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Leonie ist 15 und leidet an der seltenen Augenerkrankung, der Zapfen-Stäbchen-Dystrophie. Sie hat nur noch 3 Prozent Sehkraft und spielt Goalball. Das ist eine Mannschaftssportart, wo man blind Torball spielt.
Leonie ist so gut, dass sie zweifacher Landessieger ist und in der Nationalmannschaft schon mittrainierte. Warum sie sich derzeit dagegen entscheidet, Teil des Nationalmannschaft zu sein und was ihre Ziele und Wünsche sind, das erfahrt ihr bei MDR Tweens in der Inklusionssendung Na und?!
Für Na und?! – die Inklusionssendung bei MDR Tweens habe ich einen Tag mit Ali verbracht. Er ist 17 und ein Transjunge. Unaufgeregt, ehrlich und offen erzählt er von seiner Entscheidung nicht mehr ein Mädchen sein zu wollen, die Umwandlung und sein Leben heute. Er lebt vegan, näht, kocht, diskutiert und setzt sich für die Umwelt ein unter anderem bei Fridays for Future Leipzig.
Wie lebt es sich mit einer nachgesagten Seheinschränkung? Ich treffe Maja, 10, und gehe mit ihr zu einem Basketballspiel mit Audiodeskription und wir funken zusammen im MDR Tweens Studio.
Tanzen bis zur Exstase ohne Zusatzstoffe wie geht das? radioeins wollte es wissen.
Warum meine Reise durch Asien zu den Conscious Communities kein Glanzbild war, welche crazy Sachen ich beobachtet habe, und warum ich am Ende Müll aufsammelte statt Yoga machte, hört ihr hier.
Ich stehe am lodernden Lagerfeuer einer prachtvollen Villa in Ubud, dem spirituellen Zentrums Balis oder der besser gesagt der Welt. Tantragöttinen, Yogis, Conscious Hustler, Weltenbummler und (Ex-) Promis treffen sich hier, um ein Leben zu führen, was erstmal einem Traum gleicht. Healing Cafes, Infinity Pools, Saunalandschaften in Reisfeldern, majestätische Villen…Ich habe das Gefühl in einem Film gelandet zu sein. Filmkulissen sind der Grund, warum so viele Menschen das Leben in Ubud lieben. Hier kann man spielen und muss ausblenden.
Heute spielen wir mit dem Feuer. Es ist die monatliche Full Moon Party. Ein Expat, der sich nach einem hinduistischen Gott benannt hat, ist der Feuermeister. Er sieht aus wie eine Mischung aus Rocky und einem Hippie, der gerade aus einer Höhle Indiens gekrochen ist. Er hat eine Krawatte um seinen Kopf und um seine Schultern gebunden, auf seiner Stirn thront ein roter Punkt. Eine Tika, das Segenszeichen der Hindus. Nachdem sein Helfer uns abgeräuchtert hat, um unsere schlechten Energien zu verjagen – bad vibes sind im Paradies nicht willkommen – bekommen wir nach und nach auch so eine Tika an unsere Stirn geparkt. In der tantrischen Richtung steht die Variante für Kraft. Sie schützt das dritte Auge, unser Energiezentrum.In der Eventeinladung auf Facebook steht, dass wir heute Abend unseren Spirit befreien sollen und unsere Talente ausdrücken. Aha. Gotts Helfer postet auf Instagram eins seiner Talente:„I can teach you to live like a king“. Auf dem dazugehörigen Foto sitzt er lasziv auf einem der luxuriösen Canapes. Ja man kann mit wenig Geld in Bali einen auf dicken Mäkkes machen und seine Passionen ausleben als Tantratarzan, Lebenscoach, Lebenskünstler jeglicher Art oder Influencer, dessen Aufgabe es ist, sich im Paradies auf Instagram in Szene zu setzen und perfekte Glanzbilder in die sozialen Netzwerke raus zu senden.
Damit wir lockerer werden, bekommen wir einen dickflüssigen Kakao gereicht. Dann laufen wir Händchenhaltend ums Feuer. Mit Menschen, die unsere brothers und sisters sind machen wir Augenkontakt und atmen dann nach einem bestimmten Rhythmus. Alles okay soweit. Ich habe auf meiner bisherigen Reise gelernt, dass Connection für uns Menschen wichtig ist. Natürlich ist das nicht leicht, auf fremde Personen zuzugehen, aber darum geht es ja, zu erkennen, dass wir alle Menschen sind und die meisten sich nach mehr Connection sehen. Also lasse ich mich ein. Beim Feiern in Clubs sind wir ja auch nach dem dritten Getränk offen und sprechen mit fremden Menschen oder stellen andere Dinge mit ihnen an. Hier braucht man nur ein Feuer, einen Kakao, ein paar gut gemeinte Floskeln und das Ausblenden von greifbaren Realitäten. Am Ende der Zeremonie fordert Gott uns auf, der Welt etwas zu wünschen. Einer nach dem anderen kommt ans Mikrofon: Man wünscht Liebe für alle. Frieden für alle. Ein junges Mädel wünscht sich, dass die ganze Welt Ubud ist und alle Menschen die Chance bekommen Healingwork wie am Fliessband zu machen. Dann wird noch der kränkelnden Natur gute Besserung gewünscht und man bläst die wishes into the holy fire.
Mein ganzer Körper fängt an zu zittern vor Wut. Denn seit ich in Ubud bin, höre ich immer wieder Floskeln und Wünsche für die Welt und sehe kaum Taten. Seit Wochen packe ich immer wieder Mal bei Trash Hero mit an. Freiwillige Helfer treffen sich einmal die Woche und räumen Müll weg. Der liegt überall herum, weil es kein reguläres Müllsystem gibt. Für uns in Deutschland kaum vorstellbar. Weil die Conscious Community ständig von ihrer Liebe zu Mutter Natur spricht, wundere ich mich, dass keiner zu den wöchentlichen Aufräumaktionen kommt, wo doch an den Strassenrändern so viel Müll herum liegt. Als ich zur Villa fuhr vorbei an Reisfeldern, verschlug es mir die Sprache. Zentimeterhohe Müllberge. Zwischen den Palmen, hinter den Warungs, den balinesischen Restaurants, Plastikmüll soweit das Augen reicht. An den Reisfeldern lümmeln Styroporboxen mit Pommes Ketchup Resten drin, Kühe versuchen die zu essen, also das Plastik und Styroporzeugs.
Die Bäche sind voll mit gefüllten Plastiktüten, was man littering nennt, einfach reinwerfen. Ein Balinese steht knietief im Wasser und versucht den Bach von Plastiktüten zu befreien, die sich ineinander verknotet haben wie ein Cuddle Puddle. Der Balinese gehört vielleicht mit zu den Menschen, die nicht wissen, wie schädlich Plastik ist. Aber wir Westler wissen es und fahren jeden Tag auf Bali dran vorbei. Ich jetzt erstmal auch, denn ich muss ja zur Full Moon Party.
