Hampi – Mopedpanne in der Steinwüste

Nach Hampi fuhr ich, um meine Freundin Talia wiederzusehen. Nachdem wir zwei Wochen zusammen Yoga in einem bekannten Ashram im Süden Indiens machten, bin ich alleine lebensmüde nach Gokarna hoch und hatte meine aufregendste Zug- und Nachtbusreise ever. Talia ist weiter nach Hampi, der Stadt, die die meisten auf ihrer Bucketliste haben. Ich gehöre mit zu denen, die urteilen wenn etwas zu sehr gehypt wird: Antike Tempel und Paläste in der Steinwüste ankucken, klang für mich so sexy wie damals mit der 5ten Klasse ins Steinzeitkundemuseum zu gehen – chronische Müdigkeit vorprogrammiert. Da ich Talia aber so sehr mochte, bin ich ihr dann doch noch gefolgt und es war mein bester Impuls.

 

Hampi stellte sich heraus als das für mich bisher beeindruckendste Fleckchen Indiens. Ich stand mitten in einer Steinwüste, die so aussah als hätten Aliens Lego mit Steinen gespielt: Rundes Geröll chillte auf grossen Felsen in einem Winkel, der dazu einlud, dass es rückwärts wieder runter ging. Tat es aber nicht. Gestapelte Steine übereinander so weit das Auge reichte. Ich glotze mir die Augen fast aus und war so beeindruckt, dass ich meine Mopedfahrangst überwand und mir einen eigenen Scooter mietete. Talia hatte Schiss und fuhr mit Mahec mit, einer taffen Inderin, die sie im Zug nach Hampi kennenlernte und mit der wir einen atemberaubenden Bungalow in den Reisfeldern teilten. Mahec war so alt wie Talia und ich, rauchte Kette, trank vormittags mindestens 10 Chai und mochte mich erstmal nicht. Das merkte ich direkt ab Minute 1. Sie war eine knallharte Politikjournalistin aus Delhi, der Stadt mit der ungesundesten Luft der Welt, und einem System, das es Frauen schwer macht. Das musste sie hart machen, um zu überleben, glaube ich. Sie kämpfte für ihre Unabhängigkeit und hatte strategisch ihren potentiellen Ehemann vergrault. Das fand ich cool, aber dieses Vergraulen lag auch hier in Hampi in der Luft.  Wir mussten immer bis mittags warten bis Mahec bereit war Hampi anzukucken und dann war sie hektisch.

Mahec und Talia

Als wir losfuhren – es war meine erste Scooterfahrt ever – fuhr sie mit Talia hinten drauf los als wenn sie von wem verfolgt werden würde. Wurde sie ja auch und zwar von mir. Es war schwer als Fahranfängerin das Tempo zu halten. Nach kurzer Zeit verliess Mahec die Strasse und fuhr mitten in die Steinwüste rein. Es ging über Äste, Geröll, Löcher. Nach einer halben Stunde landeten wir vor einer Felswand, die Sonne brannte und wir mussten umkehren. Als wir die Strasse erreichten, wartete Mahec gar nicht mehr auf mich und zischte mit Talia davon. Mein Reifen zischte auch und begann zu schlingern. Erste Mopedfahrt, erster Platten, welch ein Abenteuer! Ich dachte: „Oh shit. Jetzt bin ich alleine in der Wüste…“ Ich hatte keine indische Simcard, das heisst ich konnte jetzt auch nicht anrufen, musste darauf vertrauen, dass Mahec und Talia merkten, dass ich nicht mehr hinter ihnen war. Das taten sie nicht sofort, aber  nach einer Weile kamen  sie zurück. Ich hatte noch nie einen Platten und dachte: „Das wird jetzt teuer“. Mahec blieb cool und befahl mir und Talia auf dem Felsen neben den Ziegen zu warten. Wir fanden das toll!

Sie wollte mit dem kaputten Moped ins nächste Dorf fahren. Das bekam sie ohne Probleme hin und drei Stunden später war sie zurück. Die Panne kostete kaum etwas, umgerechnet 3 Euro, die Mahec übernahm. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Zum Sonnenuntergang bestiegen wir dann noch den Hanuman Tempel. Wie sassen zusammen da, lächelten uns an und als die dicke gelebt Kugel einen Abgang machte und der Himmel zartlila schimmerte, wurde Mahec endlich weicher.

