Straßenkindern in Nepal ein Zuhause geben – Diana Weinert

Ein Junge lag gestern mitten im Touristenviertel Thamel auf dem Gehweg. Dem Viertel, wo Verkäufer jeden scannen und auffordern zu kaufen. Auf diesem Gehweg vor diesen Läden lag dieser regungslose Körper. Das Gesicht am Asphalt. Ich schaute hin, überlegte und ging weiter. Wie alle anderen. Dann zog es mich zurück. Ich fragte im Laden, vor dem der Junge lag, was zu tun ist. Eine Nepalesin kuckte mich beschämt an, und erklärte mir, der Junge käme jeden Tag. „Er kommt also jeden Tag, um bewusstlos auf dem Gehweg zu liegen?“ fragte ich. Sie bestätigte. Ich besorgte was zu essen und zu trinken – Traubensaft, Kekse. Wasser. Und kontaktierte Diana Weinert. In Pokhara am Fusse des Himalaya lernte ich sie kennen. Sie kümmert sich ehrenamtlich und auf Eigeninitiative um Strassenkinder in Nepal.  Sie gab mir den Kontakt zu einem Kinderhilfswerk in Kathmandu. Ich rief an. Skeptisch aber freundlich wiesen sie mich darauf hin das Dropcenter in Thamel anzurufen. Das wiederum bat mich, die Polizei zu kontaktieren. Zum ersten Mal in meinem Leben wählte ich 101 und nach einigen Minuten Verständigungsschwierigkeiten – „Engliiiiiiish please!“ kapierten sie, was los ist und wo sie hinkommen sollten. Ich wartete und beobachtete die vorbeigehenden Menschen. Eine Asiatin, im Superfashionistastil hielt an, zog ihren Lippenstift nach, machte ein Selfie und registrierte dann, dass vor ihr ein Junge mit verdreckt-zerfetzten Klamotten am Boden lag. Sie schenkte ihm gefühlt eine halbe Sekunde, glotze dann wieder ins Smartphone und ging schliesslich weiter. Eine ältere Dame schlug die Hände vors Gesicht und sagt „Oh my God, my heart breaks!“ Ihr Lover stand ratlos wie ein kleiner Junge hinter ihr. Ich forderte beide auf zu bleiben und zu helfen. Sie gingen weiter. Viele, die die Strasse entlang schlenderten, nahmen den Jungen wahr. Dann stoppte jemand und blieb. Ein Nepalese.  Er weckte den Jungen auf. Benommen setzte er sich halbaufrecht hin, sein Gesicht kam zum Vorschein mit einer Wange, die von starken Asphaltabdrücken gezeichnet war. Ich sprach mit ihm, der Nepalese übersetzte. Er heisst Ruslan, ist 11 Jahre alt und hat keine Eltern mehr. Er ist Klebstoffabhängig wie so viele der tausend Strassenkinder in Kathmandu. Sein Blick war milchig-stumpf und schon wieder im Suchtmodus nach dem nächsten Zeug, das seinen Schmerz platt machen soll, darüber, dass familiäre Liebe ihm enthalten bleibt, und dass die meisten Menschen wegschauen. Während er die Herzenkekse verschlang, die ich ihm pathetisch mitgebracht hatte, ahnte er langsam, dass was im Busch war. Die Polizei kam und fuhr mit ihrer fetten Karre an uns vorbei. Ich rief hinterher, aber sie fuhren zu schnell. Dann ein Anruf von ihnen, wo ich denn mit dem Jungen sei. Ich bat sie zurückzufahren. Das machten sie und der Junge checkte die Lage und rannte fort. Erst wankend, dann immer schneller. Er liess Wasser und Saft  stehen, die Herzchenkekstüte nahm er mit. Die Polizei kam zwei Minuten zu spät, die vier Beamten fragten mich, ob der Junge ernsthaft  – also lebensgefährlich  – verletzt sei. Ich sagte ihnen, dass er benommen und mit geschwollener Wange am Boden lag. „Ach, er ist süchtig. Da ist nichts zu machen“ erklärten sie nüchtern mit verschlossenem Herzen. Mitleid spürte ich nicht, dafür mir gegenüber etwas Hohn, dass ich mich um so“was“ kümmere. Ich versuche das nicht zu werten und weiss, dass es unglaublich viele dieser Strassenschicksale gibt. Da müsste die Regierung anpacken mit Geld, Power und Herz.

Diana Weinert aus Köln hat Power und Herz.  Sie kommt immer wieder nach Nepal, um Strassenkindern zu helfen.

Jetzt verstehe ich sie umso mehr, warum sie sich einsetzt. Als ich sie vor einigen Wochen auf der Strasse in Pokhara kennenlernte, erzählte sie mir von Ashish, einem Jungen, der am See lebt. Seine Klamotten sind nicht ganz so dreckig und zerfetzt wie die von Ruslan und er scheint auch nicht drogenabhängig zu sein. Noch nicht. Er ist 9 Jahre und von zuhause fortgelaufen. Sein Vater ist alkoholabhängig, die Mutter mit einem anderen Mann fortgegangen. Ashish ist wie ein wilder Hundewelpe. Er lässt sich nicht bändigen. Gefühlt alle Langzeittouris, die sich in Pokhara niedergelassen haben, kennen den Jungen. Er hüpft auf Tischen, rennt umher, reisst einem die Kopfhörer von den Ohren, jammt mit den Hippies und schaut einen mit feurig-begeisterten Augen an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diana versucht seit vier Wochen diesen Jungen in ein Kinderdorf bei Pokhara zu bekommen, wo er leben und lernen soll. Sie tut alles dafür Ashish eine „Ausbildungs-Heimat“ zu geben, fuhr immer wieder in den letzten Wochen stundenlang Bus zum Dorf des Vaters, um Papiere zu besorgen, die sie für den Antrag einen Platz für ihn zu bekommen benötigt.  An einem Morgen durfte ich sie dann zum Kinderdorf in Bhakunde  bei Pokhara begleiten. Ashish sollte auch mit, der war aber wieder verschwunden. Wir gingen also ohne den Jungen dorthin.

Wenn er wüsste wie schön es dort ist, wäre er nicht schon wieder abgehauen. Ein Deutscher betreut dieses Kinderdorf mit seinem „Freundeskreis Nepalhilfe e.V.“ Gelegen in schöner Landschaft mit Garten, Gemüseanbau und Tieren, leben hier aktuell 80 Waisen, Halbwaisen und Kinder aus schwierigen Elternhäusern. Ein guter warmherziger Ort, der den Kindern eine Heimat gibt, von wo aus sie nach Klasse 8 gestärkt und vollgetankt mit wertvollem Wissen weiterfliegen können. Oft auch mit Medaillen und Pokalen. In Karate sind sie spitze. Wie eine 16-Jährige Nepalesin, die mittlerweile in Pokhara lebt, aber regelmässig zu Besuch kommt, um Lehrer Betreuer und Kids wiederzusehen. Es ist eben Familie. Bedenkt man, dass die Hälfte der über 14-Jährigen Nepalesen Analphabeten sind und nur die Hälfte der eingeschulten Kids den Grundschulabschluss schafft, ist das Kinderdorf eine grosse Chance.

„Wie benehme ich mich mit den Nachbarn?“ ist der Unterrichtsstoff

Wir haben die Klassen besucht, alle waren total vertieft im Unterricht: Sie lernen: „Wie benehme ich mich den Nachbarn gegenüber“ oder Wertschätzung: „Wie führe ich ein Gespräch mit meinem Partner?“ Ich dachte, wenn sie aus so krassen Verhältnissen kommen, sind sie vielleicht schwer zu bändigen. Das Gegenteil war der Fall. Sie hatten so Bock aufs Lernen. Nach dem Pausengong dauerte es noch zwei Minuten bis sie die Bücher zuschlugen. Auf dem Schulhof zeichneten sie in mein Heft, einer nach dem anderen. Bangitay, ca. sechs Jahre, zauberte mit dem Bleistift ein Mädchen aufs Papier, wunderschön. Ich fragte ihn, ob er mehr malt und mir was zeigen kann…Am Ende der Pause steht er schüchtern weit von mir entfernt in der Ecke und hält ein Bild in seiner Hand. Ich gehe auf ihn zu und sehe wieder eine Zeichnung von einem langhaarigen Mädchen mit geschwungenen Formen.

Ashish ist im Kopf schon wieder unterwegs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Kinder sind besonders.Vielleicht haben sie begriffen, was es bedeutet hier lernen und leben zu dürfen.

Nachtrag 2021: Ashish geht jetzt in die Sahara Academy, lernt fleißig und spielt viel Fußball!

Wenn ihr das Kinderdorf mit den Kids supporten wollt, dann könnt ihr spenden oder Patenschaften übernehmen oder sogar Mitglied werden im Verein. Ihr findet alles, was ihr wissen wollt auf deren Seite und ein schönes Video von der Atmosphäre.

www.nepalhilfe.de

Be Happy! Video von dem Kinderdorf.

https://www.youtube.com/watch?v=4BK-AYXP7h4&feature=youtu.be

Wenn Diana nicht gerade Strassenkindern hilft, dann bastelt sie Reisen zusammen, um Menschen Nepal näher zu bringen. Mit Kinderdörfern, Homestays und Gegenden, die Tourifrei sind. Informationen zu Dianas Reisen stecken hier.

www.nepal-fuehlen.de

FB: https://www.facebook.com/nepalfuehlen/

 

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Trijntje Van de Wouw – „I want to do something that I really really want to do!“

Alleine reisen ist toll. Man hat die Gelegenheit noch einmal gründlich durch eine Charakterschule zu gehen und lernt sich immer wieder neu kennen.  Ich liebe es, auch mich immer wieder meinen Ängsten zu stellen. Aber für mich gibt es Grenzen. Während ich keine Probleme damit hatte, alleine mit Zug und Nachtbus durch Indien zu zuckeln, zitterten mir die Knie bei der Vorstellung alleine im Himalaya zu trekken. Einige sagten mir, ich wäre ein Schisser. Ja, die Vorstellung alleine durch die Berglandschaft zu laufen, fand ich mega, aber die Info, dass alleine trekken das Einzige ist, was man in Nepal NICHT machen sollte, bremste mich. Auch die Info, dass Menschen verschwinden und/oder in den Bergen sterben. Seit Februar fehlt jede Spur von einer Französin, die alleine los ist zum bekannten Poonhill Trek. Für mich war klar: Alleine mache ich das nicht. Durch Zufall traf ich Trijntje aus meinem 10 Tages Vipassana Meditations Kurs wieder. Mit 18 Jahren ist sie schon alleine den Annapurna Circuit gelaufen. Jetzt ist sie 19 und möchte im Sommer mit ihrem Studium beginnen: Lehrerin werden für das Fach Lebensanschauung / Levensbeschouwing. Dass sie vorher noch einmal 5 Monate alleine reist, ist perfekt, um ihre Gardinen noch weiter zu öffnen. Trijntje liebt es nicht nur viele Menschen kennenzulernen, sie steht auch total darauf, sich ihren Ängsten zu stellen am besten mit Abenteuern. Als ich sie treffe, ist sie dabei, eine Wanderung zu planen in eine der isoliertesten Gegenden Nepals, hochgelegen im Nordwesten. Mit Zelt. Ich bin beeindruckt und deswegen bekommt sie einen Platz hier. Nach dem Gespräch beschliessen wir, dass wir erstmal zusammen den berühmten Poonhill ansteuern und Trijntje dann alleine weiter zum Annapurna Basecamp wandert, dem ABC, als Warm Up für ihren abgefahrenen Wunsch-Trek.