Am Feuer werden wir aufgefordert den heiligen Rhythmus unseres Lebens zu tanzen und Gott sagt zu uns, dass wir mit unserer Anwesenheit Gleichheit und Balance in die Welt bringen. Ich stimme ihm damit so gar nicht zu. Wir sind nämlich zu viel(e) hier auf Bali. Bali bebt. Über fünf Millionen Touristen wollen ein Stück vom Paradies jedes Jahr und hinterlassen Berge an Müll. Wie bekommt man da mehr Bewusstsein rein? Ich erinnere mich an den grossen World Clean Up Day, der im September war. Auf Bali trafen Trash Hero und andere Organisationen sich an 12 Orten, einer davon war Ubud. Im Vorfeld wurde in den sozialen Netzwerken eingeladen mitzumachen auch in der Conscious Community Gruppe. Als ich morgens um sieben Uhr beim Treffpunkt ankam, ein Sportplatz im Zentrum Ubuds, standen vor mir mehrere hundert Balinesen. Aus den Lautsprechern lief laute Popmusik, alle machten zusammen Aufwärmübungen. Wir räumten auf, danach sprach ich mit dem Balinesen Gusfl Wedagama. Er ist Kunstlehrer und war mit seiner Klasse am Start. Wir gingen in ein einfaches Cafe, den Balicoffee konnte er sich aber nicht leisten. Ich zahlte gerne für uns beide. Er erklärte mir, dass die Götter keinen Plastik mögen. Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich so viel Zusammenhalt und Power an diesem Morgen bei den Balinesen sah und Tränen in den Augen, weil niemand aus der Conscious Community zu sehen war, die doch Mother Nature so sehr liebt, die den Balinesen so dankbar ist hier jeden Tag so ein schönes göttliches Leben führen zu dürfen mit den ganzen Tag im Healing Cafe abhängen bei Love Bowls und Spirulina Smoothies und am Laptop arbeiten. Bali hat zwei Blasen. Balinesen & Touris/Expats. Sie finden kaum zusammen, hier wäre es eine Gelegenheit gewesen.
Nach der Aufräumaktion ging ich zum Workshop „Authentic Relating” – hier lernt man zu sagen, was wirklich Sache ist. Um 10 Uhr morgens ging es los. Als ich ankam, sollten wir uns vorstellen und beschreiben wie es uns geht. Ich war euphorisch und erzählte knallwach und happy von meinen Erlebnissen. Einer der Teilnehmer sagte zu mir: „Danke, dass du den Müll wegräumst, ich mache keinen Müll!“. Vor mir ein Yogalehrer, der wie ein Säugling auf seinem Bauch lümmelte. Mit Schlafzimmerblick linste er in die Runde und redete ganz laaaangsam. Dass er vor 30 Minuten aufgewacht ist und dass sein kleiner Zeh immer noch schläft, seine rechte Hand dagegen schon aktiv ist und er aber noch etwas Zeit zum Ankommen braucht. Ich finde es nicht schlecht, in sich Hineinzuhorchen und bewusster zu werden– aber das, was ich in Ubud erlebe, gleicht einem Theaterstück. Eine Amerikanerin fing an zu weinen, aber so, als wenn sie gerade bei einem Casting mitmacht und auf Knopfdruck was passieren muss. Sie heulte mit ihrem ganzen Körper. Dann bekam der Workshop etwas von einer Werbeveranstaltung. Werbung für die eigene Person. Ich sass in einer Gruppe mit drei Leuten. Auf die Frage: „Was würde ich über dich wissen, wenn ich dich richtig kennen würde“ antwortete einer, dass er super gut beim KnickKnack ist, eine andere, dass sie besonders gut im Knipsen ist, es ist die Fotografin des Events, was 300 Dollar kostete. Meine Freundin, eine Deutsche, die reich an Lebenserfahrung ist, verliess daraufhin den Workshop. Ihr Part wurde ersetzt durch den Workshopleiter. Er war aber nicht bei der Sache, weil er schon beim nächsten Event in London war, dass gerade vermeldete ausverkauft zu sein. Er jubelte. Und weil es so geil lief für ihn, forderte er von uns, dass wir ihm Affirmationen sagen, so dass er sich noch geiler fühlen konnte. Er wollte so etwas hören wie: „Du bist einmalig, du bist erfolgreich, du bist der tollste Kerl…you can do it!“ Oh no, ich schämte mich anwesend zu sein. Nicht nur meine Freundin, die die Flucht ergriff, fand das Seminar nicht gut, sondern auch ein Tänzer aus Ubud, der sich immer wieder in den kurzen Pausen bei mir beschwerte, er würde keine Connection zu den Leuten hinbekommen. Beim Endkreis, wo jeder sagte, wie er das Wochenende fand, haute er tatsächlich raus, dass er voller Liebe ist und Dankbarkeit und sich über die neuen Connections sehr freut.“ Ja gut. Musste ich wohl was missverstanden haben..Nicht. Authentic Relating ist ein tolles Tool, es gibt auch kleinere Events in Ubud, die gut sind, in Indien habe ich damit auch wunderbare Erfahrungen gemacht. Aber hier an diesem Wochenende ist es einfach nur schal und schräg. Nach den zwei Tagen wundert es mich auch nicht, dass einige Teilnehmerinnen auf der Strasse an mir vorbei gehen ohne zu grüssen. Das ist Ubud. Wüssten sie, dass ich fürs Radio arbeite, dann würden sie ganz anders mit mir umgehen. Aber ich lasse diese Information oft aus, weil es auf dieser Reise darum geht, mich als Menschen kennenzulernen und nicht ständig den Angebermodus anzuknipsen wie es andere hier tun. Fast jeder hat was auf Youtube zu sagen, und immer ist alles so amazing.
Amazing wirkt die Bubble, die für Touristen und Expats in Bali kreiert wurde. Wenn zum Konzert in einem der prachtvollen Healing Cafes geladen wird, gibt es ein Schaulaufen, dass dem der Pariser Fashion Week gleicht. Man kann Star spielen, denn die Balinesen tun alles dafür, dass man sich so fühlt. Ich sass in den traumhaftesten Kulissen und habe in meiner Zeit auf Bali viel beobachtet. Ich sah hinter den lächelnden bedienenden Balinesischen Gesichtern viel Irritation: „Wie der Matcha Tee ist nicht grün genug?“
Das, was auf Bali passiert, ist moderner Kolonialismus. Es ist ein Spaziergang zwischen Reisfeldern, Tempeln, Beaches, Infinity Pools, Opening Parties, Kokosnüssen und Hängematten. Ich bin nicht die einzige, die das so sieht. Ich spreche mit DJ Kamau, der seit 14 Jahren in Bali lebt.