Einen Tag später machte ich mich noch mal spätnachmittags alleine mit dem Moped los zu einem Geldautomaten in einem Dorf 30 Kilometer entfernt. Ich bedachte nicht, dass es um 18 Uhr schlagartig dunkel wurde. So musste ich alleine mit meinem Moped in der Dunkelheit zurück. Es war die schönste Mopedfahrt in meinem Leben. Das Gefühl „nachts“ alleine durch Indien zu heizen, überwältigte mich: Zwei Dinge, mit denen ich bis dahin nicht gut konnte, Scooter fahren und in der Dunkelheit alleine unterwegs sein, haben mich auf einmal begeistert.

Mucho Love Yvi

 

 

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Sí Sí Sí – Jessica Walker: Wenn dein Herz bricht, werde kreativ!

Sí Sí Sí … Jessica Walker ruft dieses Ja Ja Ja  so begeistert, wie wenn gerade das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft fällt. Sie kuckt dabei mit weit aufgerissenen Augen, eine Hand geht zum Himmel, es ist ihre Reaktion auf das, was gerade vor ihr passiert. Jemand erzählt etwas über sich selbst, mal laut mal leise, pausierend und dann radikal offen.

Foto von Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

Jessica ist vieles, vor allem ist sie Theaterschauspielerin und Regisseurin. Vor fast 20 Jahren gründete sie in Barcelona die „Laboratorio Escuela“ eine Schule für experimentelles Theater. Hier erforschen sie Körper, Geist und Beziehungen. Das machen sie auch einmal im Jahr in Indien mit dem Soulfest – Arunachala Bhakti Lab in einem kleinen familiären Ashram „Sri Anantha Niketan“. Er ist umgeben von sattgrünen Feldern, in denen Schmetterlingsschwärme wild umherflattern und sich durch keine Laune gestört fühlen –  hier sind alle Gefühle herzlich willkommen.

Schlafen in der Shiva Hall

Im Hintergrund macht sich der berühmte heilige Arunachala Berg breit. Er gilt als Manifestation von Shiva, einer der Hauptgötter des Hinduismus, der auch als Zerstörer des Ego gilt. Das Ego, was im Yoga als die Ursache für Angst und Kopfmist ist. Das uns dazu bringt lieber unglücklich zu bleiben, statt was zu wagen, das uns vorgaukelt lieber ein Leben lang die beschilderte Hauptstrasse entlang zu zuckeln statt mal einen Weg einzuschlagen, der ins Ungewisse führt. Tiruvannamalai ist wegen Shiva Pilgerstadt und wegen Ramana Maharsi, dem Guru, der dort 17 Jahre lang in einer Höhle meditierte und sich fragte: WER BIN ICH?

Also wer bin ich ohne mein Ego: Ohne meinen Job, meine Karre, mein Haus, meine Klamotten, meinen geilen Body, wer bin ich ohne Plattenvertrag, ohne Kohle, ohne zehntausend Instagramfollower, ohne Facebooklikes, ohne Freunde, ohne Partner, ohne Familie? Was bleibt da übrig? Ich stelle mir diese Frage öfters auf der Reise, weil ich ja alleine durch die Welt tingle und temporär ohne Wohnung und Job bin. Also gefühlt nackt. Ich merke wie mein Ego zittert und schnaubt und es oft nicht lustig findet, immer wieder fernes Neuland zu betreten.

„Ich sage dir, was Freiheit für mich ist: keine Angst zu haben.“ – Nina Simone, Musikern

Vom Soulfest erfuhr ich in Goa. Da hatte ich schon gut an meinen Ängsten auf dem Ecstatic Dance Festival geschraubt. Der Veranstalter sagte zu mir: „Oh du findest es beim Ecstatic Dance Festival krass, dann geh mal zu Jessica Walker, da geht es ans Eingemachte!“. Und weil ich seit einigen Jahren auf Eingemachtes stehe, wagte ich mich dorthin. Zum Glück warteten weder Esoschischi noch Exzesse auf mich – denn mit beidem kann ich nichts anfangen. Das Soulfest ist ein Spielplatz, bei dem wir uns trauen dürfen uns zu zeigen, wie wir sind. Mehr nicht. Weniger auch nicht.