1 Woche später nach dem Gespräch am Poonhill auf 3210 Meter Höhe. Trijntje ist der perfekte Trekkingbuddy für mich.

ENGLISH

Traveling alone is wonderful. You have the possibility of getting to know yourself better in different situations. It is a school for facing fears and shaping your character. I love it, but I have my limits. I had no problem traveling alone by nightbus and train in India, but the idea of trekking alone in the Himalayas in Nepal made me trembling.  Some people said that I worry too much, but as I got the information, that only one thing you should not do in Nepal is Trekking Alone, I really feard it.  I mean I would love to walk alone through the mountains, but this information and the one about people that are still missing and or dead, were big warnings for me. Since February a French woman, that was very experienced with trekking is missing, she did the popular Poonhill Trek. So I came to the conclusion I will not go trekking alone. Per coincidence I met Trijntje again, she is from my Vipassana Mediation course that I did for 10 days. With 18 years she did the Annapurna Circuit alone. Now with 19 she is going to study soon. In summer she will start  to become a teacher in Levensbeschouwing, means worldview. That she is traveling the world now for 5 months is perfect to expand her horizon even more. Trinjntje loves challenging herself and overcoming fears. She is very cool with the world. When I met her in Pokhara she was planning her trek to a remote area with a tent. This time she looks for a partner. I am impressed. After the talk we decided to go together to the popular Poonhill Trek and Trinjntje will stay in the mountains alone for doing the ABC, Annapurna Basecamp as a warm up for her maybe upcoming extraordinary trek. I could not have imagined a better buddy than her.

 

INTERVIEW

Yvi: Who are you?

My name ist Trijntje Van de Wouw. I am living in the Netherlands. I am travelling in Nepal starting 1,5 months ago and I have like 4-5 months still to travel.

Who I am? That is always a good question.  I am a girl who likes adventure, nature, poetry, words, outdoor, meeting people and have nice conversations.

Yvi: When it comes to poetry and words, which sentence do you have in mind now? Maybe you just read something and you thought: “Oh that is great!”

Actually there is one coming in my head, because I just read it 2 days ago. It is “Your soul is the whole universe.”  (Trijntjes version from Your soul is the whole world in Siddhartha written by Hermann Hesse). I really like that one, because it is true like everything is inside of you, it is all inside the frame of the body, everything is happening there. If you are feeling good or sad, it is all inside your body.

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Yvi: What is your current mood?

My current mood is not so good, because I have been thinking a lot the last 2 days and now I realize how calm and relaxed I was the days before. Now I feel very busy in my head and a little bit anxiety of what I going to do next, about the trekking I want to do.

Yvi: This upcoming project gives you a lot of worries, what is it?

Yeah it is fear. I want to do something that I really really want to do. Trekking in a remote area of Nepal.

Yvi: Why?

I always want to do something unique and to challenge myself more and more. Because if I challenge myself and I do it, I feel good. Maybe it is a little bit my ego, but I also want to go to this special area, because of the Tibetan Buddhism. But I am fearing it, because I don’t want to go alone, and I know I can just go there and meet people just as I did it with the Annapurna Circuit, but in this area named Dolpa there are not a lot of people walking, I don’t know if it is smart to go there, and it is also camping – you don’t meet people for 6 days you need to have your own food – it is a lot for someone who is not so experienced as me.

Yvi: You have already faced some fears in your young life with 19 years. When did you do the Annapurna Circuit?

I just became 18. I had to go for an internship for my study and I just wanted to do something really cool and challenging again. I went on an internship on a rafting company, an outdoor activity company, and after that I had time to travel and so I wanted to do the Annapurna Circuit, but I did not have a lot of fear for that.

Yvi: Why challenges like that?

I had a good childhood for sure, but I struggled with some things and maybe this is also something that makes me stronger, because I know what real fears are, maybe.  I had OCD (obsessive-compulsive disorder), I thought a lot, I was overthinking, it is a mental disease, you are obsessed with thinking with things…. When I was younger I was obsessed with counting stairs for example and if you do not count than something is happening… Then I grew over it, and it was gone. But with 14 – they say there are things that can trigger you and let it come back  – so at 14 I had it again, much worse. In my head I had to think about things obsessively, it was awful! I did not tell anyone, it was just in my head for 3 years. I did not dare to tell anyone, because I thought nobody will understand me. In that time I had lots of fears and I became stronger and stronger, because I was overwilling this mental thing. And because of that I dare to do a lot of things.

Yvi: So how was the Annapurna Circuit Trek – alone?

Amazing, I started alone. The first 3 days I was alone, there were some people on that trail, but I was, like “Oh that people are not so nice, let’s walk alone, I will meet best people later maybe”.  So first 3 days I was alone, it was ok. But after that I got fear like telling me ”You go to the 3000 meters, you need to meet someone, you can’t go alone“. And after few days I met the best people ever, we had the best journey, we walked together for 2 weeks, and we had so much fun. I like the lifestyle like waking up very early, have breakfast and then walk the whole day with great people and then you have the best conversations, because you have time, you walk and around you is the best nature and then you stop walking around 4 pm in the afternoon and then you play games and eat and go to bed early. I love that!

Yvi: Have you ever been in a risky situation where you thought  “Ok now it’s enough!”?

Yeah on the Annapurna Circuit Trek one time when I walked alone the first days. I got a little bit lost and then I asked a Nepali man “Hey where should I go?” and there was a dark tunnel in front of me and he walked me through it and he took my hand and he said like “Oh kiss, kiss” and then I was like “Shit: I have to be alert, this is not good.” Nothing happened luckily.

 Yvi: The feeling must be great to do the Annapurna Trek, overcoming fears and more and more overcoming fears.. how come that you are with 19 years also at something like Vipassana (Buddhist Meditation)? It is very strong, it is a heavy discipline, 10 days of sitting and more than 10 hours a day meditation, I mean with 19 years you travel to Berlin, you go to Berghain and to big parties and not to Pokhara in the mountains to meditate. How come?

It is strange. I just feel attracted to these things. I wanna find out what makes us humans feel good. I developed interest in Buddhism after I had travelled to Thailand and Nepal with 18, and I found out that the Buddhist philosophy is the best way to calm my mind. Because I had this overthinking and I was always looking for a solution. I found out that how the Buddhist do things like „Just don’t be attached to something, live in the present“ these kinds of things helped me. So I got to Vipassana, and I found out that this technique is really a thing for me to observe my thoughts, and let them flow away.  It is just my curiosity. I heard a lot people saying: „You are only 19 what are you doing? You are an old soul!“  It is an interest of me and I follow it!

Yvi: If you would send to your parents a postcard from here right now what would you write?

Huh, I am getting almost emotional. Oh shit. I have tears you will see it on the cards, the drops. I will say that everything is going good here. That I learn a lot, I learn every day. That I found the Vipassana Meditation Technique that it suits me perfect with my overthinking, and that I am living in the present moment a lot. That I think about them also a lot, distance and time it makes you see things clear. Now I see also –  I mean I already knew it – but I appreciate more and more how good they are to me and to everyone and I hope they are happy, that is the most important. For me everything is okay here, but I know that their lives are so different with hurry and doing things that they actually don’t want. I hope that they are happy and they should do what their heart is saying..

Yvi: Thank you so much, Be Happy!

Trijntje: Yes, you too!

Hier geht es zum Interview auf SoundCloud. Trijntje talks on SoundCloud with me about her experiences.

 

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Sí Sí Sí – Jessica Walker: Wenn dein Herz bricht, werde kreativ!

Sí Sí Sí … Jessica Walker ruft dieses Ja Ja Ja  so begeistert, wie wenn gerade das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft fällt. Sie kuckt dabei mit weit aufgerissenen Augen, eine Hand geht zum Himmel, es ist ihre Reaktion auf das, was gerade vor ihr passiert. Jemand erzählt etwas über sich selbst, mal laut mal leise, pausierend und dann radikal offen.

Foto von Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

Jessica ist vieles, vor allem ist sie Theaterschauspielerin und Regisseurin. Vor fast 20 Jahren gründete sie in Barcelona die „Laboratorio Escuela“ eine Schule für experimentelles Theater. Hier erforschen sie Körper, Geist und Beziehungen. Das machen sie auch einmal im Jahr in Indien mit dem Soulfest – Arunachala Bhakti Lab in einem kleinen familiären Ashram „Sri Anantha Niketan“. Er ist umgeben von sattgrünen Feldern, in denen Schmetterlingsschwärme wild umherflattern und sich durch keine Laune gestört fühlen –  hier sind alle Gefühle herzlich willkommen.

Schlafen in der Shiva Hall

Im Hintergrund macht sich der berühmte heilige Arunachala Berg breit. Er gilt als Manifestation von Shiva, einer der Hauptgötter des Hinduismus, der auch als Zerstörer des Ego gilt. Das Ego, was im Yoga als die Ursache für Angst und Kopfmist ist. Das uns dazu bringt lieber unglücklich zu bleiben, statt was zu wagen, das uns vorgaukelt lieber ein Leben lang die beschilderte Hauptstrasse entlang zu zuckeln statt mal einen Weg einzuschlagen, der ins Ungewisse führt. Tiruvannamalai ist wegen Shiva Pilgerstadt und wegen Ramana Maharsi, dem Guru, der dort 17 Jahre lang in einer Höhle meditierte und sich fragte: WER BIN ICH?

Also wer bin ich ohne mein Ego: Ohne meinen Job, meine Karre, mein Haus, meine Klamotten, meinen geilen Body, wer bin ich ohne Plattenvertrag, ohne Kohle, ohne zehntausend Instagramfollower, ohne Facebooklikes, ohne Freunde, ohne Partner, ohne Familie? Was bleibt da übrig? Ich stelle mir diese Frage öfters auf der Reise, weil ich ja alleine durch die Welt tingle und temporär ohne Wohnung und Job bin. Also gefühlt nackt. Ich merke wie mein Ego zittert und schnaubt und es oft nicht lustig findet, immer wieder fernes Neuland zu betreten.

„Ich sage dir, was Freiheit für mich ist: keine Angst zu haben.“ – Nina Simone, Musikern

Vom Soulfest erfuhr ich in Goa. Da hatte ich schon gut an meinen Ängsten auf dem Ecstatic Dance Festival geschraubt. Der Veranstalter sagte zu mir: „Oh du findest es beim Ecstatic Dance Festival krass, dann geh mal zu Jessica Walker, da geht es ans Eingemachte!“. Und weil ich seit einigen Jahren auf Eingemachtes stehe, wagte ich mich dorthin. Zum Glück warteten weder Esoschischi noch Exzesse auf mich – denn mit beidem kann ich nichts anfangen. Das Soulfest ist ein Spielplatz, bei dem wir uns trauen dürfen uns zu zeigen, wie wir sind. Mehr nicht. Weniger auch nicht.

Am ersten Tag geht es direkt los mit wem Fremden zu tanzen – improvisiert. Ich fühle mich wieder wie mit 14 als ich lieber auf den Boden schaute und nur alleine im Zimmer die Musik aufdrehte. Etwas Scham quetscht sich dazu, aber sie vergeht nach einigen Minuten. Ich merke, wie steif wir als Erwachsene unterwegs sein können, als Kinder rennen wir noch völlig unbedarft auf andere zu und machen wonach uns ist, als Erwachsene schämen wir uns, sind blockiert und müssen uns erstmal Alkohol oder sonstige Mittelchen einverleiben, um locker zu werden. Wir haben Angst davor uns zu blamieren, davor, was die anderen über uns denken könnten. Deswegen schiebt unser Ego lieber einen Vorhang vor unseren Gefühlen, Impulsen und Wünschen statt uns ehrlich sein zu lassen, was wir gerade sind. So ein Spassverderber – und dann verklemmt in der Ecke stehen und auf die Frage „Wie geht’s Dir?“ Ein „Guuuut!“ antworten und vom verkniffenen Mund verraten zu werden, wie es wirklich geht. Scheisse.

