit ihm. Jetzt leidet sie nur noch, weil er sie kontrolliert, erniedrigt und seine alten Flammen nicht ganz auspustet. Sie sagt: „Ich möchte die schöne Anfangszeit zurück, jetzt fühle ich mich nur noch erbärmlich bei ihm“.

Nina spricht auf SoundCloud https://soundcloud.com/yvonne-struewing/nina-about-arranged-marriage

Eine Weile ohne Beziehung zu sein, kann Nina sich nicht vorstellen, sie grübelt den ganzen Tag, was sie machen kann, damit ihre Beziehung wieder schön wird. Dass es Menschen gibt, die in den ersten Monaten der Eroberung Gas geben und danach den anderen fertig machen nach dem Zuckerbrot und noch mehr Peitsche Prinzip, möchte sie nicht wissen. Sie sucht den Fehler bei sich. Ich empfehle ihr das Buch „Leben mit Picasso“, der zeitlebens grausam zu seinen Frauen war und schenke ihr das Buch von Jane Fonda „Primetime“, worin sie schreibt, sich mit über 60 Jahren von Ehemann Nummer 3 scheiden zu lassen. Denn Jane war immer in Beziehungen und spielte die Rolle,  „Frau an der Seite von…“. Die wollte sie einmal im Leben ablegen und kucken wen sie trifft – bei sich selbst. Ninas Ausflug zu Osho ist ein Anfang  mal mit sich zu sein. An einem Tag schwänzt sie das Programm, um mit einigen jüngeren Nepalesen zu einem Wasserfall zu wandern. Ein heftiger Regen bricht herein und sie kommt Stunden später aufgeregt zurück. „Das war der schönste Tag in meinem Leben, da war der Wasserfall, die Natur, der Spass mit den anderen, ich bin gerutscht, meine Klamotten sind total durchnässt, sogar Blutegel waren an mir dran. Ich fühlte mich so lebendig“. Und genau darum geht es. Osho sagt, dass der Sinn des Lebens leben ist und zufrieden zu sein, mit dem, was gerade in diesem Moment ist.


Nina lebte die letzten 30 Jahre im Reichtum, Perfektionismuswahn und war immer im Nochmehrerreichenmodus. Nachdem ihre Kinder das Haus verliessen, machte sie ihren Doktor in Pharmazie, wurde Chefin von 85 Mitarbeitern und sie hat sich selbst bei all dem vergessen. Sie habe ihrem Mann gedient, versucht der strengen Schwiegermutter alles recht zu machen, ein Business geführt, die Kinder grossgezogen, dann noch einmal studiert, um noch mehr Anerkennung zu bekommen. Dann kam die Menopause, und sie ist wie ein wütender Vulkan ausgebrochen. Sie sagt: „Ich bin leer und verzweifelt.“ In einer Pause erzählt sie mir von ihrem Leben ausführlich, sie redet über ihre Ehe ohne Liebe, ihren Perfektionismusdrang, ihren Ehrgeiz es allen Beweisen zu wollen, ihre Scheidung und den Kampf um romantische Liebe. Hier lest ihr  das Interview.   

Oshos Vortrag geht genau darum. Um Menschen wie Nina. Wir alle sind ein Stück Nina: Der Mensch rennt schnell. In den meisten Fällen vor sich weg. Mehr Geld, mehr Fame, mehr Likes, mehr Titel, mehr Klamotten, mehr Romanzen… das ist die Währung, hinter der oft die Leere lauert – wenn man nicht gelernt hat, sich selbst zu mögen und sich selbst zu genügen, wenn echte Selbstliebe fehlt. Und wenn man mal anhält und all das beiseite lässt, kann das zu starken Gefühlen wie Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit und Verzweiflung führen. Ich kann das bestätigen. In den ersten Wochen meiner Reise, fühlte ich mich wertlos. Ich fragte mich wer ich nun war, ohne meinen Job beim Radio, ohne Partner, ohne proppevollen Kleiderschrank. Um davor nicht wegzurennen, wählte ich bewusst das Langsamreisen, lange an einem Ort zu bleiben und das aushalten, was ist und das, was meiner Meinung nach nicht ist. Denn die Anwesenheit des Abwesenden kenn ich immer noch gut…wenn ich noch ein Kleid mehr kaufe, dann… wann kommt denn der neue Lieblingsmensch…?

Osho sagt, dass diese chronische Leere niemals gefüllt werden kann, wenn man nicht aufhört zu rennen, um es sich und anderen zu beweisen.  Ich denke an den getriebenen Mathematikstudent, der diese Wissenschaft nicht gewählt hat, weil sie ihn brennend interessiert, sondern weil sie die schwerste Wissenschaft der Welt ist. Er leidet täglich unter seinem Ehrgeiz, kann aber nicht anders als sich mit seinen Konkurrenten zu vergleichen und nach dem Professortitel zu hecheln. Den braucht er dringend aus Statusgründen, denn ohne den sei er ein Versager – glaubt er. Erreicht er das Ziel, will sich das Glück trotzdem nicht einstellen. Also wird die nächste Challenge angegangen – Marathon laufen, dann kommt ein Porsche dazu, mit dem er seine Geliebte abholen kann für Spritztouren durch Kalifornien. Das soll nicht heissen, dass man all das nicht anstreben sollte, also Karriere, Karre und ein gutes Leben mit ausreichend Gütern, das kann man durchaus, Osho selbst mochte Kohle und teure Autos und sicher auch ein bisschen das Abgefeiert werden seiner Anhänger. Es ist wie mit den Beziehungen. Dasselbe Prinzip: Ohne Heimat keine Reise. Erst muss man sein Inneres reich machen, dann darf man gerne Karriere & Kohle machen, in seiner heissen Karre durch die Hood fahren und braucht vielleicht gar keine Geliebte mehr, weil man schon satt ist.

Osho erzählte von einem krass reichen alten Mann, der ein Leben in Saus und Braus geführt hatte. Er hatte alles erdenkliche „erreicht“, konsumiert, erlebt und langweilte sich: Also musste der Mount Everest bestiegen werden, (was tatsächlich einige aus Leere und Langeweile machen und damit ihre Guides gefährden, weil sie dazu gar nicht fit genug sind).  Als er ankommt und mit seinen schmächtigen Füssen auf dem schneebedeckten Gipfel steht und in den unendlichen Himmel schaut, fällt er in sich zusammen und weint. Das hohle Loch in seiner Brust und Magengegend, dass er seit er ein armer Student war, versucht hatte zu stopfen, war immer noch da. Jahrzehntelang häufte er Dinge und Menschen an auf der Suche nach Glück und Liebe. Nichts konnte ihn nachhaltig befriedigen. Und jetzt hier alleine auf diesem Berg ohne all das drum rum geht ihm ein Licht auf: Er war sein Leben lang auf der Suche nach der Liebe zu sich selbst.

Fall in love with your solitude – Rupi Kaur. Mucho Love for yourself, Yvi

 

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