Am ersten Tag geht es direkt los mit wem Fremden zu tanzen – improvisiert. Ich fühle mich wieder wie mit 14 als ich lieber auf den Boden schaute und nur alleine im Zimmer die Musik aufdrehte. Etwas Scham quetscht sich dazu, aber sie vergeht nach einigen Minuten. Ich merke, wie steif wir als Erwachsene unterwegs sein können, als Kinder rennen wir noch völlig unbedarft auf andere zu und machen wonach uns ist, als Erwachsene schämen wir uns, sind blockiert und müssen uns erstmal Alkohol oder sonstige Mittelchen einverleiben, um locker zu werden. Wir haben Angst davor uns zu blamieren, davor, was die anderen über uns denken könnten. Deswegen schiebt unser Ego lieber einen Vorhang vor unseren Gefühlen, Impulsen und Wünschen statt uns ehrlich sein zu lassen, was wir gerade sind. So ein Spassverderber – und dann verklemmt in der Ecke stehen und auf die Frage „Wie geht’s Dir?“ Ein „Guuuut!“ antworten und vom verkniffenen Mund verraten zu werden, wie es wirklich geht. Scheisse.

Foto von Gonzalo Santos – https://gonzalosantos.com.ar

Das soll jetzt keine Aufforderung sein, dass wir jedem sagen sollen, was wir fühlen und wie wir uns dabei fühlen… beim Soulfest rennen wir auch nicht rum und binden jedem auf die Nase, dass man gerade eine Wassermelone im Hals stecken hat, aber in einigen Momenten ist Platz: da können wir was sagen oder performen. Sí Sí Sí  … Jessica ist immer voll angeknipst und hört zu, alle anderen auch, und oft erkennt man sich selbst wieder durch Empathie. Wir sind schliesslich alle Menschen mit einen Farbkasten an Gefühlen. Bei mehr und mehr Menschen hat der Gefühlskompass aber Wackelkontakt oder ist völlig Schrott. Casper singt in dem Song Keine Angst „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl.“ Durch  Schiss vor „negativen“ Gefühlen wie Angst werden sie verdrängt und das Innenleben zu einem dezenten grau glattgebügelt.  Wer nicht checkt, dass Neid, Scham, Trauer, Wut  und Angst zum Leben dazugehören und gefühlt werden müssen, darf sich nicht wundern, dass auch irgendwann Happy Moments ausbleiben. Freude ohne Trauer ist nicht möglich. Erst heulen, dann lachen wunderbar.

Nähe entsteht durch ehrliche Gespräche. Mit der indischen Schauspielerin Anahat war es immer spannend.

Beim Soulfest geht es um Verbindung zu uns selbst und zu den anderen. Und um Ehrlichkeit. Den anderen nichts vormachen. Am Anfang urteile ich über die anderen Teilnehmer wie ich es auch in Goa gemacht hatte. Und wieder merke ich bei näheren Gesprächen, dass niemand so ist, wie ich dachte. Schon in Goa sass ein vermeintlicher Happy-Sunnyboy vor mir, der meiner Meinung nach selbstbewusst beim Tanzen war und ein Frauenheld. Es kam raus, dass Tanzen ihn total verunsicherte und was Liebe angeht, schwamm er in Kummer. Weil er sich selbst eine Zeit lang nicht ausstehen konnte, hatte er seine Ex-Freundin vergrault. Das sind drei Jahre her. Es gibt kein Zurück. Er liebt sie immer noch und will keine andere. Während er mir das alles erzählt, weint er Rotz und Wasser. Ich bin berührt von so viel Ehrlichkeit und finde das richtig stark. Beim Soulfest passieren ähnliche Dinge. Männer erzählen, wie sie Frauen sehen, dass sie Angst haben, vor Beziehungen vor sich selbst, nicht wissen wie sie das zusammen bekommen sollen – die Partnerin als beste Freundin, Mutter, Liebhaberin – das sind ja drei Dinge auf einmal und oft zwei Dinge zuviel. Frauen erzählen, dass sie gemocht werden wollen und dafür auch mal vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Es kommt heraus, dass fast alle Angst vor Ablehnung haben, nur gehen wir unterschiedlich damit um. Authentisch zu kommunizieren, also zu sagen was Sache ist, ist für viele schwer. Das braucht Mut, nicht jeder hat ihn bzw. ich behaupte: nicht jeder möchte sich die Mühe machen ihn aufzubringen. Einige ziehen sich zurück,  andere wählen Auswege. Sie fangen an anderen etwas vorspielen. Das wird dann gerade in romantischen Geflechten schwierig, weil das ja der Ort sein soll für Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Und dazu gehören auch Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. Ich selbst habe eine fast zehnjährige Beziehung geführt, in der es nur drei Mal Streit gab, zwei Mal davon wegen Nudeln und Pizza. Das ist lange her und aus heutiger Sicht weiss ich, dass hier stark was im Argen lag. Hinter dem Nudel- und Pizzaberg steckten viele Gefühle, die nicht kommuniziert wurden, und die in erster Linie nichts mit Nudeln und Pizza zu tun hatten. Damals hatte ich keine Ahnung von all dem, ich war wohl selbst konfliktscheu. Am Ende stand ich da mit einem zerfetzten Herzen, das nachhaltig klarkommen musste mit: Liebesschwüre bis zur letzten Sekunde treffen auf Täuschen, Lügen und Betrügen…