Foto von Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

Das soll jetzt keine Aufforderung sein, dass wir jedem sagen sollen, was wir fühlen und wie wir uns dabei fühlen… beim Soulfest rennen wir auch nicht rum und binden jedem auf die Nase, dass man gerade eine Wassermelone im Hals stecken hat, aber in einigen Momenten ist Platz: da können wir was sagen oder performen. Sí Sí Sí  … Jessica ist immer voll angeknipst und hört zu, alle anderen auch, und oft erkennt man sich selbst wieder durch Empathie. Wir sind schliesslich alle Menschen mit einen Farbkasten an Gefühlen. Bei mehr und mehr Menschen hat der Gefühlskompass aber Wackelkontakt oder ist völlig Schrott. Casper singt in dem Song Keine Angst „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl.“ Durch  Schiss vor „negativen“ Gefühlen wie Angst werden sie verdrängt und das Innenleben zu einem dezenten grau glattgebügelt.  Wer nicht checkt, dass Neid, Scham, Trauer, Wut  und Angst zum Leben dazugehören und gefühlt werden müssen, darf sich nicht wundern, dass auch irgendwann Happy Moments ausbleiben. Freude ohne Trauer ist nicht möglich. Erst heulen, dann lachen wunderbar.

Nähe entsteht durch ehrliche Gespräche. Mit der indischen Schauspielerin Anahat war es immer spannend.

Beim Soulfest geht es um Verbindung zu uns selbst und zu den anderen. Und um Ehrlichkeit. Den anderen nichts vormachen. Am Anfang urteile ich über die anderen Teilnehmer wie ich es auch in Goa gemacht hatte. Und wieder merke ich bei näheren Gesprächen, dass niemand so ist, wie ich dachte. Schon in Goa sass ein vermeintlicher Happy-Sunnyboy vor mir, der meiner Meinung nach selbstbewusst beim Tanzen war und ein Frauenheld. Es kam raus, dass Tanzen ihn total verunsicherte und was Liebe angeht, schwamm er in Kummer. Weil er sich selbst eine Zeit lang nicht ausstehen konnte, hatte er seine Ex-Freundin vergrault. Das sind drei Jahre her. Es gibt kein Zurück. Er liebt sie immer noch und will keine andere. Während er mir das alles erzählt, weint er Rotz und Wasser. Ich bin berührt von so viel Ehrlichkeit und finde das richtig stark. Beim Soulfest passieren ähnliche Dinge. Männer erzählen, wie sie Frauen sehen, dass sie Angst haben, vor Beziehungen vor sich selbst, nicht wissen wie sie das zusammen bekommen sollen – die Partnerin als beste Freundin, Mutter, Liebhaberin – das sind ja drei Dinge auf einmal und oft zwei Dinge zuviel. Frauen erzählen, dass sie gemocht werden wollen und dafür auch mal vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Es kommt heraus, dass fast alle Angst vor Ablehnung haben, nur gehen wir unterschiedlich damit um. Authentisch zu kommunizieren, also zu sagen was Sache ist, ist für viele schwer. Das braucht Mut, nicht jeder hat ihn bzw. ich behaupte: nicht jeder möchte sich die Mühe machen ihn aufzubringen. Einige ziehen sich zurück,  andere wählen Auswege. Sie fangen an anderen etwas vorspielen. Das wird dann gerade in romantischen Geflechten schwierig, weil das ja der Ort sein soll für Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Und dazu gehören auch Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. Ich selbst habe eine fast zehnjährige Beziehung geführt, in der es nur drei Mal Streit gab, zwei Mal davon wegen Nudeln und Pizza. Das ist lange her und aus heutiger Sicht weiss ich, dass hier stark was im Argen lag. Hinter dem Nudel- und Pizzaberg steckten viele Gefühle, die nicht kommuniziert wurden, und die in erster Linie nichts mit Nudeln und Pizza zu tun hatten. Damals hatte ich keine Ahnung von all dem, ich war wohl selbst konfliktscheu. Am Ende stand ich da mit einem zerfetzten Herzen, das nachhaltig klarkommen musste mit: Liebesschwüre bis zur letzten Sekunde treffen auf Täuschen, Lügen und Betrügen…

Warum ich das so offen schreibe? Weil auch das zum Leben dazugehört. Und weil solche Geschichten immer mehr werden. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass Hollywood in unsere alltäglichen Leben eingezogen ist mit dem Drama von einstürzenden Kartenhäusern, stillen Abgängen und heimlichem Davonschleichen. Im Epilog erklingt dann manchmal noch ein Satz nach: „Ich liebte dich so sehr, deswegen konnte ich dir die Wahrheit nicht sagen.“ Unehrlichkeit, Lügen und Betrügen geschehen niemals aus Liebe, weder zu sich selbst noch zu anderen. Sie entstehen aus Angst und Feigheit, sind egogesteuert und damit das Gegenteil von Liebe.

All das hinterlässt nur Verletzungen, die sehr tief sind und sich wie eine Schneelawine fortsetzen können. Denn der, der aus Angst vom anderen betrogen wurde, hat nun auch Angst und aus Angst wieder so verletzt zu werden, wird er/sie vielleicht das nächste Mal selbst zum angstbesoffenen Betrüger-/in….oder man wird mit seiner neu erworbenen Angst vom anderen Angsthasen als uncool abgestempelt. Und so entsteht all der irre Gefühlszirkus, der nicht nur hippe Grossstädte überflutet, sondern längst auch in die Keller der Kleinstädte gezogen ist. Oder in die Kleingärten. Bevor ich auf meine Reise ging, steckte ich plötzlich wortwörtlich wieder in einem Garten des Irrsinns, der so gar nicht  von mir verursacht wurde, sondern von jemand, der behauptet er sei abgestumpft  – ein abgestumpfter Angsthase, der dieses „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl“ leierte…für ihn ein angeblicher Freifahrtschein für Lügen und Betrügen, mal wieder. Blitzschnell habe ich mich vom Acker gemacht. Ich bin ausgestiegen aus all dem für eine Zeit, denn mein Mitgefühl für all die Angst-Games ist fast leergelaufen, mein Tränenreservoir dagegen nicht.

Auf dem Festival hören wir jeden Tag das buddhistische Mantra Om Mani Padme Hum, es steht für Mitgefühl. Ich habe mal wieder literweise Pippi in den Augen und frage mich, ob es nicht mal langsam gut ist mit dem Rumheulen. Jessica spricht davon, dass gerade romantische Beziehungen immer bis zu einem gewissen Grad toxisch sind. Nicht nur, weil es für viele schwer ist,  authentisch zu sein, sondern auch, weil es für viele schwer ist bei sich zu bleiben: sie stecken in Beziehungen wie Verhungernde – statt ein Stück Schokolade will man die ganze Tafel.  Der andere soll einen satt machen mit Glück und Geborgenheit im Bauch. Ein Trugschluss.

Wir liegen abends beim Sonnenuntergang im Gras über uns Schwärme mit indischen Königslibellen. Die Flattertiere wirken wie bestellt.  Jessica Walker säuselt: „Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ Wir werden geboren, wir wachsen, wir entwickeln uns, um zu sterben.”

Es wäre schade, zu sterben und dann nur ein Leben geführt zu haben, wo wir den anderen und uns selbst etwas vorgemacht haben. Wir verrotten in der Erde und unsere Angst sitzt vollgefressen auf dem Sofa. Jessica macht uns klar, wie wichtig loslassen ist. Unsere Ängste, unsere Geschichten, unser Denken über uns selbst. „Actualizate!“ – „Update dich“ fordert sie auf. „Zweifel nicht das du dies und das nicht kannst, jeder Moment ist neu, eine neue Chance für dich. Gerade wenn du nach einem Herzbruchwalzer die Scherben alleine aufsammeln musst, ist es wichtig, das diszipliniert und sorgfältig zu tun, dabei kreativ zu werden. „Ohne Heimat keine Reise“ sage ich da immer. Erstmal in seinem eigenen Beet rumbuddeln und sich die Hände dreckig machen, bis es anfängt zu blühen. Dann muss man auch nicht beim Garten des Anderen betteln oder klauen gehen.

 

Jessica selbst ist diesen Weg gegangen und hat ihre Energie genutzt ein Blumenmeer wachsen zu lassen.  Ey so kitschig das klingt, nur so besteht eine aufrichtige Chance einen Gemeinschaftsgarten zu eröffnen, ohne Angst und ohne Anhaftung. Eine einfache Kiste und für viele von uns erst einmal ein steinharter Weg, der vielleicht niemals endet. Aber der Weg ist das Ziel und dabei nicht vergessen immer wieder auf aktualisieren zu drücken:-)

„Ich liebe dich damit du mich zurück liebst“ ist selbstzentriert und ein Mangelzustand. Es ist keine Liebe. „Ich liebe dich, weil ich dich liebe“, klingt viel besser.

Weil Jessica mich so begeistert hat, sprach ich spontan mit ihr nach dem Festival. Auf englisch und spanisch, beide Versionen findet ihr hier.  Danke an Camilo Zaffora, Radiokollege aus Argentinien, der mir mit den beiden Sprachen half und der mit Jessica das Festival organisiert. Wer das Gespräch auf deutsch möchte, meldet sich gerne bei mir.

Mucho Love, Yvi

Obwohl Jessica so viel weiss und kann ist sie null Ego. Noch nie habe ich einen so präsenten, klaren, warmherzigen, begeisterten und gleichzeitig unaufgeregten Menschen wie sie kennengelernt.

INTERVIEW mit JESSICA WALKER 

Yvi:  It happened to me that I met you in this place and you are talking about relationships for one week. Relationship is the essence of life, no?

Jessica: Relationships is everything. Everything in this dream. I am committed to spirit, that motivates me to walk the path of relationships. How to improve our quality of life? Our love for ourselves? And for silence. How to lead a relationship with the essential.

Yvi: I have the feeling when I talk to my friends or to my family that relationships give you a lot of pain.

Jessica: It is a game, the game of where do you put your eyes. We put pain, where there is no pain, guilt where there is no guilt, or envy, or violence, our mind is lost, distracted, sick, it is very easy to lose ourselves there.

Yvi: So I cannot lose myself when my exboyfried cheated on me in a very sick way?

Jessica: Yes, we can lose ourselves, but the question is how long and how much time you want to keep yourself there. And the definition of it is toxic.

Yvi: Why?

Jessica: Because we talk about princess and the prince on the white horse, that saves your life. We search for someone that saves our lifes. We think: “If you are not with me, I will kill myself. Or I kill you”. It is an antigue system of possession.

Yvi: I remember you said, CREAR – after a heartbreak start to create something.  It is not sufficient getting up, having breakfast and going to work. When I had a broken heart I started to smoke, I drank beer, I just worked and I stayed in bed when I did not work, now you come and say create.. so how?

Jessica: Create is the prayer of the spirit of god. Create es un walk, a path, a dimension of healing, impressive for us human beings. It is the way to come back home. It is a way to not stay in the toxic. Create saves us from the toxic. It raises our vibration, it changes our color, it invites us to become new, it makes us to want to live. To be connected with life, creation is life.

Yvi: And when you are damaged it is work. You really have to work on yourself.

Jessica: A lot, but with compassion, in a loving way, with patience, you give yourself time, space, it is a rebuilding of your core-self that is broken. When somebodys heart is broken, you don’t have many tools, the connection with the big mystery gets lost. We lose it like our confidence, the trust, the path, we don’t know where to go, we are lost without a direction. If you don’t have a committed training, it is very complex. To get up and to create. Because everything transforms in sadness. In pain, in abandonment. I abandon myself, so I can’t. I ask for help, help from a cigarette, from a beer…… You have to take care with this kind of helps, because they can become an addiction. For the same depression you are in. For the crisis, the crisis is huge, everything that balances me is broken, my balance is broken. „Where do I go? I don’t know.“ So I hide behind a cigarette, a beer, in a bed, I look for pleasure, I try to get some pleasures around.

Yvi: When I see you teaching and talking, I can feel that what you are talking about is 100 percent experienced by you. You also had pain, how did you get yourself out of it?

Jessica: It is the practice. Without practice we go nowhere. That is reality. I have a practice. Since long time I do meditation. A very old one and I am very committed to it. And this practice gives me the strength to do everything I do.

Yvi: And you do a lot and it feels so light. Friends asking me what can I do, I have to work on myself so hard, I also felt this with myself and then you drop the sentence: „Make it easy“.