Er gehört zur Community und beschreibt wie die Stadt im Dschungel damals war. Ein ruhiger Ort für Kreative. Maler, Autoren, Tänzer lebten hier. Es war überschaubar, jeder kannte sich und war der balinesischen / indonesischen Sprache mächtig. Heute ist Ubud zwar immer noch kulturelles Zentrum Balis, aber vom Tourismus und von Expats überrollt: DJ Kamau sagt:
“People try to move to places where they can have a better life. Unfortunately for many people coming from Western nations relative to the other places of the world is a better life to go and live an extravagant life. I don’t say that there is anything wrong with that person, but it becomes a problem when you go and you exploit and you are going to a place and you are just buying things, invite your friends over and they buy stuff and you never really give anything to the place that you go to. And for me that is near colonialism. When you come in and you care less about the actual people and their situation and their daily life and you impose your way of life onto that place, that is near colonialism. Many people are doing that. And particularly now it is so easy to do that with the internet, many local speak English now, so you don’t even have to learn the language and you don’t have to interact with any Balinese people, except to pay a bill or something right? Yes it is near colonialism and exploitation and the island is suffering, because of that. A lot of the local people they want money, they believe they need money in order to do this and since banks are coming in and taking out loans they are in dept with bank and wanna make more money which causes more problems. And they wanna build more stuff which invites more people and pollute more rivers. It is a big snowball and it takes a lot of holistic education to go both ways between people who are coming in, because they are promoting people to come. Tourism is the biggest sector of the economy, so it is okay people to come in, but what are they coming to? Are they coming in appreciation for the culture to learn, to connect, to make barns, to support or to come to exploit to take take take? I say to people when you come and stay – what do you offer? Make true connection, friends and family, be in involved in a place you moved to. It is really important what do you have to offer. Every day the Balinese make offerings as part of the nature and the culture of this island. So people who come here what do you offer? What do you present what can be a benefit for the place not only in a financial way, but can benefit culturally here. And I don’t mean culturally trying to make them like you, but just giving something that can explain the awareness of the beauty they already have and how to keep that going and how to take that beauty that is already here into the future. As oppose to say you need to be like western society, or saying you just need to serve me, drive me to the temple, bring me my motorbike.”

Ich denke an Kadek. Ich lernte sie kennen, weil sie jeden Tag vor dem berühmten Yoga Ort steht. Sie ist 16 Jahre jung, geht zur Schule und nebenbei fährt sie Yoginis mit ihrem Scooter durch die Stadt. Das Geld braucht sie um ihren Traum zu verwirklichen. Sie möchte nach Amerika und dort als Kellnerin durchstarten. Damit könne sie ihre Familie stolz machen. Sie und ihre Familie finden, dass das ein guter Plan ist. Kadek fährt jeden Tag Moped und ich möchte von ihr wissen, wie sie behandelt wird. Ich erfahre von ihr, dass viele Ladies in Yogipants und Namasteshirts auf die harte Tour stehen: „They are not nice at all. They are rude to me”. Das schockiert mich. Das Verhalten ist das Gegenteil von der Yoga Philosophie mit Loving Kindness. „Loving kindness ist in Ubud eine Floskel“, sagt mir eine Frau, die schon viele Jahre hier lebt, „Jeder ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, mit seiner Heilung und mit Business machen, dass Loving Kindness hier kaum Platz habt“. Ich merke das auch in vielen Situationen. Statt Loving kindness kommen einem oft aufgeblasene Egos entgegen. Das sieht auch eine angesagte indonesische Yogalehrerin. Sie hat den Wandel in den letzten Jahren zu spüren bekommen. Während wir sprechen, drehen neben uns schon wieder einige Pocahontas Youtubevideos: „Hellooooo from Baliiiii, it is so amazing here!“. Sie erklärt mir: Yoga sei eine innere Reise und keine äussere, und warnt davor, dass alles in Ubud zur Show wird:
„You know in digital era, everything has become like Oh I wanna take a selfie, Oh I wanna get sweaty. Oh I wanna get this pose now, because I wanna put it in Instagram, because I wanna put it in Instagram, because I wanna people like my Instagram. It is really not in the ancient perception of yoga, it is just about an image.“
Es geht um das Image in Bali. Und so werkelt man eben im Aussen herum. Immer mehr Hotels werden errichtet und Villen gebaut. Am Surferort Canggu, der in den letzten Jahren übervoll wurde, protzen fette VIP Beachclubs am Meer, es gibt es Hotels, die im Balinesischen Charme errichtet sind, wo ein Zimmer pro Nacht 450 Euro kostet. In Ubud schlängeln sich in den Reisfeldern Resorts mit Zimmern ab 900 Euro die Nacht. Eine Luxusboutique reicht sich an die nächste und dazwischen fährt ein Balinese mit Süppchen herum für die Einheimischen. Er klingelt und hält an und am Gehweg isst man dann.
Daneben steht eine junge Balinesin in einer Swimwear Boutique. Die Klimaanlage ist auf Anschlag, sie niest und schaut leblos vor sich hin. Sie muss Bikinis verkaufen, die 100 Euro kosten. Das ist die Hälfte ihres Monatsgehalts. Eine alte Dame mit einem Handtuchturban auf dem Kopf, abgemagert und überfordert verkauft am Gehweg vor Starbucks Holzäffchen und Fächer gegen die Hitze.
Touris laufen mit elektrischen Handventilatoren und Plastikbechern gefüllt mit Latte to go an ihr vorbei. Geht die Balinesin nach der Arbeit nach Hause wartet auf sie in der Regel ein dunkler Raum, modrig und mit einer Matraze am Boden. Es gibt Expats, die helfen, wie gerade die Besitzer eines Eventhauses. Sie kauften balinesischen Kindern neue Matratzen. Das ist ein Anfang, etwas zurückzugeben und wenn es nur ein Minimum ist, etwas gegen Ungleichheit zu tun. Während die einen Matratzen spenden, denken die anderen schon wieder darüber nach noch mehr Disneylandfeeling für Expats nach Bali zu bringen. Ich bin auf einem Mantrakonzert in majestätischer Kulisse eines berühmten Sängers. Um uns herum puffriger Rasen und duftende Blumen. Nach dem Konzert verkündet dieser stolz, dass ein luxuriöser Teetempel errichtet werden wird für die Community zum Austausch bei Tee. Das mit dem Austausch ist ja nicht so einfach. Das muss man ja erstmal in Workshops lernen. Ich erinnere mich an eine Szene mit Gott. Ich traf ihn auf dem Weg zum Ecstatic Dance. Er fragte mich, wie es mir geht. Ich erlaubte mir nicht mit amaziiiiiiiiing zu antworten, sondern mit Achterbahn. Ob er das kenne, wenn die Befindlichkeit schwankt? Er so: „No, oh I forgot to buy some chocolat“. Und weg war er. Beim Tanzen stellte ich fest, dass die Musik an dem Morgen mich nicht catchte. Ich setzte mich neben meine Bekannte aus Amerika. Sie flüsterte mir zu, dass es ihr heute nicht gefällt. „Mir auch nicht, ist ja kein Beinbruch“, erwidertee ich. Nach dem Tanz fragte uns ein Coach für Herzensangelegenheiten, wie wir die Sause fanden. Sie so: „Amaziiiing!“ Ich gucke verwundert und sage: „Hmm, ich mochte die Musik heute nicht“. Er erschreckt sich über meine ehrliche Aussage. Die Amerikanerin versucht seinen Schock abzufangen und fragte ihn, ob er mit uns Mittagessen möchte. Er ruderte herum, dass er noch auf wen warte und es nicht ganz genau wisse… Wie gingen ohne ihn zum Buffet und dann konnte sie endlich erzählen, dass ihr der Tanz auch so gar nicht gefiel.