Warum ich das so offen schreibe? Weil auch das zum Leben dazugehört. Und weil solche Geschichten immer mehr werden. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass Hollywood in unsere alltäglichen Leben eingezogen ist mit dem Drama von einstürzenden Kartenhäusern, stillen Abgängen und heimlichem Davonschleichen. Im Epilog erklingt dann manchmal noch ein Satz nach: „Ich liebte dich so sehr, deswegen konnte ich dir die Wahrheit nicht sagen.“ Unehrlichkeit, Lügen und Betrügen geschehen niemals aus Liebe, weder zu sich selbst noch zu anderen. Sie entstehen aus Angst und Feigheit, sind egogesteuert und damit das Gegenteil von Liebe.

All das hinterlässt nur Verletzungen, die sehr tief sind und sich wie eine Schneelawine fortsetzen können. Denn der, der aus Angst vom anderen betrogen wurde, hat nun auch Angst und aus Angst wieder so verletzt zu werden, wird er/sie vielleicht das nächste Mal selbst zum angstbesoffenen Betrüger-/in….oder man wird mit seiner neu erworbenen Angst vom anderen Angsthasen als uncool abgestempelt. Und so entsteht all der irre Gefühlszirkus, der nicht nur hippe Grossstädte überflutet, sondern längst auch in die Keller der Kleinstädte gezogen ist. Oder in die Kleingärten. Bevor ich auf meine Reise ging, steckte ich plötzlich wortwörtlich wieder in einem Garten des Irrsinns, der so gar nicht  von mir verursacht wurde, sondern von jemand, der behauptet er sei abgestumpft  – ein abgestumpfter Angsthase, der dieses „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl“ leierte…für ihn ein angeblicher Freifahrtschein für Lügen und Betrügen, mal wieder. Blitzschnell habe ich mich vom Acker gemacht. Ich bin ausgestiegen aus all dem für eine Zeit, denn mein Mitgefühl für all die Angst-Games ist fast leergelaufen, mein Tränenreservoir dagegen nicht.

Auf dem Festival hören wir jeden Tag das buddhistische Mantra Om Mani Padme Hum, es steht für Mitgefühl. Ich habe mal wieder literweise Pippi in den Augen und frage mich, ob es nicht mal langsam gut ist mit dem Rumheulen. Jessica spricht davon, dass gerade romantische Beziehungen immer bis zu einem gewissen Grad toxisch sind. Nicht nur, weil es für viele schwer ist,  authentisch zu sein, sondern auch, weil es für viele schwer ist bei sich zu bleiben: sie stecken in Beziehungen wie Verhungernde – statt ein Stück Schokolade will man die ganze Tafel.  Der andere soll einen satt machen mit Glück und Geborgenheit im Bauch. Ein Trugschluss.

Wir liegen abends beim Sonnenuntergang im Gras über uns Schwärme mit indischen Königslibellen. Die Flattertiere wirken wie bestellt.  Jessica Walker säuselt: „Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ Wir werden geboren, wir wachsen, wir entwickeln uns, um zu sterben.”

Es wäre schade, zu sterben und dann nur ein Leben geführt zu haben, wo wir den anderen und uns selbst etwas vorgemacht haben. Wir verrotten in der Erde und unsere Angst sitzt vollgefressen auf dem Sofa. Jessica macht uns klar, wie wichtig loslassen ist. Unsere Ängste, unsere Geschichten, unser Denken über uns selbst. „Actualizate!“ – „Update dich“ fordert sie auf. „Zweifel nicht das du dies und das nicht kannst, jeder Moment ist neu, eine neue Chance für dich. Gerade wenn du nach einem Herzbruchwalzer die Scherben alleine aufsammeln musst, ist es wichtig, das diszipliniert und sorgfältig zu tun, dabei kreativ zu werden. „Ohne Heimat keine Reise“ sage ich da immer. Erstmal in seinem eigenen Beet rumbuddeln und sich die Hände dreckig machen, bis es anfängt zu blühen. Dann muss man auch nicht beim Garten des Anderen betteln oder klauen gehen.