Jessica: The more simple the better. Because real love is simple. Real love helps, real love puts things in their proper place, it is a path and it is simple. And you can realize, because it is simple. So the class is simple. The more simple the more you and me can meet. The more we can see each other. And unite. It is not conceptual, we are not gonna learn much in a conceptual way. We can learn concepts, but we are not gonna learn life. Is through experience.. that your heart is touched.

Yvi: In this week of Arunachala Bhakti Lab I was reminded of a radio programme in Spain. They had one category it was called “La ciudad invisible” on radio 3. It is a place of peace, connection and love. This place here is for me the invisible city. How was it for you – being one week here and working with people?

Jessica: Imagine wonderful. Precious. A gift. It is very simple. I am committed with god and with love. I share with you what I have. I don’t keep anything. It is vivid and warm, we try to listen and we try to see what it is and not fooling ourselves.

Yvi: How long will you do Arunachala Bhakti Lab?

Jessica: I hope until we are old and until we die.

Yvi: And why here?

Jessica: Arunachala was a call. And he wants us to be happy.

Yvi: So let’s try.

Jessica: Sí Sí Sí.

 

El entrevista en ESPAÑOL

Yvi: Salí de viaje por un año. Me pasa que te encuentro en este lugar. No sabía nada de tí, estaba buscando tanto como repararme a mimisma. He intentado con muchas cosas, hacer yoga, viajar sola. Y no quería hablar más de relaciones y vengo aca y tu estás hablando de relaciones por una semana. Las relaciones es como la essencia en la vida, no?

Jessica: Las relaciones es todo. Es todo en este sueño. Yo soy una comprometida con el espíritu. Esto me motiva a caminar el camino de las relaciones. De como mejorar nuestra calidad de vida. Como mejorar nuestro cariño por el planeta. Nuesto cariño por nosotros mismos.Y por el silencio. Una corespondecia por la naturaleza, una corespondencia sencilla con lo essencial.

Yvi: Tengo la sensación de cuando hablo con mis amigos o mi familia que las relaciones te pueden dar mucho dolor.

Jessica: Es el juego, claro. Es el juego á donde pongas la mirada. Nosotros ponemos dolor, donde no hay dolor, culpa donde no hay culpa o envidia, o violencia, nuestra mente esta perdida, esta distraida, esta enferma, es muy fácil perdernos ahí.

Yvi:  Es que yo no me puedo perder en el hecho de que mi exnovio me engaño en una manera muy mala?

Jessica: Claro que nos podemos perdernos, el tema es hasta cuando perderte y sobre todo nostostro metermos en este código del amor romántico que la definición es bastante tóxica.

Yvi:  Porqué?

Jessica: Porqué hablamos de princessa, de principe en caballo azúl, te voy a salvar la vida, estamos buscando á alguien, para que nos salve la vida. Tenemos un ideal de „Sí no estas conmigo, me mato, te voy a matar”, un sistema possesivo antiguo. Un sistema de ser nos   hemos perdido el centro que nos hacen perder energía, que nos hacen perder, ser coherentes.

Yvi:  Cuando experimentas algo que se siente como un naufragio, me recuerdo el primer día has dicho ponte crear. Es no suficiente de levantarte e ir a trabajo …cuando yo tenia el corazón roto empezo a fumar, he tomado cerveza, solo trabajo y me he quedado en la cama cuando no estaba trabajando y tu me dices crea! Como?

Jessica: Crear es el camino, es una dimension de sanación impressionante para nosotros los humanos. Es la manera de volver à casa. Es la manera de no quedarnos en lo tóxico. Crear nos salva de lo tóxico. Crear nos eleva la vibración, crear nos cambia el color, crear nos invita a ser de nuevo. A querer vivir. Crear esta conectado con la vida. Crear es vivir. 

 

Yvi: Cuando estas dañado, hay que trabajar en uno miso.

Jessica: Muchissimo, pero de una manera compasiva. De una manera cariñosa, con mucha patiencia, si te emoras, te emorars, te das espacio, te das espacio. Es una reconstrucion con el nucleo interno. Se ha roto la conneción con díos. Cuando uno le rompen el corazón, la connecion con el gran misterio se pierde. Uno lo pierdo como la confianza, como el camino, no sabe donde ir, esta completamente perdida y si no tienes un entrainamiento comprometido es muy complejo. Es muy complejo levantarse y poder crear. Por que todo se transforma en una tristeza, en un dolor, en un abandono. “Me abandono. Por lo tanto, no puedo.” Tengo que pedir ayuda, fumar es un ayuda, tomar una cerveza es un ayuda, entonces simplemente hay que tener un poco de cuidado con estas ayudas, porque que no se puedan transformar en una adicción, por la misma depression, por la misma crisis, la crisis es tremendo, es como el rompimiento de todo lo que me equilibra, se rompe mi equilibrio. “A donde voy? No se, donde ir.” Por lo tanto me escondo. Detrás un cigarro detrás una cerceza, detrás una cama, busco placer. 

Yvi: Cuando te veo enseñar y hablar, puedo sentir de lo que hablas es cien porciento sentido por tí, experiementado por ti. Tambien tuviste dolor, como te levas tu cuando tienes dolor?

Jessica: Es la practica, sin practica no nos vamos en ninguna parte, es una realidad, simplemente tengo una practica de meditacion muy antigua hace mucho tiempo. Con la cual estoy muy comprometida. Y esa practica me da la fuerza para hacer todo.

Yvi: Haces muchissimo y todo el tiempo se siente como liviano. Amigos me preguntan „que puedo hacer? Tengo que trabajar en mi misma tan duro“. Yo tambien sentio lo mismo, yo senti lo mismo de hay que trabajr mucho en mi misma, y tu dices, hazlo fácil, hazlo simple!

Jessica: Es que le mas simple mejor. Porque el amor verdadero is simple. El amor verdadero ayuda, en el amor verdadero colocan sus cosas en su lugar, es un camino. Y es sencillo. Y te puedes dar cuenta de que es sencillo. Por lo tanto una clase sencilla. Entre más sencilla más podemos encontranos tu y yo. Más podemos vernos, unirnos. No es conceptual, no vamos a aprender mucho conceptualmente. Podemos aprender conceptos, pero no vamos a aprende. Es a través la experiencia, de que tu corazón se tocado.

Yvi:  En esta semana del festival se me recordo un programa de radio en España de radio 3 que se llama la ciudad invisible. Es un lugar donde hay equilibrio, paz, amor y connecion.. y que aprendio en este semana cuando encuentras con otras personas que todos tenemos las mismas temas y asuntos como la vulneribilidad. Como es este trabajo para ti de estar aqui una semana y trabajar con la gente?

Jessica: Imaginate maravilloso, precioso. Un regalo. Es muy sencillo. Yo estoy comprometida con Dios, con el amor, y entonces como lo tengo claro con todas las herramientos que tengo que conosco. Creo espacio para recordar lo que hay que recordar hasta donde yo puedo llegar. Entonces comparto contigo lo que tengo. No me quedo con nada. Es asi, esta vivo, esta caliente, tratamos de escuchar, y tratamos de ver lo que hay, no sernos los tontos. Lo que hay, lo que paresca.

Yvi: Cuanto tiempo más vas a hacer Soulfest – Arunachala Bhakti Lab?

Jessica: Espero de que hasta que seamos viejitos y nos murimos.. Es un contrato.

Yvi: Porque aqui?

Jessica: Arunachala fue un llamado. Y Arunachala además quiere que seamos muy felices.

Yvi: Vamos a intentarlos!

Jessica: Sí Sí Sí!

Muchas Gracias a Camilo  Zaffora para ayudarme con las lenguas. Camilo organziza con Jessica el  festival. También en agosto en España.

Hier geht es zur Facebookpage:

https://www.facebook.com/arunachala.laboratorio/

Shut up and Dance – Ecstatic Dance in Goa

Ich stand auf der Tanzfläche unter dem Banyan Tree in Goa. Hinter mir liegen knapp drei Stunden Ecstatic Dance, wobei ich die letzte Stunde mit brennenden Füssen am Rand hockte und mich dann zum Abschied noch einmal auf die Tanzfläche wagte. Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Wie immer gab es am Ende des Tanzes ein paar neue Paarungen für den Moment: Menschen, die glücklich mit klitschnassen Haaren übereinander, nebeneinander oder ineinander am Boden lagen. Das war mir dann doch zu viel Nähe bei so viel Nüchternheit. Ecstatic Dance ist Tanzen ohne Sabbeln, ohne Alk, ohne Rauchen, ohne Drogen, barfuss und – wer mag  – mit Kontakt.

The Source ist einer der schönsten Tanzorte.

Mein Status war noch Anfängerin – sprich: angeschossenes Reh schlittert alleine über die Tanze, unsicher und mit lautem Kopf. Der scannte die schönen hundert Menschen drum rum und plapperte unentwegt: „Aah die sind ein Paar, oh der hat mich angelächelt, ach ne jetzt ist sie ja mit dem anderen…? Soll ich jetzt mit dem tanzen, diese Bewegung sieht toll aus, kann ich nicht, was machen die denn da in der Ecke? Wo will denn mein rechtes Bein hin? Mir tun die Füsse weh….“ Was beim Ecstatic Dance passiert, ist das Leben. Hier zeigt sich unsere Beziehung zu uns selbst und die Beziehung zu anderen: wie selbstbewusst wir sind, und ob wir fähig sind Verbindung zu anderen aufzubauen, ohne, dass wir ins Wanken geraten. Wir sollten unseren Impulsen folgen – erstmal alleine dann gerne mit anderen Menschen zusammen dancen. Aber Warnung: Wenn man den Mut aufbringt, jemand anzutanzen, kann der oder die dankend weiterreisen. Denn jeder Mensch hat so seine Launen und nicht jeder mag die Energie von unsicheren Leuten, die während des Tanzes freezen also erstarren und nicht wissen, was sie mit ihrem rechten Arm und ihrem kleinen Zeh anstellen sollen. Obwohl alle sehr nett und offen waren, und Musik von Bonobo und Nu Rückenwind gaben, hemmte mich die Angst vor Ablehnung zu Beginn sehr.

Einer der schönsten Tanzorte unter dem Banyan Tree. Ja es ist ein Baum:-)

Und dann kurz vor dem Ende der Sause wurde ich abgeholt. Fast. Wie von einem imaginären Pfaden gezogen, schlingerte ein Typ auf mich zu: Rückwärts! Er stoppte genau einen Zentimeter vor meiner Nase. Da er keine Augen im Hinterkopf hatte, fragte ich mich, was das für ein Hokuspokus war. Der Typ war bekannt. Ein Musiker und Tanzlehrer. Er war mir schon die Male davor aufgefallen, nicht nur weil er wie Jesus aussah – (nicht zu verwechseln mit dem Tänzer in Goa, der sich Gott nannte) –  er war mir auch aufgefallen, weil er immer zweieinhalb Stunden durch das tanzende Menschenmeer suchend umherirrte, um dann am Ende, eine Frau auszuwählen, mit der er zu einem Song tanzte. Das sah dann jedes Mal überirdisch gut aus. Sowas wollte ich auch können.

Mich hatte der Tänzer jetzt nicht zum Tanzen, sondern zum gemeinsamen Rumstehen auserkoren. Rücken an Nase – Nase an Rücken. Ich fragte mich: „Möchte er, dass ich mit ihm diesen blöden Doppeldecker mache, wie verliebte Paare es auf Konzerten tun? Dass ich meine Arme von hinten um ihn schlinge?“ Ich meine, einen DJ hatten wir da vorne, es war ja quasi wie ein Konzert und andere taten genau das  – so nen blöden Doppeldecker. Passiv stand ich da. Mein Körper war ratlos, mein Kopf war schüchtern. Ich wollte dem Tänzer zuflüstern: „Ey dreh dich mal um, ich kann auch was, auch wenn es nicht tanzen ist – zumindest nicht so wie sie es hier tun. Ich kann reden und erzählen, und ich kenne gute Witze“, aber Sprechen ist beim Ecstatic Dance untersagt und sowieso Reden zählt in Goa, dem Mekka der Körperlichkeiten, nicht. Goa ist die Spielwiese für Hulahup-Prinzessinen, Tantragöttinen, Yogalehrer und Profi-Tänzer. Ohne meine Stimme fühlte ich mich wie ein Niemand. Mein Ego lag zermatscht am Boden, es glich einem Haufen Kartoffelbrei und alle Unsicherheiten kamen auf den Teller. Beim Ecstatic Dance musste ich sie fressen.