Es gibt in Ubud natürlich auch wunderbare, ehrliche, echte Menschen. Yogalehrer, Coaches und Künstler. Die sind aber eher leise. Wie auch der Maler Jati. Ich wohnte einen Monat in seinem Homestay, der an einem Stück Grünstreifen ist. Oben im Haus ist sein Atelier. Hier malt er seit 60 Jahren jeden Tag Frauen, Rehe und Natur. Er erzählte mir, dass er das Haus nicht mehr verlässt, da alles um ihn herum zubetoniert wird und er den Anblick nicht erträgt. Sein Sohn dagegen findet Tourismus toll. Er hat längst neben dem Homestay ein Cottage mit Pool eröffnet und liebäugelt damit den letzten Grünstreifen plattzumachen, um noch ein Hotel hinzustellen. Wir schauen auf das noch freie Stückchen grün. Hinter den Palmen schimmert ein Pool. Auf einer Mauer steht ein junger Tourist. Er macht eine Arschbombe ins Wasser und lässt sich von seinen Buddies dabei abfeiern. Jati sagt: „I am also sad to see, because grow up you know. Modern modern like this, you know, first it was not like this. It was ricefield. Now here everywhere is concrete. Hotel… Of course young men they like it like this. That is why I am just quiet.“

Ich musste Jatis Homestay verlassen, weil die Hochsaison begann und meine Monatsmiete auslief. Sein Sohn fragte mich nicht, ob ich bereit wäre mehr Geld pro Nacht zu zahlen, stattdessen behauptete er, seine Zimmer seien ausgebucht. Das stimmte nicht, jedoch verliess ich ohne Widerspruch den Homestay, um mir noch einen weiteren anzusehen. Hier war die Familienmutter immer auf Anschlag. Sie weinte. Gäste, die gebucht hatten, kamen nicht, weil sie festsassen auf einer anderen Insel. Es war wieder Sturm. Die Familie hat einen Kredit aufgenommen, für den Pool, wo vorher noch ein Fischteich war. Pool müsse sein, denn die Nachbarn haben längst einen und der würde mehr Gäste anziehen. Ich blieb hier zehn Tage. Nicht ein einziges Mal in dieser Zeit badete jemand im Pool. Bali ist voll mit Pools. Jede Popelvilla hat einen und das in einer Welt, wo Wasser endlich ist. 2025 werden geschätzt 9 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben und mit 40 Prozent des uns heute zur Verfügung stehenden Wassers auskommen müssen.

Lenica, die als Yogalehrerin ein beschauliches Leben in Amed führt, einen Ort, den ich wegen seiner Bescheidenheit noch empfehlen kann, sagt zu mir, dass so ein Luxus verboten werden sollte. Sie hat recht. Balis Lage ist brisant. Immer mehr Blogger, Digital Nomaden, Influencer und Lifecoaches leben hier und verbrauchen Ressourcen. Weil es auf Bali warm ist, laufen Klimaanlagen für die Westler auf Hochtouren und man duscht gerne drei Mal am Tag. Laut der Bloggerin Ute Kranz @bravebirdsblog verbraucht die Tourismuswirtschaft auf Bali 65 Prozent des auf der Insel verfügbaren Wassers. Der Tourismus nimmt den Bauern und ihren (Reis) feldern das Wasser weg. Reisfelder weichen Villen und Hotelanlagen. Die Bauern müssen dann irgendwie als Tourismussklaven überleben. Und z.B. in einer der Wahnsinnssaunalandschaften arbeiten. Hier sind Pools randvoll mit Rosenblüten gefüllt. Nebenan ist ein Bach, in dem sich Balinesen waschen. Als ich das sehe, verlasse ich die Sauna. 1,7 Millionen Balinesen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Eine angesagte Reisebloggerin mit Millionen Followern veröffentlicht ein Video, das Bali als das billigste Paradies auf Erden bewirbt. Sie fordert die ganze Welt auf herzukommen: „Come to Baliiiii!!!!!“ brüllt sie in die Kamera! – Hier geht es zum Video. Und damit zieht sie Peoples an, die just fun haben möchten und am besten kostenlos. Schön nackig Moped fahren, am Beach abhängen mit laut Mukke, einer Balinesin im Rücken, die für 5 Dollar rumknetet, während man einen Papayashake mit Plastikstrohhalmen einhaucht. Mich hat das fertig gemacht. Ich mischte mich in sozialen Netzwerken ein, bemerkte, dass Bali kein Wonderland ist und 1500 Menschen schrieben zurück, dass mehr Bewusstsein für die Natur Balis geschaffen werden muss. Bali ist verletzlich. Wenn immer mehr und mehr Horden dort einfallen, war es das mit dem Paradies. Der Mensch zerstört, was er entdeckt und liebt. Viele Balinesen bitten um Hilfe, dass der Tourismuswahnsinn mal runterkommt. Ich mutierte auch zum selbstgerechten borstigen Kaktus, der es auf Strohhalmtäter/-innen absah.
Am Strand von Canggu, wo die Partymeute abhängt, sammelte ich mit Trash Hero zusammen in zwei Stunden 300 Kilogramm Müll auf. Als ich nach dem Clean Up mit einem Tauchlehrer Pommes ass, schimpfte er auf die Welt, auf die, die nicht mithelfen, die unachtsam Bali bereisen, auf mich und auch ihn, weil wir auch da sind und mit den Moped zum Clean Up gekommen sind, was auch wieder der Umwelt schadet. Wir alle seien zu viel für das Ökosystem Balis und das unserer Erde. Ich bin ratlos und oft nur noch fertig. Wir sind alle schuldig. Scheiss Plastik.