 

Jessica selbst ist diesen Weg gegangen und hat ihre Energie genutzt ein Blumenmeer wachsen zu lassen.  Ey so kitschig das klingt, nur so besteht eine aufrichtige Chance einen Gemeinschaftsgarten zu eröffnen, ohne Angst und ohne Anhaftung. Eine einfache Kiste und für viele von uns erst einmal ein steinharter Weg, der vielleicht niemals endet. Aber der Weg ist das Ziel und dabei nicht vergessen immer wieder auf aktualisieren zu drücken:-)

„Ich liebe dich damit du mich zurück liebst“ ist selbstzentriert und ein Mangelzustand. Es ist keine Liebe. „Ich liebe dich, weil ich dich liebe“, klingt viel besser.

Weil Jessica mich so begeistert hat, sprach ich spontan mit ihr nach dem Festival. Auf englisch und spanisch, beide Versionen findet ihr hier.  Danke an Camilo Zaffora, Radiokollege aus Argentinien, der mir mit den beiden Sprachen half und der mit Jessica das Festival organisiert. Wer das Gespräch auf deutsch möchte, meldet sich gerne bei mir.

Mucho Love, Yvi

Obwohl Jessica so viel weiss und kann ist sie null Ego. Noch nie habe ich einen so präsenten, klaren, warmherzigen, begeisterten und gleichzeitig unaufgeregten Menschen wie sie kennengelernt.

INTERVIEW mit JESSICA WALKER 

Yvi:  It happened to me that I met you in this place and you are talking about relationships for one week. Relationship is the essence of life, no?

Jessica: Relationships is everything. Everything in this dream. I am committed to spirit, that motivates me to walk the path of relationships. How to improve our quality of life? Our love for ourselves? And for silence. How to lead a relationship with the essential.

Yvi: I have the feeling when I talk to my friends or to my family that relationships give you a lot of pain.

Jessica: It is a game, the game of where do you put your eyes. We put pain, where there is no pain, guilt where there is no guilt, or envy, or violence, our mind is lost, distracted, sick, it is very easy to lose ourselves there.

Yvi: So I cannot lose myself when my exboyfried cheated on me in a very sick way?

Jessica: Yes, we can lose ourselves, but the question is how long and how much time you want to keep yourself there. And the definition of it is toxic.

Yvi: Why?

Jessica: Because we talk about princess and the prince on the white horse, that saves your life. We search for someone that saves our lifes. We think: “If you are not with me, I will kill myself. Or I kill you”. It is an antigue system of possession.

Yvi: I remember you said, CREAR – after a heartbreak start to create something.  It is not sufficient getting up, having breakfast and going to work. When I had a broken heart I started to smoke, I drank beer, I just worked and I stayed in bed when I did not work, now you come and say create.. so how?

Jessica: Create is the prayer of the spirit of god. Create es un walk, a path, a dimension of healing, impressive for us human beings. It is the way to come back home. It is a way to not stay in the toxic. Create saves us from the toxic. It raises our vibration, it changes our color, it invites us to become new, it makes us to want to live. To be connected with life, creation is life.

Yvi: And when you are damaged it is work. You really have to work on yourself.

Jessica: A lot, but with compassion, in a loving way, with patience, you give yourself time, space, it is a rebuilding of your core-self that is broken. When somebodys heart is broken, you don’t have many tools, the connection with the big mystery gets lost. We lose it like our confidence, the trust, the path, we don’t know where to go, we are lost without a direction. If you don’t have a committed training, it is very complex. To get up and to create. Because everything transforms in sadness. In pain, in abandonment. I abandon myself, so I can’t. I ask for help, help from a cigarette, from a beer…… You have to take care with this kind of helps, because they can become an addiction. For the same depression you are in. For the crisis, the crisis is huge, everything that balances me is broken, my balance is broken. „Where do I go? I don’t know.“ So I hide behind a cigarette, a beer, in a bed, I look for pleasure, I try to get some pleasures around.