Das war genau richtig für mich, denn für meine Reise hatte ich mir vorgenommen, mich meinen Ängsten zu stellen und meinen Körper herauszufordern, Dinge zu lernen, die zuhause zu kurz gekommen sind. Goa stand für Tanzen.

Foto von Michela di Savino.

Wenn ich eine Sache kräftig vernachlässig habe in meinem Leben dann ist es das Tanzen. Als Teenie hüpfte ich noch in meinem Zimmer zu Madonna und Motörhead rum. Jeden Abend feierte ich stundenlang eine Onewomandisco bis ich erschöpft ins Bett fiel. Mit 16 ging’s dann auf die Parties und in die Clubs, da kam der Alkohol dazu, der in meiner Heimatstadt zum Feiern dazugehört. Wer nicht trank, wurde als seltsam betrachtet, so ist es auch heute noch. Weil ich ausserhalb meiner vier Wände gehemmt war zu dancen, machte ich beim Trinken mit. Mischgetränke als Mutpusher. Während meines Studiums hörte ich auf zu tanzen. Ich fing an fürs Radio zu arbeiten und sabbeln wurde mein Element. Ich sass auf den Parties an der Theke und unterhielt mich. Das machte ich jahrelang und die Hürde einfach mal stundelang zu dancen, wurde immer grösser. Dann entdeckte ich Ecstatic Dance. Pascal, der in Berlin eine grosse Szene aufgebaut hatte, kam nach Leipzig. Ich schlich nüchtern und schüchtern in den Raum: „Na toll, nur 8 Leute da“. Es hatte sich in Leipzig logischerweise noch nicht rumgesprochen, denn es war die erste Veranstaltung. Ich hatte dasselbe Gefühl, wie damals, als ich zum ersten Mal zum Uniradio ging. Ich hatte Schiss und wollte umkehren. Aber Umkehren führt ja nur in eine Sackgasse und zum Stillstand –  also blieb ich. Pascals Set war mega. Elektronische Musik, Tribal sounds mit Livedrums. Ich tanzte und zwar so wie ich es damals als Teenie in meinem Zimmer tat. Beim Rausgehen entdeckte ich den Flyer Ecstatic Dance Festival in Goa – Januar 2018. Und so fand ich meinen Weg nach Indien.

Jetzt stand ich in Goa unter dem Banyan Tree vor dem Rücken des tollsten Tänzers. Da ich ja nicht reden durfte, tat ich nix. Sein Geruch erreichte meine Nase und verriet tagelanges Nichtduschen.  Ausserdem bemerke ich seine für einen Tänzer ganz unüblichen nach vorne gezogenen Schultern. Er machte auf mich den Eindruck, einsam und lost zu sein. Vielleicht plagte ihn auch Liebeskummer, denn auch die freie Goaszene ist davor nicht gefeit. In den letzten Jahre hatte ich einige Erfahrungen gesammelt mit den lost souls, den lonely warriors und den freedom fightern dieser Welt. Mehr davon wollte ich gerade nicht. Ich erinnerte mich an eine Dänin, die zu mir sagte: „With Ecstatic Dance you learn how not to dance, you learn how to move!“ Ah es ging also gar nicht darum, zu lernen megatoll beim Tanzen auszusehen, sondern das Gegenteil, beim Ecstatic Dance geht es darum, das Tanzen zu verlernen und sich stattdessen so zu bewegen, wie man sich fühlt.

Ich machte zwei Moves – nach links und nach vorne. Jetzt stand ich nicht mehr im Schatten des Tänzers, sondern neben ihm. Mit etwas mehr Abstand. Der DJ forderte uns nun auf, uns zu umarmen, wenn wir wollten. Der Tänzer schaute zu mir rüber und lächelte mich an, ich schaute zu ihm rüber und lächelte ihn an. Einige Sekunden vergingen. Ich drehte meinen Kopf zurück und schaute nach vorne…„With Ecstatic Dance you learn how not to dance, you learn how to move!“ 

Ich bewegte meine rechte Hand zu meiner linken Schulter, die linke Hand zu meiner rechten Schulter. Ich umarmte mich selbst.

Epilog: Der Tänzer ergriff jetzt die Flucht nach vorne. Er verliess den Ecstatic Dance so vorzeitig wie Aschenputtel den Ball.

Mucho Love, Yvi

Ecstatic Dance bis die Wolken Lila sind

 

 

 

Das Gruppenbild ist von Festivalfotografin Michela di Savino.

PS: Diese Geschichte trug sich zu an einem Abend bei The Source in Arambol Goa. The Source ist einer der schönsten Konzert-, Workshop- und Tanzorte, an dem es mehrfach die Woche öffentlichen Ecstatic Dance gibt. Auf dem Ecstatic Dance Festival waren wir eine geschlossene Gruppe im Forgotten Land. Truppe und Ort waren ganz wunderbar. Ich kann es jedem, der Bock auf tolle Musik und Dance hat, nur empfehlen! Fotos vom Festival findet ihr auf der Ecstatic Dance Goa Facebookseite 

https://www.facebook.com/pg/ecstaticfestival/photos/?tab=album&album_id=162113257775857

 

 

 

 

 

 

Die rülpsende Thai Masseurin

“Lady, did you have an accident?” 

Pims Finger waren wie ein Presslufthammer, der versucht eine Betonplatte aufzubohren. Die Betonplatte war mein Rücken. Sie fragte mich ernsthaft, ob ich einen Unfall gehabt hätte. Ich: “Nö, wieso?” Pim: „Because there is no balance at all in your body!“ Keine Balance im Körper. 

Deswegen fand ich den Weg zu ihr. Zu Pim, die auf der thailändischen Insel Ko Phangan bekannt war mit ihren magic fingers die krassesten Verhärtungen weg zu bügeln. Ich hatte schon immer gut mit Muskelverspannungen zu tun, aber durch das letzte halbe Jahr vor meiner Reise ist noch einiges dazugekommen. Durch Kämpfe mit meiner Ex- Hausverwaltung, mit bestehenden Verträgen und Versicherungen und mit meinem Kopf, der voll auf Drama schaltete. Ich hatte Verspannungen bis in die Zehenspitzen. Pim versuchte meine Füsse zu lockern, die wie festgeschnürt waren und begann den Berg auf meinem Rücken abzutragen. Schicht für Schicht.

Keine Balance. Das nachdem ich gerade meine Yogalehrerausbildung abgeschlossen hatte, bei der es primär darum ging, Balance im Körper zu schaffen. Aber ich war schon immer besser im Drüberreden, statt im regelmässig Selbermachen. Diese Faulheit, die der ein oder andere von euch auch kennt, die einen dazu bringt, morgens lieber einen zweiten Kaffee im Bett einzuhauchen, statt das Kamel auf der Yogamatte zu üben. Haben ja beide denselben Effekt: Sie machen fit. Nur einmal habe ich es mit körperlicher Disziplin so richtig durchgezogen. Beim Powerfitness an der Uni. Ein wildes Rumgehüpfe auf Zehenspitzen. Ich rannte sechs Mal die Woche hin, bis ich gefragt wurde, ob ich nicht Bock hätte, Übungsleiterin zu werden. Oh das fand mein Ego gut, schön den dicken Mäckes in der Mitte machen und auch noch ein eigenes Musikset zum Rumtoben aussuchen. Körper- und Gehörerziehung zu The Rapture, Moby und Elekrowilli & Sohn.

Ich trieb es soweit, bis meine Schienbeine erst entzündet und am Ende komplett im Arsch waren. Akzeptieren wollte ich das nicht. Ich liess mich von einem dubiosen Orthopäden mit Cortison spritzen, die kompletten Schienbeine entlang von der Fussplatte bis zu den Kniescheiben. Er musste kurze Zeit später seine Praxis dicht machen, ich mit Powerfitness aufhören. Aufgrund der niederschmetternden CT Ergebnisse bekam ich ein Jahr Sportverbot. Nicht mal schwimmen war erlaubt. Keine Balance.

Ein Ziel auf meiner Reise ist, meinen Körper ernst zu nehmen und da wirklich Balance nachhaltig reinzubringen. Ich bin mitten im Experiment den Körper als Instrument zu benutzen. Ein Jahr lang Yoga, Tanzen, Singen, Berge erklimmen und was man halt so mit seinem Körper anstellen kann. Dafür versuchte ich direkt zu Beginn meiner Reise meinen Körper wieder locker bekommen.

Pim bohrte ihre Finger zielsicher unter meine Schulterblätter. Dabei rülpste sie. Immer und immer wieder. Das tat sie auch bei anderen Kunden. Manchmal auch theatralisch mit Augen verdrehen, rausrennen und Minuten später wieder reinkommen.  In meiner letzten Sitzung fragte ich sie: „Pim geht es dir nicht gut, hast du Magenschmerzen?“ Sie erklärte mir, dass sie nur auf Arbeit rülpst, dass sie immer mit Leidenschaft arbeitet. Ihr Herz sei hundertprozentig angeknipst, und so fühle sie oft, was hinter den fiesen Verhärtungen steckt.

Ich weiss, was es bei mir ist. Schiss mit Wohnsitz im Nacken abwärts. Angst, was zu verlieren, Angst den Zug zu verpassen, Angst davor keine Kohle zu haben, Angst vorm Älterwerden, Angst vorm Tod, Angst davor abgelehnt zu werden, Angst davor nicht zu wissen, was nächstes Jahr ist usw. Ich schreibe das hier so einfach hin, weil ich weiss, dass viele von uns ähnliche Ängste haben. Der Mensch ist ein Angsttier, er frisst sich damit voll. Wenn man jetzt mit Yoga und so ankommen würde, ist es das Ego, das Angst hat. Eine Pseudoangst, denn kontrollieren können wir vieles nicht. Ich habe einen ganzen Rucksack voller Ängste, das war schon immer so. Und ich liebe die Freiheit und die kommt immer mit Unsicherheiten daher. Weil ich schon lange davon träumte, einmal im Leben ein Jahr lang zu reisen, sich das aber mit meiner grössten Angst, der Existenzangst, biss, musste ich springen. Jetzt oder nie, so fühlte es sich an. Raus aus der Komfortzone, rein in die Welt. Dafür musste ich meine geliebte Arbeitsstelle und meine Wohnung, also meine „Sicherheiten“ hinter mir lassen.

 

Mein erstes Ziel war Thailand. Auf der Insel Ko Phangan. Statt einen auf barfüssigen Hippie am Meer zu machen, hockte ich die ersten 5 Tage drinnen in meiner Bambushütte mit meinem Angstrucksack: „Wo ist mein Job, wo ist meine Wohnung, was mache ich hier?“ Das raste durch meinen Kopf. Wochen später noch in Goa, sagte mir eine Teilnehmerin vom Ecstaticdance Festival: „Du wirkst so angespannt, als würdest du etwas festhalten. “ Ja, stimmt. Ich hielt mich an meinem alten Leben fest, das nicht mehr da war. Wer war ich denn schon ohne das? Dazu peitsche mich mein schlechtes Gewissen: „Was erlaubst du dir eigentlich, einfach mal so eine lange Zeit aus deinem alltäglichen Leben rauszuspringen?  Und was bitte ist in einem Jahr, wenn du keine Kohle mehr hast? Du wirst abgebrannt und Strand von Goa enden. Game over!“ Dazu die Sorge der Eltern, die Welt sei so gefährlich. Ehrlich gesagt bin ich in Halle (Saale) überfallen worden, Gefahr ist überall, aber darum geht es mir nicht. Ich habe keine Angst davor, die Welt zu bereisen, ich habe Angst davor bei meiner Rückkehr keinen Anschluss mehr zu finden in der regulären Arbeitswelt,  also nie wieder einen bezahlten Job machen zu dürfen, der mir so viel Spass macht, wie die Jahre zuvor. Mein letzter Arbeitgeber und ich wir haben uns hübsch mit einer Pommesparty verabschiedet und es offen gelassen.   Offene Beziehungen konnte ich noch nie. Bisher. Jetzt gilt es mal all die Optionen auszuhalten. Ich bin so dankbar, die Welt sehen zu dürfen, aber zu Beginn meiner Reise konnte ich es gar nicht geniessen.  Ich konnte nicht zum Meer gehen und meine Zehen ins Wasser halten: Der Anblick bot zu viel Freiheit, zu viel Platz für Ungewisses, zu viel Wasser. Beim Element Yoga habe ich gelernt, dass Wasser entspannt ist. Es weiss, wie GowiththeFlow geht. Es steht für Loslassen und Flexibilität. Noch fühlte ich mich wie eine Betonplatte, die sich auf zum Wellensurfen macht, Wellensurfen mit meinen Ängsten.