Dann entdeckte ich das Buch “The world we have – a buddhist approach to peace and ecology” von dem vietnamesischen Mönch Thich Nhat Hanh. Er schreibt, dass es schwer ist nicht zu verzweifeln, dass man es aber schaffen muss friedlich zu bleiben. Immer. Auch wenn vor einem vollgeschissene Babywindeln, Flip Flops und Zahnapastatuben am Strand rumliegen. In Canggu ist die Trash Hero Bewegung aktiv. In Ubud fehlt es wie schon erwähnt an Leuten, die mit anpacken. Hier halten zwei Balinesinnen die Stange. Ich habe immer wieder mal eingeladen am Ende von Events wenn man andere Events ankündigen darf. Das Free Event gemeinsam Müll aufzusammeln, sorgt für Knitterfalten in den Gesichtern der Tantradancer. Und während ich urteile, gestehe ich, dass auch ich zwei Monate lang nicht mit aufgeräumt habe. Warum? Weil mich der Anblick von all dem Theater gelähmt hat. Ich sass schlecht gelaunt und, ja, genauso egozentrisch, wie die, die ich kritisiere, unter meiner Palme. Thich Nhat Hanh schreibt: „We have to heal ourselves first, before we can heal the planet”. Dazu gehört auch Mitgefühl zu haben mit dem Scheiss, den wir alle fabrizieren. Meinen Zeigefinger und meine Wut kann ich mir sonst wo hinschieben. Ich frage mich: „Was sagen unsere innere Landschaften über die äusseren aus?“. Mir geht ein Licht auf: In Ubud kommen viele zur Heilung. Sie sind damit beschäftigt ihre inneren Landschaften aufzuräumen. Bei Menschen, die nur wenige Wochen da sind verstehe ich, dass sie keinen Sinn für echten Müll haben. Aber die, die schon so lange auf Bali leben und längst andere coachen und heilen wollen, die könnten doch mal mit anpacken. Denn sie müssten doch inzwischen besser connected zu sich selbst sein und somit auch zu den Mitmenschen und der Umwelt. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das mitanpacken Freude bringt. Es bringt einen aus dem Selbstoptimierungswahn raus, und aus dem Egozentrismus, der ungesund werden kann. Das sehe ich an westliche „Heilerinnen“, die immer wieder hinter mir herrennen und mir ein Retreat nach dem nächsten aufschwatzen wollen, dabei aber selber aussehen als müssten sie dringend zur Kur. Nein Leute, ehrlich: Das Leben ist kein Retreat!

Ich nehme beim Jahrestreffen von Trash Hero teil. Die Königsfamilie von Ubud empfängt uns. Der König hält eine Rede, droppt dabei Sätze in sechs Sprachen und sagt auf deutsch zu mir: „Das nächste Mal wenn du kommst, ist Bali ohne Plastik“, er ergänzt auf englisch: „I am very proud with the movement with Trash Hero international. I mean, we need certain people to move and to motivate, because we are scared that the world could be covered soon by plastic by stuff that cannot be recycelt, in the sea we could not see – under the water it is full of trash, so sad. In the nature, we can see it and we can clean it, but we need to educate people, sometimes trash just moves along the street and there is plasticbag moving around because of the wind you know I try to motivate: Why don’t you take it, why don’t you collect it?“ Danach setzte er erste Plastikverbote durch. Keine Plastiktüten mehr und die Coachingfamilie, die im selben Guesthouse wie ich in Canggu wohnte, bekommt ab sofort ihr drei Mal am Tag angeliefertes Essen bestehend aus Pancakes, Melone und einem Ketchuptütchen, das immer ungeöffnet im Müll landet, nicht mehr in den weissen Styroporboxen. Vielleicht kommt sie ja mal auf die Idee selbst etwas in der schicken neuen Küche des Guesthouses zuzubereiten, schliesslich ist sie Ernährungscoachin.
Als ich die Strasse zur prachtvollen Villa in Ubud entlang fuhr war ich sprachlos über die Menge des Mülls. Er glich einem Rosenmontagszug, der gewütet hatte. Stunden später am Feuer finde ich meine Worte wieder. Ich stelle mich auch in den Kreis und erzähle, was ich sah und lade alle ein Mama Bali aufzuräumen. „Wenn ihr Bali so liebt, dann lasst uns aktiv werden und mit Trash Hero einen Clean up auf der Strasse zur Villa veranstalten“. Alle brüllen den Schlachtruf JAYA!, was soviel bedeutet wie JAWOHL! Dann geht es rüber zum Ecstatic Dance. Eine Woche später ist es soweit. Ein Clean Up. Keiner erscheint…. Zu viel Müll.
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Manche bezeichnen Ecstatic Dance als das neue Yoga. Fakt ist: Es ist eine verdammt gute Party mit exzellenten DJ Sets, zu denen man ohne Alk, ohne Zigaretten ohne Drogen, ohne Sabbeln, ohne Phone und ohne Schuhe danct. Ich teste Ecstatic Dance weltweit. Ich war in Goa beim Ecstatic Dance Festival, tanzte in Leipzig im kleinen Yogastudio und bin regelmässig in Ubud auf Bali dabei, wo das Event im Yoga Barn immer ausverkauft ist und man lange anstehen muss. Warum sich das lohnt und was Ecstatic Dance kann, erzählte ich bei WDR COSMO.
Sí Sí Sí … Jessica Walker ruft dieses Ja Ja Ja so begeistert, wie wenn gerade das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft fällt. Sie kuckt dabei mit weit aufgerissenen Augen, eine Hand geht zum Himmel, es ist ihre Reaktion auf das, was gerade vor ihr passiert. Jemand erzählt etwas über sich selbst, mal laut mal leise, pausierend und dann radikal offen.

Jessica ist vieles, vor allem ist sie Theaterschauspielerin und Regisseurin. Vor fast 20 Jahren gründete sie in Barcelona die „Laboratorio Escuela“ eine Schule für experimentelles Theater. Hier erforschen sie Körper, Geist und Beziehungen. Das machen sie auch einmal im Jahr in Indien mit dem Soulfest – Arunachala Bhakti Lab in einem kleinen familiären Ashram „Sri Anantha Niketan“. Er ist umgeben von sattgrünen Feldern, in denen Schmetterlingsschwärme wild umherflattern und sich durch keine Laune gestört fühlen – hier sind alle Gefühle herzlich willkommen.

Im Hintergrund macht sich der berühmte heilige Arunachala Berg breit. Er gilt als Manifestation von Shiva, einer der Hauptgötter des Hinduismus, der auch als Zerstörer des Ego gilt. Das Ego, was im Yoga als die Ursache für Angst und Kopfmist ist. Das uns dazu bringt lieber unglücklich zu bleiben, statt was zu wagen, das uns vorgaukelt lieber ein Leben lang die beschilderte Hauptstrasse entlang zu zuckeln statt mal einen Weg einzuschlagen, der ins Ungewisse führt. Tiruvannamalai ist wegen Shiva Pilgerstadt und wegen Ramana Maharsi, dem Guru, der dort 17 Jahre lang in einer Höhle meditierte und sich fragte: WER BIN ICH?
Also wer bin ich ohne mein Ego: Ohne meinen Job, meine Karre, mein Haus, meine Klamotten, meinen geilen Body, wer bin ich ohne Plattenvertrag, ohne Kohle, ohne zehntausend Instagramfollower, ohne Facebooklikes, ohne Freunde, ohne Partner, ohne Familie? Was bleibt da übrig? Ich stelle mir diese Frage öfters auf der Reise, weil ich ja alleine durch die Welt tingle und temporär ohne Wohnung und Job bin. Also gefühlt nackt. Ich merke wie mein Ego zittert und schnaubt und es oft nicht lustig findet, immer wieder fernes Neuland zu betreten.

Vom Soulfest erfuhr ich in Goa. Da hatte ich schon gut an meinen Ängsten auf dem Ecstatic Dance Festival geschraubt. Der Veranstalter sagte zu mir: „Oh du findest es beim Ecstatic Dance Festival krass, dann geh mal zu Jessica Walker, da geht es ans Eingemachte!“. Und weil ich seit einigen Jahren auf Eingemachtes stehe, wagte ich mich dorthin. Zum Glück warteten weder Esoschischi noch Exzesse auf mich – denn mit beidem kann ich nichts anfangen. Das Soulfest ist ein Spielplatz, bei dem wir uns trauen dürfen uns zu zeigen, wie wir sind. Mehr nicht. Weniger auch nicht.