Yvi: When I see you teaching and talking, I can feel that what you are talking about is 100 percent experienced by you. You also had pain, how did you get yourself out of it?

Jessica: It is the practice. Without practice we go nowhere. That is reality. I have a practice. Since long time I do meditation. A very old one and I am very committed to it. And this practice gives me the strength to do everything I do.

Yvi: And you do a lot and it feels so light. Friends asking me what can I do, I have to work on myself so hard, I also felt this with myself and then you drop the sentence: „Make it easy“.

Jessica: The more simple the better. Because real love is simple. Real love helps, real love puts things in their proper place, it is a path and it is simple. And you can realize, because it is simple. So the class is simple. The more simple the more you and me can meet. The more we can see each other. And unite. It is not conceptual, we are not gonna learn much in a conceptual way. We can learn concepts, but we are not gonna learn life. Is through experience.. that your heart is touched.

Yvi: In this week of Arunachala Bhakti Lab I was reminded of a radio programme in Spain. They had one category it was called “La ciudad invisible” on radio 3. It is a place of peace, connection and love. This place here is for me the invisible city. How was it for you – being one week here and working with people?

Jessica: Imagine wonderful. Precious. A gift. It is very simple. I am committed with god and with love. I share with you what I have. I don’t keep anything. It is vivid and warm, we try to listen and we try to see what it is and not fooling ourselves.

Yvi: How long will you do Arunachala Bhakti Lab?

Jessica: I hope until we are old and until we die.

Yvi: And why here?

Jessica: Arunachala was a call. And he wants us to be happy.

Yvi: So let’s try.

Jessica: Sí Sí Sí.

 

El entrevista en ESPAÑOL

Yvi: Salí de viaje por un año. Me pasa que te encuentro en este lugar. No sabía nada de tí, estaba buscando tanto como repararme a mimisma. He intentado con muchas cosas, hacer yoga, viajar sola. Y no quería hablar más de relaciones y vengo aca y tu estás hablando de relaciones por una semana. Las relaciones es como la essencia en la vida, no?

Jessica: Las relaciones es todo. Es todo en este sueño. Yo soy una comprometida con el espíritu. Esto me motiva a caminar el camino de las relaciones. De como mejorar nuestra calidad de vida. Como mejorar nuestro cariño por el planeta. Nuesto cariño por nosotros mismos.Y por el silencio. Una corespondecia por la naturaleza, una corespondencia sencilla con lo essencial.

Yvi: Tengo la sensación de cuando hablo con mis amigos o mi familia que las relaciones te pueden dar mucho dolor.

Jessica: Es el juego, claro. Es el juego á donde pongas la mirada. Nosotros ponemos dolor, donde no hay dolor, culpa donde no hay culpa o envidia, o violencia, nuestra mente esta perdida, esta distraida, esta enferma, es muy fácil perdernos ahí.

Yvi:  Es que yo no me puedo perder en el hecho de que mi exnovio me engaño en una manera muy mala?

Jessica: Claro que nos podemos perdernos, el tema es hasta cuando perderte y sobre todo nostostro metermos en este código del amor romántico que la definición es bastante tóxica.

Yvi:  Porqué?

Jessica: Porqué hablamos de princessa, de principe en caballo azúl, te voy a salvar la vida, estamos buscando á alguien, para que nos salve la vida. Tenemos un ideal de „Sí no estas conmigo, me mato, te voy a matar”, un sistema possesivo antiguo. Un sistema de ser nos   hemos perdido el centro que nos hacen perder energía, que nos hacen perder, ser coherentes.

Yvi:  Cuando experimentas algo que se siente como un naufragio, me recuerdo el primer día has dicho ponte crear. Es no suficiente de levantarte e ir a trabajo …cuando yo tenia el corazón roto empezo a fumar, he tomado cerveza, solo trabajo y me he quedado en la cama cuando no estaba trabajando y tu me dices crea! Como?

Jessica: Crear es el camino, es una dimension de sanación impressionante para nosotros los humanos. Es la manera de volver à casa. Es la manera de no quedarnos en lo tóxico. Crear nos salva de lo tóxico. Crear nos eleva la vibración, crear nos cambia el color, crear nos invita a ser de nuevo. A querer vivir. Crear esta conectado con la vida. Crear es vivir. 

 

Yvi: Cuando estas dañado, hay que trabajar en uno miso.