Pim schaute mich an und ermahnte mich: „Stop overthinking!“ – „Hör mit dem Grübeln auf.“ Sie zog an meinem Nacken und rülpste dabei laut.

PS. Wer das mit dem Rülpsen nicht glaubt, besucht Pim selbst. Sie ist die Chefin von Revive Massage, trägt auf dem Foto ein wasserblaues Shirt und nimmt kein Blatt vor den Mund.

https://www.tripadvisor.com/ShowUserReviews-g303907-d8786485-r341631315-Revive_Massage-Ko_Pha_Ngan_Surat_Thani_Province.html

https://www.facebook.com/WatPhoCertified/

Lebensmüde nach Gokarna

Völlig fertig sass ich mit ein paar Hunden vor einem schlafendem Guesthouse. Es war 4:30 Uhr in der Früh und ich wartete darauf, dass die dicke gelbe Kugel aufwachte. Ich war in Gokarana am OM Beach gestrandet, was unterhalb von Goa liegt. Ein Bekannter aus Leipzig war da und ich wollte mal vorbeikucken.

Vorbeikucken bedeutete von Südindien 837 Kilometer mit dem Zug und Nachtbus hochzubrettern. Alleine.

am OM Beach angekommen

Erstmal zur Reise, wie ich überhaupt in den Süden Indiens gekommen bin, bevor ich wieder hochfuhr.Schon auf der Hinreise in den Süden Indiens, also von Margao, dem Bahnhof bei Goa nach Thiruvananthapuram in Kerala sass ich 21 Stunden lang im Zug.

 

 

Start der Reise: Margao: Zug von Goa nach Thiruvananthapuram in Kerala Südindien 21 h

 

 

Das Zugende ist nicht in Sicht. Reisen in Indien mit Zug und Bus ist spannend. Niemals habe ich mich so lebendig gefühlt. Ich hatte das Gefühl,  im Film Darjeeling Limited von Wes Anderson gelandet zu sein.

Mitternacht ging es in Goa los. Ich bestieg das kilometerlange blaue Metallmonster, die zweite Klasse  mit harten schmierigen Pritschen zum Schlafen. Ich fand das Abteil mit Option zum Schlafen, hiefte meinen Rucksack auf die mittelhohe Pritsche (an jeder Seite gibt es 3 Pritschen zum ausklappen – unten, mitte und oben). Eigentlich sollte ich oben schlafen, direkt unter den fettig schwarzen Ventilatoren, aber das war mir zu hoch. Ich hatte Angst runterzufallen und mir alles zu brechen. Ich klappte die mittelhohe Pritsche aus und versuchte etwas zu schlafen. Keine gute Idee: Morgens um 7 wurde ich von indischen Männern geweckt und gebeten: „Bitte Liege an die Wand zurückklappen und unten hinsetzen.“ Sie sind morgens in den Zug zugestiegen und haben das Schlafabteil umfunktioniert in einen Gruppenkuschelwagon. Ich sass die nächsten 6 Stunden eng gequetscht zwischen den Männern, Marktleute stiegen ein und aus, verkauften auch warmes Essen wie Linsen, den fast flüssigen Dhal assen sie mit ihren rechten Händen.

 

Bücherverkauf im Zug

 

Aus den Fenstern bzw. aus den Kucklöchern mit Metallstäben brauste der Wind um meinen Kopf. Was für 1 Feeling. Abends kam ich dann ok an in Thiruvananthapuram. Ich hatte auch für zwei Wochen später ein Rückfahrtticket gekauft, also zurück nach Goa – von dort aus wollte ich dann irgendwie nach Gokarna, was keine eigene Zughaltestelle hatte. In dem Ashram, wo ich war, kam jeden Morgen eine Inderin, die Reisetickets verkaufte. Sie sagte: „Oh du kommst ja morgens um 5 in Goa an, das ist zu gefährlich.  Kauf besser ein Ticket für den Nachtbus, der bringt dich direkt nach Gokarna.“ Da würde ich morgens um 6 ankommen. Also schmiss ich mein Zugticket weg, was umgerechnet 8 Euro gekostet hatte und kaufte mir ein neues Ticket. Es stellte sich heraus, dass diese Fahrt viel aufregender war. Vom Ashram aus, der auf einem Hügel in der Natur lag, musste ich mit einem Rikschafahrer sehr früh morgens eine Stunde lang zum Bahnhof in Thiruvananthapuram. Ich musste ihm vertrauen. Es war das einzige Mal, dass mich auf der Reise durch Indien jemand angrabste, beim Rucksack auf- und absetzen. Die ganze Fahrt über wiederholte er seine Frage, ob ich verheiratet sei. Ich bejahte immer wieder – auch wenn ich auf Flunkern nicht stehe. Es war definitiv die bessere Aussage.

Dann nahm ich den Zug nach Kochi.

 

auch hier die schmierigen Ventilatoren.

Wir rauschten vorbei an Müllbergen. Es ist krass zu sehen, wie viel Müll neben den Gleisen liegt, neben mir sass eine hübsch gekleidete ältere Dame, sie schmiess einfach Plastik aus dem Fenster. Ich behielt mein Kaffeestäbchen in der Hand. In Kochi hatte ich 4 Stunden Aufenthalt: Zeit, um einen Mülleimer zu finden und aufs Klo zu gehen, wo Inderinnen sich komplett wuschen, mit Wassereimer über den Kopf. Es dauerte etwas bis ich dran war und derweil passte eine alte Dame für zehn Rupees auf mein Gepäck auf. Ich war froh über die Umsteigezeit die ich hatte, musste nämlich erstmal die Bushaltestelle finden, die war, wie so oft, an einem Guesthouse irgendwo mitten in der Stadt. Ich heuerte einen Rikschafahrer an, er setzte mich ab, kassierte das Geld, falsche Stelle. Die nächste Fahrt brachte mich dann an den richtigen Ort. Ein netter Inder in meinem Alter wartete dort schon bei einem Chai und ich gesellte mich dazu. Er wollte zu seiner Schwester nach Goa. Honest kam pünktlich, so hiess der Bus. Also Ehrlich.

Es geht los mit dem Nachtbus nach Gokarna, muss schnell noch der Reifen ausgewechselt werden, ein Erlebnis, das ich mehrfach in Indien hatte.

Er war gemütlich. Aber nur Männer fuhren mit, ich musste wieder vertrauen. Der Inder und ich unterhielten uns noch eine Weile und ich schlief dann ein bisschen. Irgendwann weckte mich der Fahrer. „Aussteigen!“ Wir seien da, also in Gokarna. Ich schaute auf die Uhr. 3 Uhr nachts. Ankunft 6 Uhr bezog sich nicht auf Gokarna sondern auch das Endziel Goa. Und da, wo wir stoppten, war auch gar nicht Gokarna Stadt, sondern 20 Kilometer ausserhalb. Gokarna Cross. Da gab es nichts, nur den Highway. Nicht mal eine Bude zum Hinsetzen und Verstecken. Ich stieg paralysiert aus und  bekam Panik, ich fing an zu schreien, dass das lebensmüde ist und dass ich das nicht mal in Deutschland tun würde, mitten in der Nacht an einer Strasse aussteigen und sowieso wie sollte ich denn weiterkommen? Der nette Inder bot mir an, dass ich mit ihm weiter nach Goa fahre, dort erstmal eine Runde schlafen könnte bei ihm und seiner Schwester, und von dort aus – wie ja ursprünglich geplant – wieder runter nach Gokarna. Das war mir zu doof, 3 Stunden weiter gen Norden zu fahren, um die dann wieder runter zu fahren, wenn ich jetzt 20 Kilometer von Gokarna entfernt bin. Die Inder redeten in Hindu aufgeregt durcheinander. Ich stieg wieder ein, und sie brachten mich zur nächsten Stadt. Ankola. Dort stand ein Taxifahrer an einer Tankstelle. Wir sprachen ihn an, und er brachte mich dann für mehr Geld als die komplette Fahrt kostete zum Strand von Gokarna. Ich musste ihm wieder vertrauen. Es war kurz vor 4  Uhr in der Früh. Ich versuchte meinen Bekannten anzurufen, er ging nicht ran. Innerhalb eines Tages, musste ich Vertrauen wie am Fliessband: Dem Rikschafahrer von früh morgens, der Horde Männer im Sleepingbus, und dem Taxifahrer, der mich an mein Endziel brachte. Zum Strand runter führten Stufen, es war stockduster.  Der Taxifahrer beruhigte mich. Er sagte: „Dir passiert nichts, geh einfach runter und warte bis die Sonne aufgeht.“ Genau das machte ich dann. Ich knipste meine Taschenlampe an und schlich zum Strand runter. Beim ersten Guesthouse setzte ich mich dann hin, einige Hunde gesellten sich dazu, und wir warteten bis die Sonne aufging. Niemals hab ich mich so lebendig gefühlt und niemals war ich so froh darüber, noch lebendig zu sein. Dann machte ich mich auf die Suche nach meinem Bekannten. Mit einem Rucksack voller Vertrauen.

Mucho Love, Yvi

 

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Können Schlangen sich den Rücken brechen?

Zusammengerollt lag sie in der Mitte des fast leeren Schlafzimmers meines Holzhauses. Ich starrte sie an, brüllte los, liess alle Türen offen und rannte raus. Hundert Stufen runter in den Dschungel, vorbei an Palmen und Jackfruitbäumen. Mein Haus machte seinem Namen gerade alle Ehre „Bam Bam Nature House“. Natur ist ja schön und gut, aber die sollte doch draussen bleiben, auch wenn ich alle Fenster offen lassen musste.

Die Schlange war der Höhepunkt aller Tierbesuche in meinem Holzhaus auf Stelzen. Ich wollte schon immer mal in einem wohnen, seit Jahren träumte ich davon und auf Ko Phangan fand ich es. Leider musste ich feststellen, dass so ein Thai-Holzhaus schwierig ist. Es ist wie ein Typ, der super aussieht, aber derbe Baustellen hat. Als ich es bezog, fiel mir nachts der strenge stechende Geruch auf, der besonders im Schlafzimmer durch meine Nase kroch. Dazu wellte sich die Decke, wenn es stark regnete, was es drei Wochen tat. Ein bissiger Uringeruch gesellte sich dazu – wer weiss, was unterm Dach abging, Geckos sausten dort immer entlang. Die fand ich niedlich. Wenn ich abends alleine in meinen Haus hauste, dann machte ich oft Spass mit ihnen auf der Veranda, spielte Hip Hop und drehte kleine Diskovideos mit ihnen. Ameisen liess ich zur Technomusik auf meinem Teller rumraven während sie meine Essensreste verspeisten. Überall waren Tiere. Meine Fenster hatten keine Moskito-Netze und weil ch ausserdem Schiss vor dem Alleinsein in der Dunkelheit hatte, liess ich nachts erstmal die Fenster geschlossen. Das brachte die Luft zum Brodeln.