Am ersten Tag geht es direkt los mit wem Fremden zu tanzen – improvisiert. Ich fühle mich wieder wie mit 14 als ich lieber auf den Boden schaute und nur alleine im Zimmer die Musik aufdrehte. Etwas Scham quetscht sich dazu, aber sie vergeht nach einigen Minuten. Ich merke, wie steif wir als Erwachsene unterwegs sein können, als Kinder rennen wir noch völlig unbedarft auf andere zu und machen wonach uns ist, als Erwachsene schämen wir uns, sind blockiert und müssen uns erstmal Alkohol oder sonstige Mittelchen einverleiben, um locker zu werden. Wir haben Angst davor uns zu blamieren, davor, was die anderen über uns denken könnten. Deswegen schiebt unser Ego lieber einen Vorhang vor unseren Gefühlen, Impulsen und Wünschen statt uns ehrlich sein zu lassen, was wir gerade sind. So ein Spassverderber – und dann verklemmt in der Ecke stehen und auf die Frage „Wie geht’s Dir?“ Ein „Guuuut!“ antworten und vom verkniffenen Mund verraten zu werden, wie es wirklich geht. Scheisse.

Das soll jetzt keine Aufforderung sein, dass wir jedem sagen sollen, was wir fühlen und wie wir uns dabei fühlen… beim Soulfest rennen wir auch nicht rum und binden jedem auf die Nase, dass man gerade eine Wassermelone im Hals stecken hat, aber in einigen Momenten ist Platz: da können wir was sagen oder performen. Sí Sí Sí … Jessica ist immer voll angeknipst und hört zu, alle anderen auch, und oft erkennt man sich selbst wieder durch Empathie. Wir sind schliesslich alle Menschen mit einen Farbkasten an Gefühlen. Bei mehr und mehr Menschen hat der Gefühlskompass aber Wackelkontakt oder ist völlig Schrott. Casper singt in dem Song Keine Angst „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl.“ Durch Schiss vor „negativen“ Gefühlen wie Angst werden sie verdrängt und das Innenleben zu einem dezenten grau glattgebügelt. Wer nicht checkt, dass Neid, Scham, Trauer, Wut und Angst zum Leben dazugehören und gefühlt werden müssen, darf sich nicht wundern, dass auch irgendwann Happy Moments ausbleiben. Freude ohne Trauer ist nicht möglich. Erst heulen, dann lachen wunderbar.

Beim Soulfest geht es um Verbindung zu uns selbst und zu den anderen. Und um Ehrlichkeit. Den anderen nichts vormachen. Am Anfang urteile ich über die anderen Teilnehmer wie ich es auch in Goa gemacht hatte. Und wieder merke ich bei näheren Gesprächen, dass niemand so ist, wie ich dachte. Schon in Goa sass ein vermeintlicher Happy-Sunnyboy vor mir, der meiner Meinung nach selbstbewusst beim Tanzen war und ein Frauenheld. Es kam raus, dass Tanzen ihn total verunsicherte und was Liebe angeht, schwamm er in Kummer. Weil er sich selbst eine Zeit lang nicht ausstehen konnte, hatte er seine Ex-Freundin vergrault. Das sind drei Jahre her. Es gibt kein Zurück. Er liebt sie immer noch und will keine andere. Während er mir das alles erzählt, weint er Rotz und Wasser. Ich bin berührt von so viel Ehrlichkeit und finde das richtig stark. Beim Soulfest passieren ähnliche Dinge. Männer erzählen, wie sie Frauen sehen, dass sie Angst haben, vor Beziehungen vor sich selbst, nicht wissen wie sie das zusammen bekommen sollen – die Partnerin als beste Freundin, Mutter, Liebhaberin – das sind ja drei Dinge auf einmal und oft zwei Dinge zuviel. Frauen erzählen, dass sie gemocht werden wollen und dafür auch mal vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Es kommt heraus, dass fast alle Angst vor Ablehnung haben, nur gehen wir unterschiedlich damit um. Authentisch zu kommunizieren, also zu sagen was Sache ist, ist für viele schwer. Das braucht Mut, nicht jeder hat ihn bzw. ich behaupte: nicht jeder möchte sich die Mühe machen ihn aufzubringen. Einige ziehen sich zurück, andere wählen Auswege. Sie fangen an anderen etwas vorspielen. Das wird dann gerade in romantischen Geflechten schwierig, weil das ja der Ort sein soll für Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Und dazu gehören auch Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. Ich selbst habe eine fast zehnjährige Beziehung geführt, in der es nur drei Mal Streit gab, zwei Mal davon wegen Nudeln und Pizza. Das ist lange her und aus heutiger Sicht weiss ich, dass hier stark was im Argen lag. Hinter dem Nudel- und Pizzaberg steckten viele Gefühle, die nicht kommuniziert wurden, und die in erster Linie nichts mit Nudeln und Pizza zu tun hatten. Damals hatte ich keine Ahnung von all dem, ich war wohl selbst konfliktscheu. Am Ende stand ich da mit einem zerfetzten Herzen, das nachhaltig klarkommen musste mit: Liebesschwüre bis zur letzten Sekunde treffen auf Täuschen, Lügen und Betrügen…
Warum ich das so offen schreibe? Weil auch das zum Leben dazugehört. Und weil solche Geschichten immer mehr werden. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass Hollywood in unsere alltäglichen Leben eingezogen ist mit dem Drama von einstürzenden Kartenhäusern, stillen Abgängen und heimlichem Davonschleichen. Im Epilog erklingt dann manchmal noch ein Satz nach: „Ich liebte dich so sehr, deswegen konnte ich dir die Wahrheit nicht sagen.“ Unehrlichkeit, Lügen und Betrügen geschehen niemals aus Liebe, weder zu sich selbst noch zu anderen. Sie entstehen aus Angst und Feigheit, sind egogesteuert und damit das Gegenteil von Liebe.
All das hinterlässt nur Verletzungen, die sehr tief sind und sich wie eine Schneelawine fortsetzen können. Denn der, der aus Angst vom anderen betrogen wurde, hat nun auch Angst und aus Angst wieder so verletzt zu werden, wird er/sie vielleicht das nächste Mal selbst zum angstbesoffenen Betrüger-/in….oder man wird mit seiner neu erworbenen Angst vom anderen Angsthasen als uncool abgestempelt. Und so entsteht all der irre Gefühlszirkus, der nicht nur hippe Grossstädte überflutet, sondern längst auch in die Keller der Kleinstädte gezogen ist. Oder in die Kleingärten. Bevor ich auf meine Reise ging, steckte ich plötzlich wortwörtlich wieder in einem Garten des Irrsinns, der so gar nicht von mir verursacht wurde, sondern von jemand, der behauptet er sei abgestumpft – ein abgestumpfter Angsthase, der dieses „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl“ leierte…für ihn ein angeblicher Freifahrtschein für Lügen und Betrügen, mal wieder. Blitzschnell habe ich mich vom Acker gemacht. Ich bin ausgestiegen aus all dem für eine Zeit, denn mein Mitgefühl für all die Angst-Games ist fast leergelaufen, mein Tränenreservoir dagegen nicht.