Jessica: Muchissimo, pero de una manera compasiva. De una manera cariñosa, con mucha patiencia, si te emoras, te emorars, te das espacio, te das espacio. Es una reconstrucion con el nucleo interno. Se ha roto la conneción con díos. Cuando uno le rompen el corazón, la connecion con el gran misterio se pierde. Uno lo pierdo como la confianza, como el camino, no sabe donde ir, esta completamente perdida y si no tienes un entrainamiento comprometido es muy complejo. Es muy complejo levantarse y poder crear. Por que todo se transforma en una tristeza, en un dolor, en un abandono. “Me abandono. Por lo tanto, no puedo.” Tengo que pedir ayuda, fumar es un ayuda, tomar una cerveza es un ayuda, entonces simplemente hay que tener un poco de cuidado con estas ayudas, porque que no se puedan transformar en una adicción, por la misma depression, por la misma crisis, la crisis es tremendo, es como el rompimiento de todo lo que me equilibra, se rompe mi equilibrio. “A donde voy? No se, donde ir.” Por lo tanto me escondo. Detrás un cigarro detrás una cerceza, detrás una cama, busco placer. 

Yvi: Cuando te veo enseñar y hablar, puedo sentir de lo que hablas es cien porciento sentido por tí, experiementado por ti. Tambien tuviste dolor, como te levas tu cuando tienes dolor?

Jessica: Es la practica, sin practica no nos vamos en ninguna parte, es una realidad, simplemente tengo una practica de meditacion muy antigua hace mucho tiempo. Con la cual estoy muy comprometida. Y esa practica me da la fuerza para hacer todo.

Yvi: Haces muchissimo y todo el tiempo se siente como liviano. Amigos me preguntan „que puedo hacer? Tengo que trabajar en mi misma tan duro“. Yo tambien sentio lo mismo, yo senti lo mismo de hay que trabajr mucho en mi misma, y tu dices, hazlo fácil, hazlo simple!

Jessica: Es que le mas simple mejor. Porque el amor verdadero is simple. El amor verdadero ayuda, en el amor verdadero colocan sus cosas en su lugar, es un camino. Y es sencillo. Y te puedes dar cuenta de que es sencillo. Por lo tanto una clase sencilla. Entre más sencilla más podemos encontranos tu y yo. Más podemos vernos, unirnos. No es conceptual, no vamos a aprender mucho conceptualmente. Podemos aprender conceptos, pero no vamos a aprende. Es a través la experiencia, de que tu corazón se tocado.

Yvi:  En esta semana del festival se me recordo un programa de radio en España de radio 3 que se llama la ciudad invisible. Es un lugar donde hay equilibrio, paz, amor y connecion.. y que aprendio en este semana cuando encuentras con otras personas que todos tenemos las mismas temas y asuntos como la vulneribilidad. Como es este trabajo para ti de estar aqui una semana y trabajar con la gente?

Jessica: Imaginate maravilloso, precioso. Un regalo. Es muy sencillo. Yo estoy comprometida con Dios, con el amor, y entonces como lo tengo claro con todas las herramientos que tengo que conosco. Creo espacio para recordar lo que hay que recordar hasta donde yo puedo llegar. Entonces comparto contigo lo que tengo. No me quedo con nada. Es asi, esta vivo, esta caliente, tratamos de escuchar, y tratamos de ver lo que hay, no sernos los tontos. Lo que hay, lo que paresca.

Yvi: Cuanto tiempo más vas a hacer Soulfest – Arunachala Bhakti Lab?

Jessica: Espero de que hasta que seamos viejitos y nos murimos.. Es un contrato.

Yvi: Porque aqui?

Jessica: Arunachala fue un llamado. Y Arunachala además quiere que seamos muy felices.

Yvi: Vamos a intentarlos!

Jessica: Sí Sí Sí!

Muchas Gracias a Camilo  Zaffora para ayudarme con las lenguas. Camilo organziza con Jessica el  festival. También en agosto en España.

Hier geht es zur Facebookpage:

https://www.facebook.com/arunachala.laboratorio/

Shut up and Dance – Ecstatic Dance in Goa

Ich stand auf der Tanzfläche unter dem Banyan Tree in Goa. Hinter mir liegen knapp drei Stunden Ecstatic Dance, wobei ich die letzte Stunde mit brennenden Füssen am Rand hockte und mich dann zum Abschied noch einmal auf die Tanzfläche wagte. Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Wie immer gab es am Ende des Tanzes ein paar neue Paarungen für den Moment: Menschen, die glücklich mit klitschnassen Haaren übereinander, nebeneinander oder ineinander am Boden lagen. Das war mir dann doch zu viel Nähe bei so viel Nüchternheit. Ecstatic Dance ist Tanzen ohne Sabbeln, ohne Alk, ohne Rauchen, ohne Drogen, barfuss und – wer mag  – mit Kontakt.