Nach fünf Tagen hatte ich rote Flecken im Gesicht, Kopfschmerzen und ein polterndes Herz. Ich ging auf Quellensuche und wurde fündig. Die untere Seite meiner Matratze hatte einen riesen grossen schwarzen Fleck, feucht. Das Lattenrost, eine Spanplatte, war mit weissem Schimmel bedeckt. Als ich meine Nase unter das Bettgestell hielt, explodierte sie fast. Partikel tanzten in meiner Nase rum.

 

Der Vermieter, Mr. Nice, tatsächlich ein netter Thai, immer hilfsbereit und aufmerksam, erklärte mir, dass man in Thailand das Holz mit Chemikalien behandelt, um es vor Termiten zu schützen. Wenn man das nicht macht, kommen sie und fressen es auf. Er liess das Bett abtransportieren, bzw. unters Haus stellen, was die Thais machen, wenn was nicht mehr gebraucht wird.

 

  • Schön unters Haus packen, so löst sich das Problem des Mülls ja auch nicht.

Ich bekam eine neue Matratze und dachte, dass es nun besser wird, wurde es auch, aber nur ein bisschen. Weil: Es kam raus, dass auch der Boden im Schlafzimmer mit den krassen Chemikalien (in Deutschland seit Jahrzehnten verboten) behandelt wurde. Also schlief ich ab der zweiten Woche mit der Matratze auf dem Boden im Wohnzimmer, überwand meine Angst vor Tieren und Eindringlingen jeglicher Art und öffnete auch nachts alle Fenster.

 

Ihr fragt euch jetzt: „Ist die bescheuert, warum hat sie das Haus nicht sofort verlassen?“ Erstens: Ich hatte die komplette Miete im Voraus bezahlt. Zweitens: Es war Hochsaison und alles dicht, Drittens: es gab mehrere solcher behandelten Häuser und Viertens: Ich hatte Hoffnung. Schliesslich war das Haus wunderschön, nur eben gesundheitsgefährdend……. Vier Wochen lang führte ich diese toxic relationship, in der Hoffnung, es würde besser werden…ich müsste nur gut genug lüften, aber auch mit Ventilator, Räucherstäbchen, Ölen und Klimananlage…  es blieb dabei: Von Aussen ein Traum, von Innen ein unverbesserliches Moddermonster. Jetzt mit Schlange. Ob die so giftig war, wie Schimmel und Holzchemikalien, wusste ich erstmal nicht.

 

 

Die Schlange pennte in meinem Schlafzimmer, und ich stand heulend mitten in der Nacht im Dschungel und wünschte mir dringend, nicht alleine auf dieser Reise zu sein. Wo war der Kerl, der das für mich klärte, heroisch die Schlange aus dem Schlafzimmer zog? Zum Glück war zwei Tage zuvor jemand in das verlassene Holzhaus nebenan gezogen und hatte sich schon durch guten Musikgeschmack bewiesen, der stets zu mir rüberschwappte. Es war noch Licht, und ich klopfte an die Tür. Eine türkische Musikerin, Ayse, stellte sich mir vor. Sie habe kaum Schiss vor Schlangen, dafür umso mehr vor Spinnen.

Mit Spinnen konnte ich besser umgehen irgendwie: Am ersten Abend entdeckte ich eine in meinem Bad. Eine dicke schwarze Spinne hockte hinter meiner Toilette und schaute mir beim Duschen zu. Ich wusch mir schnell und bedacht den Schaum aus dem Haar, nahm langsam den Toilettenwasserstrahler in die Hand, den man statt Klopapier in Asien benutzt, und damit verpasste ihr eine kalte Dusche. Der Wasserdruck reichte aber lediglich dazu aus, sie einmal etwas zusammenschrumpeln zu lassen. Daraufhin setzte ich zum ersten Mal Pfefferspray ein, das ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Ich drückte zwei Mal ab, das 1 qm Bad füllte sich mit orangefarbenem  Pfeffernebel, der auch mein Gesicht, meine Hände und Füsse erreichte und dazu führte, dass ich 3 Tage lang wie auf Kohlen rumrannte und keine Kontaktlinsen mehr tragen konnte. Ich schloss die Badezimmertür, wartete nach der Attacke ab in der Hoffnung, dass die Spinne dahinter eingehen würde. Als ich nach einer halben Stunde die Tür öffnete, sah ich sie nicht mehr. Ich hockte mich hin, um zu sehen, ob sie sich noch weiter hinter die Toilette gekrochen ist und genau in dem Moment, rannte sie flink durch meine Beine durch, hinaus in die Natur durch die offene Hintertür meiner Küche. Wie im Film. Spinne war abgehakt. Mit dieser Übung konnte ich Ayse noch in derselben Nacht helfen, eine Spinne in ihrem Schlafzimmer zu erledigen. Wir kicherten dabei hysterisch. Ja ja. Was man halt so macht nachts auf Ko Phangan – Ein Spinnenbild gibt es übrigens nicht.

Wieder zur Schlange. Ayse sagte: „Oh es ist schon Mitternacht, aber wir rufen trotzdem Mr. Nice an.“ Der ging aber nicht ran, also nahm ich mein Moped und düste zu seinem Resort. Ich war vollgetankt mit Angst, und als ich die Brücke zu seinem Resort überquerte, knurrte mich der grösste seiner Hunde an, mit dem ich mich sonst super verstand, aber die Angst roch er. Sowieso war da alles dunkel also kehrte ich zurück zu meinem Bam Bam Nature House bzw. zu Ayse. Wir posteten auf Facebook in der Ko Phangan Conscious Community Group, dass wir Hilfe benötigen. Sofort bekam ich den Kontakt zu dem Reptilien- und Schlangenexperten der Insel. Ich rief ihn an, nach nur drei Sekunden war am Akzent klar, er ist Deutscher. Stefan. Er kommt und rettet die Tiere ohne dass uns und ihnen was passiert. Er fragte: „Ist es eine Kobra“. Ich so: „Waaaas Kobra???“, er so: „Ja ich komme nur wenn es eine Kobra ist, also wenn es wirklich dringend ist, weil ich habe Besuch“. Er wollte wissen wie meine Schlange denn aussah. In meinem Kopf war sie dunkel und sehr gross, aber sicher war ich mir nicht.  Stefan fragte: „Hat sie ein Muster, wenn ja dann ist sie ungefährlich“.  Ich wusste es nicht. Um sicherzugehen, blieb uns nichts anderes übrig als nachzukucken. Ayse nahm mich an die Hand und wir gingen zu meinem Haus zurück. Leider hatte ich ja alle Türen offen gelassen, die Schlange konnte nun also überall sein, und in der Mitte meines Schlafzimmers war sie schon mal nicht mehr. Ein Déjà vu für mich, denn mit der Spinne war es ja ähnlich gewesen. Ich war so nervös, dass auch die Schlange angeflitzt kommt.  Ayse betrat mein Schlafzimmer, auf Katzenpfoten schlich sie zur Kommode, dem einzigen Gegenstand in meinem Schlafzimmer, sie schaute dahinter und begann in einem süsslich säuselnden Singsang zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass es eine Babyschlange ist. Mein Schock-Kopf hatte aus dem kleinen verschreckten Ding einen Riesen gemacht. Ayse machte ein Foto und das sendeten wir Stefan zu. Er beruhigte uns und meinte, es sei definitiv eine Wolf Snake. Total harmlos.

Sieht fast aus wie ne Grillbratwurstschnecke. Noch mal zum Stöbern auf http://reptilerescuephangan.com/reported-snakes-of-phangan/

Er machte Schlangenaufklärung: Es gibt 300 verschiedene Schlangenarten in Thailand, 20 davon auf Ko Phangan. 3 Arten sind tödlich giftig. Die Monokelkobra und Königskobra kommen auch schon mal aus Versehen in unsere Häuser. Beide sind gefährlich giftig, aber nicht gefährlich aggressiv oder angriffslustig. Es ist es sehr viel wahrscheinlicher auf Ko Phangan von einem Hund mit Tollwut angefallen zu werden als von einer Schlange. Wenn man Schlangen zu nah kommt, versuchen sie einen Ausweg zu finden, wenn das nicht klappt, stellen sie ihren Vorderkörper auf und fangen ängstlich an zu schnauben. Erst dann wenn man sie nicht in Ruhe lässt, wird es heikel. Fatale Schlangenbisse kamen in den letzten zehn Jahren nur vier Mal in Thailand vor. Zwei davon durch Eigenverschulden. Ein Einheimischer hatte versucht eine Kobra zu erschlagen. Die Kobra hatte sich gewehrt und einen tödlichen Treffer gelandet. Eine andere Kobra hatte einen burmesischen Mann bei einer Schlangenshow in die Zunge gebissen, als er sie gegen ihren Willen vor sein Gesicht gehalten hatte und mit ihr aus Fun einen Zungenkuss vortäuschen wollte.

Wir hatten das nicht vor und sowieso war es ja angeblich eine Wolf Snake. Stefan sagte uns, dass wir sie einfach heraustragen sollen.  Ich holte Kehrblech und Besen. Ayse lockte die Schlange aus ihrem Versteck hervor, indem sie mit ihr weiterhin wie mit einem Baby sprach, was sie ja auch war. Die Schlange schlängelte sich an der Wand entlang bis sie das Blech erreichte.  Dann bugsierten wir sie nach draussen und warfen sie im Effekt über das Geländer nach unten. Da war auch Ayse kurz nicht mehr cool geblieben. Und wir fragten uns: „Können Schlangen sich beim Aufprall den Rücken brechen?“ Stefan weiss: „Normal nicht. Sie blähen sie sich im freien Fall auf, und aktivieren damit ihren Airbag.“

Durch Konfrontation und Aufklärung ist meine Angst vor Schlangen weniger geworden, und tatsächlich vermisste ich am nächsten Morgen die kleine Schlange. Ich schaute in den Vorgarten. Sie war fort. Wo war eigentlich ihre Mutter?

Goa: Esotrip als Entertainment

Vor 3 Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Indien. Ich startete in Goa – Arambol, dem Mekka für Yogis, Tantragöttinen, Lost souls, lonely warriors, HulaHup-Prinzessinnen, flötenden Männern mit weissen langen Haaren in Brezelstellung und Kühen, die immer und überall Vorfahrt haben, auch am Strand. Und während die dicke gelbe Kugel einen hübschen Postkartenabgang macht, tanzen schöne Menschen knapp bekleidet am Strand mit Kopfhörern zur Silent Disco in slow motion. Ich stand nur sprachlos da, glotze und knipste.