Auf dem Festival hören wir jeden Tag das buddhistische Mantra Om Mani Padme Hum, es steht für Mitgefühl. Ich habe mal wieder literweise Pippi in den Augen und frage mich, ob es nicht mal langsam gut ist mit dem Rumheulen. Jessica spricht davon, dass gerade romantische Beziehungen immer bis zu einem gewissen Grad toxisch sind. Nicht nur, weil es für viele schwer ist, authentisch zu sein, sondern auch, weil es für viele schwer ist bei sich zu bleiben: sie stecken in Beziehungen wie Verhungernde – statt ein Stück Schokolade will man die ganze Tafel. Der andere soll einen satt machen mit Glück und Geborgenheit im Bauch. Ein Trugschluss.
Wir liegen abends beim Sonnenuntergang im Gras über uns Schwärme mit indischen Königslibellen. Die Flattertiere wirken wie bestellt. Jessica Walker säuselt: „Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ Wir werden geboren, wir wachsen, wir entwickeln uns, um zu sterben.”
Es wäre schade, zu sterben und dann nur ein Leben geführt zu haben, wo wir den anderen und uns selbst etwas vorgemacht haben. Wir verrotten in der Erde und unsere Angst sitzt vollgefressen auf dem Sofa. Jessica macht uns klar, wie wichtig loslassen ist. Unsere Ängste, unsere Geschichten, unser Denken über uns selbst. „Actualizate!“ – „Update dich“ fordert sie auf. „Zweifel nicht das du dies und das nicht kannst, jeder Moment ist neu, eine neue Chance für dich. Gerade wenn du nach einem Herzbruchwalzer die Scherben alleine aufsammeln musst, ist es wichtig, das diszipliniert und sorgfältig zu tun, dabei kreativ zu werden. „Ohne Heimat keine Reise“ sage ich da immer. Erstmal in seinem eigenen Beet rumbuddeln und sich die Hände dreckig machen, bis es anfängt zu blühen. Dann muss man auch nicht beim Garten des Anderen betteln oder klauen gehen.
Jessica selbst ist diesen Weg gegangen und hat ihre Energie genutzt ein Blumenmeer wachsen zu lassen. Ey so kitschig das klingt, nur so besteht eine aufrichtige Chance einen Gemeinschaftsgarten zu eröffnen, ohne Angst und ohne Anhaftung. Eine einfache Kiste und für viele von uns erst einmal ein steinharter Weg, der vielleicht niemals endet. Aber der Weg ist das Ziel und dabei nicht vergessen immer wieder auf aktualisieren zu drücken:-)

Weil Jessica mich so begeistert hat, sprach ich spontan mit ihr nach dem Festival. Auf englisch und spanisch, beide Versionen findet ihr hier. Danke an Camilo Zaffora, Radiokollege aus Argentinien, der mir mit den beiden Sprachen half und der mit Jessica das Festival organisiert. Wer das Gespräch auf deutsch möchte, meldet sich gerne bei mir.
Mucho Love, Yvi

INTERVIEW mit JESSICA WALKER
Yvi: It happened to me that I met you in this place and you are talking about relationships for one week. Relationship is the essence of life, no?
Jessica: Relationships is everything. Everything in this dream. I am committed to spirit, that motivates me to walk the path of relationships. How to improve our quality of life? Our love for ourselves? And for silence. How to lead a relationship with the essential.
Yvi: I have the feeling when I talk to my friends or to my family that relationships give you a lot of pain.
Jessica: It is a game, the game of where do you put your eyes. We put pain, where there is no pain, guilt where there is no guilt, or envy, or violence, our mind is lost, distracted, sick, it is very easy to lose ourselves there.
Yvi: So I cannot lose myself when my exboyfried cheated on me in a very sick way?
Jessica: Yes, we can lose ourselves, but the question is how long and how much time you want to keep yourself there. And the definition of it is toxic.
Yvi: Why?
Jessica: Because we talk about princess and the prince on the white horse, that saves your life. We search for someone that saves our lifes. We think: “If you are not with me, I will kill myself. Or I kill you”. It is an antigue system of possession.
Yvi: I remember you said, CREAR – after a heartbreak start to create something. It is not sufficient getting up, having breakfast and going to work. When I had a broken heart I started to smoke, I drank beer, I just worked and I stayed in bed when I did not work, now you come and say create.. so how?
Jessica: Create is the prayer of the spirit of god. Create es un walk, a path, a dimension of healing, impressive for us human beings. It is the way to come back home. It is a way to not stay in the toxic. Create saves us from the toxic. It raises our vibration, it changes our color, it invites us to become new, it makes us to want to live. To be connected with life, creation is life.
Yvi: And when you are damaged it is work. You really have to work on yourself.
Jessica: A lot, but with compassion, in a loving way, with patience, you give yourself time, space, it is a rebuilding of your core-self that is broken. When somebodys heart is broken, you don’t have many tools, the connection with the big mystery gets lost. We lose it like our confidence, the trust, the path, we don’t know where to go, we are lost without a direction. If you don’t have a committed training, it is very complex. To get up and to create. Because everything transforms in sadness. In pain, in abandonment. I abandon myself, so I can’t. I ask for help, help from a cigarette, from a beer…… You have to take care with this kind of helps, because they can become an addiction. For the same depression you are in. For the crisis, the crisis is huge, everything that balances me is broken, my balance is broken. „Where do I go? I don’t know.“ So I hide behind a cigarette, a beer, in a bed, I look for pleasure, I try to get some pleasures around.
Yvi: When I see you teaching and talking, I can feel that what you are talking about is 100 percent experienced by you. You also had pain, how did you get yourself out of it?
Jessica: It is the practice. Without practice we go nowhere. That is reality. I have a practice. Since long time I do meditation. A very old one and I am very committed to it. And this practice gives me the strength to do everything I do.
Yvi: And you do a lot and it feels so light. Friends asking me what can I do, I have to work on myself so hard, I also felt this with myself and then you drop the sentence: „Make it easy“.
Jessica: The more simple the better. Because real love is simple. Real love helps, real love puts things in their proper place, it is a path and it is simple. And you can realize, because it is simple. So the class is simple. The more simple the more you and me can meet. The more we can see each other. And unite. It is not conceptual, we are not gonna learn much in a conceptual way. We can learn concepts, but we are not gonna learn life. Is through experience.. that your heart is touched.
Yvi: In this week of Arunachala Bhakti Lab I was reminded of a radio programme in Spain. They had one category it was called “La ciudad invisible” on radio 3. It is a place of peace, connection and love. This place here is for me the invisible city. How was it for you – being one week here and working with people?
Jessica: Imagine wonderful. Precious. A gift. It is very simple. I am committed with god and with love. I share with you what I have. I don’t keep anything. It is vivid and warm, we try to listen and we try to see what it is and not fooling ourselves.
Yvi: How long will you do Arunachala Bhakti Lab?
Jessica: I hope until we are old and until we die.
Yvi: And why here?
Jessica: Arunachala was a call. And he wants us to be happy.
Yvi: So let’s try.
Jessica: Sí Sí Sí.
El entrevista en ESPAÑOL
Yvi: Salí de viaje por un año. Me pasa que te encuentro en este lugar. No sabía nada de tí, estaba buscando tanto como repararme a mimisma. He intentado con muchas cosas, hacer yoga, viajar sola. Y no quería hablar más de relaciones y vengo aca y tu estás hablando de relaciones por una semana. Las relaciones es como la essencia en la vida, no?
Jessica: Las relaciones es todo. Es todo en este sueño. Yo soy una comprometida con el espíritu. Esto me motiva a caminar el camino de las relaciones. De como mejorar nuestra calidad de vida. Como mejorar nuestro cariño por el planeta. Nuesto cariño por nosotros mismos.Y por el silencio. Una corespondecia por la naturaleza, una corespondencia sencilla con lo essencial.
Yvi: Tengo la sensación de cuando hablo con mis amigos o mi familia que las relaciones te pueden dar mucho dolor.
Jessica: Es el juego, claro. Es el juego á donde pongas la mirada. Nosotros ponemos dolor, donde no hay dolor, culpa donde no hay culpa o envidia, o violencia, nuestra mente esta perdida, esta distraida, esta enferma, es muy fácil perdernos ahí.
Yvi: Es que yo no me puedo perder en el hecho de que mi exnovio me engaño en una manera muy mala?
Jessica: Claro que nos podemos perdernos, el tema es hasta cuando perderte y sobre todo nostostro metermos en este código del amor romántico que la definición es bastante tóxica.
Yvi: Porqué?
Jessica: Porqué hablamos de princessa, de principe en caballo azúl, te voy a salvar la vida, estamos buscando á alguien, para que nos salve la vida. Tenemos un ideal de „Sí no estas conmigo, me mato, te voy a matar”, un sistema possesivo antiguo. Un sistema de ser nos hemos perdido el centro que nos hacen perder energía, que nos hacen perder, ser coherentes.
Yvi: Cuando experimentas algo que se siente como un naufragio, me recuerdo el primer día has dicho ponte crear. Es no suficiente de levantarte e ir a trabajo …cuando yo tenia el corazón roto empezo a fumar, he tomado cerveza, solo trabajo y me he quedado en la cama cuando no estaba trabajando y tu me dices crea! Como?
Jessica: Crear es el camino, es una dimension de sanación impressionante para nosotros los humanos. Es la manera de volver à casa. Es la manera de no quedarnos en lo tóxico. Crear nos salva de lo tóxico. Crear nos eleva la vibración, crear nos cambia el color, crear nos invita a ser de nuevo. A querer vivir. Crear esta conectado con la vida. Crear es vivir.
Yvi: Cuando estas dañado, hay que trabajar en uno miso.
Jessica: Muchissimo, pero de una manera compasiva. De una manera cariñosa, con mucha patiencia, si te emoras, te emorars, te das espacio, te das espacio. Es una reconstrucion con el nucleo interno. Se ha roto la conneción con díos. Cuando uno le rompen el corazón, la connecion con el gran misterio se pierde. Uno lo pierdo como la confianza, como el camino, no sabe donde ir, esta completamente perdida y si no tienes un entrainamiento comprometido es muy complejo. Es muy complejo levantarse y poder crear. Por que todo se transforma en una tristeza, en un dolor, en un abandono. “Me abandono. Por lo tanto, no puedo.” Tengo que pedir ayuda, fumar es un ayuda, tomar una cerveza es un ayuda, entonces simplemente hay que tener un poco de cuidado con estas ayudas, porque que no se puedan transformar en una adicción, por la misma depression, por la misma crisis, la crisis es tremendo, es como el rompimiento de todo lo que me equilibra, se rompe mi equilibrio. “A donde voy? No se, donde ir.” Por lo tanto me escondo. Detrás un cigarro detrás una cerceza, detrás una cama, busco placer.
Yvi: Cuando te veo enseñar y hablar, puedo sentir de lo que hablas es cien porciento sentido por tí, experiementado por ti. Tambien tuviste dolor, como te levas tu cuando tienes dolor?
Jessica: Es la practica, sin practica no nos vamos en ninguna parte, es una realidad, simplemente tengo una practica de meditacion muy antigua hace mucho tiempo. Con la cual estoy muy comprometida. Y esa practica me da la fuerza para hacer todo.
Yvi: Haces muchissimo y todo el tiempo se siente como liviano. Amigos me preguntan „que puedo hacer? Tengo que trabajar en mi misma tan duro“. Yo tambien sentio lo mismo, yo senti lo mismo de hay que trabajr mucho en mi misma, y tu dices, hazlo fácil, hazlo simple!
Jessica: Es que le mas simple mejor. Porque el amor verdadero is simple. El amor verdadero ayuda, en el amor verdadero colocan sus cosas en su lugar, es un camino. Y es sencillo. Y te puedes dar cuenta de que es sencillo. Por lo tanto una clase sencilla. Entre más sencilla más podemos encontranos tu y yo. Más podemos vernos, unirnos. No es conceptual, no vamos a aprender mucho conceptualmente. Podemos aprender conceptos, pero no vamos a aprende. Es a través la experiencia, de que tu corazón se tocado.
Yvi: En esta semana del festival se me recordo un programa de radio en España de radio 3 que se llama la ciudad invisible. Es un lugar donde hay equilibrio, paz, amor y connecion.. y que aprendio en este semana cuando encuentras con otras personas que todos tenemos las mismas temas y asuntos como la vulneribilidad. Como es este trabajo para ti de estar aqui una semana y trabajar con la gente?
Jessica: Imaginate maravilloso, precioso. Un regalo. Es muy sencillo. Yo estoy comprometida con Dios, con el amor, y entonces como lo tengo claro con todas las herramientos que tengo que conosco. Creo espacio para recordar lo que hay que recordar hasta donde yo puedo llegar. Entonces comparto contigo lo que tengo. No me quedo con nada. Es asi, esta vivo, esta caliente, tratamos de escuchar, y tratamos de ver lo que hay, no sernos los tontos. Lo que hay, lo que paresca.
Yvi: Cuanto tiempo más vas a hacer Soulfest – Arunachala Bhakti Lab?
Jessica: Espero de que hasta que seamos viejitos y nos murimos.. Es un contrato.
Yvi: Porque aqui?
Jessica: Arunachala fue un llamado. Y Arunachala además quiere que seamos muy felices.
Yvi: Vamos a intentarlos!
Jessica: Sí Sí Sí!
Muchas Gracias a Camilo Zaffora para ayudarme con las lenguas. Camilo organziza con Jessica el festival. También en agosto en España.
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