 

Wenn ihr euch traut: In Goa könnt ihr euch sowas von in euren Selbsterfahrungstrip werfen. Es gibt so viel Angebot: Tantratratra im LoveTemple, Osho Mediationen –  mit Schnappatmung und wildem Rumgehüpfe pustet ihr eure düsteren Gedanken aus euren Köpfen und in Workshops könnt ihr in die Vergangenheit reisen, sozusagen in euren vorherigen Leben mal „hallo“ sagen. Mich hat das damals alles überordert. Und auch heute noch denke ich regelmässig: „Hier ist jetzt mal Schluss. Ich geh Pommes essen.“ Nicht umsonst hing ich bei meiner diesjährigen Goa-Reise oft bei den Hunden von I Love Goa Dogs ab – über Rani und ihre Community zur Hunderettung in Arambol berichtet ich schon. Findet ihr auch unter Indien und unter People.

ich
I Love Goa Dogs als Zuflucht vorm Esotrara

Zurück zu vor 3 Jahren:  Talia aus Israel, die ich damals in Indien traf, nahm das auch alles nicht so ernst. Wir beschlossen, uns einen Tag lang einen Spass zu machen und uns die volle Ladung Esoenterntainment zu geben. Auf einem Plateau am Strand bot uns ein bärtiger Mann mit Wallemähne an in unsere vorherigen Leben zu reisen. Why not? Wir legten uns also auf Matten mit bunten Kopfkissen, um uns herum noch 8 weitere Neugierige.  Wir schlossen die Augen, der Mann in der Mitte machte ein paar Ansagen, um uns in Stimmung zu bringen, mal nachzugucken, wer wir früher waren. Nach zwei Stunden holte uns Swami Ramish  zurück ins Hier und Jetzt. Ich hatte die Zeit genutzt um zu pennen und Talia langweilte sich. In der Ecke hockten zwei Russinnen: Die eine auf dem Schoss der anderen, ihre Augen schimmerten.  Sie hatten sich wohl ineinanderverliebt, so deutete ich ihre Blicke. Das störte einen abgehalfterten Briten, Dany, der mit lauter Stimme tönte: „An elephant is in this place, you see this elephant? It disturbs me.“ Dabei zeigte er wütendem Blick auf die beiden Frauen. Swami Ramish fragte ihn: „Kann es sein, dass du dich nach romantischer Liebe sehnst und es deswegen den beiden Frauen nicht gönnst?“ Dany wurde kurz still und bejahte dann. Seine Einsamkeit wurde immer lauter, er schimpfte, tobte und wurde schliesslich gebeten das Plateau zu verlassen. Weil Talia und ich auch keinen Bock mehr auf dieses Theater hatten sind wir mit ihm raus. Wir hatten ihn aber jetzt an den Hacken. Er erzählte wie ein wütender Wasserfall: Dass er sich verliebt hatte in eine Lady, die ihm versprach ab sofort mit ihm ihr Universum zu teilen, aber nach dem ersten Date nie wieder auftauchte. Und dass er im Love Temple, dem Ort für Tantratrara einen Cocktail bestellt hatte mit – wie er sagt – 20 Zutaten, er musste eine Stunde warten, um dann vom Kellner gesagt zu bekommen, dass eine Zutat fehlt. „Nicht mal einen beschissenen Love-Cocktail bekomme ich“, raunzte er.

So ist es ja oft, da wo Mangel ist, kommt noch mehr Mangel hin, da wo es läuft, läuft es immer besser. Ich versuchte ihn noch kurz mit Floskeln zu beruhigen, sowas wie „Alles wird gut“, weil er aber gar nicht mehr aufnahmefähig war, hängten wir den einsamen Krieger ab. Jeder muss seine eigene Reise machen.

Mucho Love. Yvi.

Talia und ich

 

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Lost and alone in Kathmandu

Ich bin alleine, hungrig und verloren durch Kathmandu gelaufen.

Schon den ganzen Vormittag über kratzte die Tatsache, keine Romanze zu haben an mir – kleine Stiche der Single-Einsamkeit piksten mich, ausgelöst durch mein neues Zimmer mit 2 Betten, 2 Sesseln und 2 Fenstern.

Die Marktfrauen, bei denen ich am Tag zuvor frittiertes Linsenbrot geschenkt bekommen hatte, waren nicht da. Über Umwege landete ich im versteckten 7 Spices Restaurant.

Eine schöne ältere Dame fragte mich: „Sind sie verheiratet?“ Ich erwiderte: „Nein ich bin alleine.“ Ich erzählte ihr in Kurzform, warum ich derzeit alleine reise. Dass ich lerne, mit mir alleine vollständig glücklich zu sein, denn in erster Linie sind wir alleine. Wir komme alleine, wir gehen alleine, dazwischen führen wir Beziehungen. Mein Motto dabei ist: „Ohne Heimat – keine Reise“. Erst möchte ich lernen mir selbst eine gute Heimat sein, vollgetankt mit Selbstliebe, um dann eine Beziehung führen zu können, die nicht aus dem Grund besteht, nicht alleine sein zu wollen.

Sie sagte: „You are free – you are lucky and you can be happy. You have husband – you have problems.“ Sie stand auf, stoss mit ihrer Kaffeetasse an meine. Eine Geste, die ich sonst gerne mache. Sie nahm mich in den Arm und drückte mir einen Kuss auf die Wange. „I am so happy to meet you“ , sagte sie. Daraufhin nahm ich mein Notizbuch und fing an zu schreiben. Mein erstes Gedicht. Als sie ging, bat ich um ihren Namen. Bhawani Tuladhar: Es stellte sich heraus, dass sie eine nepalesische Poetin ist, die gerade ihre erste Geschichtensammlung veröffentlicht hatte.  Hyupa: Darin beschäftigt sie sich mit dem Patriarchat und den Frauen und ihren Problemen in der heutigen Gesellschaft. Warum fühlen gerade wir Frauen uns oft wie ein halbes Hähnchen, wenn wir ohne Mann sind? Eine Frage, der ich auf dieser Reise auf den Grund gehe.

…Alleine…

2 Betten, 2 Sessel, 2 Fenster, 1 Ich. Das Ich fühlt sich beim Betreten des Zimmers halb. Es schaut zu den Fenstern und fragt sich: „Wäre ein Fenster ohne ein zweites nur ein halbes Fenster? Ist ein Bett ohne ein zweites ein halbes Bett? Ein Sessel ohne einen zweiten ein halber Sessel? … Das Ich hebt den Kopf, lächelt und verlässt das Zimmer. Es geht zum Abendessen. Alleine und ganz.

 

Englische Version// English version

This morning I walked hungry and lost through the streets of Kathmandu.

I was bothered by the fact that I don’t have a romantic relationship at the moment, feelings of loneliness where triggered by my new hotelroom that had two beds, two armchairs and two windows.

The women from the market, where I got  yesterday as a welcome-gift bara, nepalese fried lentil bread, were not there. I somehow landed in a small hidden restaurant called 7 spices. A beautiful senior lady asked me: „Are you married?“ I answered: „No“, and explained in a short way  why I am traveling alone at the moment. That I am learning, to be with myself one hundred percent  happy, to fall in love with my solitude. As in first line we are alone. We come alone, we go alone, in between we connect. My motto also for relationships is: „No journey without a home“. Means I learn to be a good home for myself, full of self-love , to have „romantic“ relationships, that do not exist, because of not wanting to be alone.

She said: „Oh, you are free – you are lucky and you can be happy. You have husband – you have problems.“ She came to me and she toasted with her coffeecup at my coffeecup, a gesture that I always do. She hugged me, gave me a kiss on my cheek  and said: „I am so happy to meet you!“ I started to write some sentences in my notebook.  My first poem. When she left, I asked for her name. Bhawani Tuladhar. It came out that she is a nepalese poet that just published a  first story collection. Hyupa: About  women’s issues, the problems they face in the society and about patriarchal mindset. I ask myself: Why do many of us women feel like a half chicken without a guy at our side? This is one thing I think about on my journey. Here is my poem.

…Alone…

2 beds, 2 armchairs, 2 windows, 1 self. When entering the room the self feels being half. It looks to the windows and asks itself: „Would a window without a second window be a half window? Is a bed without a second bed a half bed? An armchair without a second one half?“ … It raises its head, smiles and leaves the room for dinner. Alone and complete.

 

Mucho Love, Yvi

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Vom Smartphone, das beim Meditieren starb

Oder: Das erleuchtete iPhone!

Stundenlang wie ein Brezel verknotet im Schneidersitz zu hocken, hatte ich ja schon gelernt bei meiner Yogalehrerausbildung in Thailand –   meine Gedanken mal auf Standbye zu knipsen nicht. Dieser angenehme Zustand, den man beim Feiern hat, ein easy Kosmos, in dem nur der Moment zählt, der nächste Beat, das nächste Kaltgetränk… Sowas kann man angeblich auch mit Meditation erreichen, garantiert Katerfrei. Während meiner vierwöchigen Ausbildung musste ich mich jeden Morgen um 6 aus dem Bett rollen und direkt mal eine halbe Stunde meditieren. In meinem Kopf ging es zu wie in einem Affenzirkus – der Gegensatz vom Zustand des Yoga. In Patanjalis Yoga Sutras, der klassischen Yoga Schrift mit dem Leitfaden zur Erleuchtung, oder sagen wir zu einem gechillten Leben, heisst es:yogaś-citta-vr̥tti-nirodhaḥ – Yoga ist das Zur Ruhe bringen der Fluktuationen des Bewusstseins. Zu deutsch: Yoga ist der Zustand, in dem die Gedanken ihre Klappe halten. Um die 60000 sausen täglich jedem von uns durch den Kopf, und wenn ich mich nicht verzählt habe, dürften das 42 pro MINUTE sein. Ich persönlich finde das dolle anstrengend. Auch dass diese Gedanken nicht mal die Basics des Storytellings beherrschen, sie quatschen ohne roten Faden drauflos: waren sie gerade noch beim Pommesessen, mit oder ohne Majo, rutschen sie auf einmal in den letzten Streit mit dem Ex-Lieblingsmenschen ab, gehen noch mal alles haarklein durch, tun so als hätten sie das noch nie gedacht und durchdenken es nochmal von vorne und nochmal…dann hüpfen sie in die Zukunft, die ja noch gar nicht da ist, aber trotzdem muss man schon mal überlegen, was im Herbst 2018 so ansteht. So ein Affenzirkus – sagte ich ja schon!  Vom Monkey Mind zum ruhigen See. Das wollte ich lernen.

Nach Abschluss der Yogalehrerausbildung bin ich mit der Koreanerin Miok und der Venezolanerin Suni zu einem Zentrum für Meditation in der Nähe von Pai im Norden Thailands gedüst. Zum Open Mind Centre. Ein um die 60 Jahre alter Brite empfing uns. Er war wie ein wilder Sturzbach, der versuchte, so zu tun als sei er ein ruhiger See. Er fiel Suni ins Wort und hatte eine Laune zum Wegrennen. Wir merkten sofort – ui, das war keine gute Idee dort hinzufahren.  Weil es aber abends war, beschlossen wir dort eine Nacht zu bleiben, um dann morgens schnell wieder abzuhauen.

Zum Zentrum gehörten 12 Holzhütten, alle verlassen, bis auf eine. Die bewohnte eine ca. 25 jährige Holländerin, die uns ankuckte als hätte sie gerade die Teletubbies über die grünen Reisfelder flitzen sehen. Sie war seit 6 Tagen dort und bereits irgendwo anders. Es schien ihr entgangen zu sein, dass aus den Leitungen kackbraunes Wasser kam, Waschbecken und Wanne komplett rot-braun verfärbt. Suni, Miok und ich fanden die spooky Stimmung und die Farbe des Wassers echt uncool und krümelten uns dann zu dritt in eine Holzhütte. Ich legte mein Smartphone auf den Nachttisch. Morgens um 7 blinkte es wie ein Ufo, und es regierte nicht. Ich packte es erstmal ein. Wir legten dem Briten Kohle für eine Übernachtung in die Eingangshalle und rannten aus dem Mediationszentrum so schnell wir konnten. An der Hauptstrasse machten wir Anhalter, und ein netter Thai nahm uns mit nach Pai. Ich ging mit meinem Patienten, einem iPhone 4,  zum Fachladen und liess es dort untersuchen. Ich erzählte vom Handy und dem Meditationszentrum, dass es morgens nur noch blinkte statt anzugehen. Der Elektroexperte nahm es auseinander und sagte: „Lady, I am sorry, but your phone is broke. No hope.“ Das Handy hatte sich nach nur einer Nacht im Meditationszentrum in den Zustand des Nirwana oder – wie die Yogis sagen – Samadi gebracht. Es war erleuchtet. Oder um es pragmatisch auszudrücken:  Mein Smartphone hatte sich zu Tode meditiert.

Ich bin dann ohne Handy  und sowieso ohne Laptop etc. weitergereist durch Thailand und Vietnam und landete  auch deswegen in einigen strangen Situationen.  Z.B. war es nicht einfach einen normalen Wecker zu bekommen oder in Vietnam die Rückreise zu buchen, aber am Ende hat immer alles geklappt. Irgendwie.

 

Mucho Love, Yvi

Weil fast alle nur noch aufs Smartphone starren, musste dieses Schild her. Ein Jahr zuvor gab es das noch nicht. Ins Gespräch kam ich in der Shanti Lodge mit jemand, weil er ein Smartphone besass. Ich musste mal kurz ins Internet:-)