The Source ist einer der schönsten Tanzorte.

Mein Status war noch Anfängerin – sprich: angeschossenes Reh schlittert alleine über die Tanze, unsicher und mit lautem Kopf. Der scannte die schönen hundert Menschen drum rum und plapperte unentwegt: „Aah die sind ein Paar, oh der hat mich angelächelt, ach ne jetzt ist sie ja mit dem anderen…? Soll ich jetzt mit dem tanzen, diese Bewegung sieht toll aus, kann ich nicht, was machen die denn da in der Ecke? Wo will denn mein rechtes Bein hin? Mir tun die Füsse weh….“ Was beim Ecstatic Dance passiert, ist das Leben. Hier zeigt sich unsere Beziehung zu uns selbst und die Beziehung zu anderen: wie selbstbewusst wir sind, und ob wir fähig sind Verbindung zu anderen aufzubauen, ohne, dass wir ins Wanken geraten. Wir sollten unseren Impulsen folgen – erstmal alleine dann gerne mit anderen Menschen zusammen dancen. Aber Warnung: Wenn man den Mut aufbringt, jemand anzutanzen, kann der oder die dankend weiterreisen. Denn jeder Mensch hat so seine Launen und nicht jeder mag die Energie von unsicheren Leuten, die während des Tanzes freezen also erstarren und nicht wissen, was sie mit ihrem rechten Arm und ihrem kleinen Zeh anstellen sollen. Obwohl alle sehr nett und offen waren, und Musik von Bonobo und Nu Rückenwind gaben, hemmte mich die Angst vor Ablehnung zu Beginn sehr.

Einer der schönsten Tanzorte unter dem Banyan Tree. Ja es ist ein Baum:-)

Und dann kurz vor dem Ende der Sause wurde ich abgeholt. Fast. Wie von einem imaginären Pfaden gezogen, schlingerte ein Typ auf mich zu: Rückwärts! Er stoppte genau einen Zentimeter vor meiner Nase. Da er keine Augen im Hinterkopf hatte, fragte ich mich, was das für ein Hokuspokus war. Der Typ war bekannt. Ein Musiker und Tanzlehrer. Er war mir schon die Male davor aufgefallen, nicht nur weil er wie Jesus aussah – (nicht zu verwechseln mit dem Tänzer in Goa, der sich Gott nannte) –  er war mir auch aufgefallen, weil er immer zweieinhalb Stunden durch das tanzende Menschenmeer suchend umherirrte, um dann am Ende, eine Frau auszuwählen, mit der er zu einem Song tanzte. Das sah dann jedes Mal überirdisch gut aus. Sowas wollte ich auch können.

Mich hatte der Tänzer jetzt nicht zum Tanzen, sondern zum gemeinsamen Rumstehen auserkoren. Rücken an Nase – Nase an Rücken. Ich fragte mich: „Möchte er, dass ich mit ihm diesen blöden Doppeldecker mache, wie verliebte Paare es auf Konzerten tun? Dass ich meine Arme von hinten um ihn schlinge?“ Ich meine, einen DJ hatten wir da vorne, es war ja quasi wie ein Konzert und andere taten genau das  – so nen blöden Doppeldecker. Passiv stand ich da. Mein Körper war ratlos, mein Kopf war schüchtern. Ich wollte dem Tänzer zuflüstern: „Ey dreh dich mal um, ich kann auch was, auch wenn es nicht tanzen ist – zumindest nicht so wie sie es hier tun. Ich kann reden und erzählen, und ich kenne gute Witze“, aber Sprechen ist beim Ecstatic Dance untersagt und sowieso Reden zählt in Goa, dem Mekka der Körperlichkeiten, nicht. Goa ist die Spielwiese für Hulahup-Prinzessinen, Tantragöttinen, Yogalehrer und Profi-Tänzer. Ohne meine Stimme fühlte ich mich wie ein Niemand. Mein Ego lag zermatscht am Boden, es glich einem Haufen Kartoffelbrei und alle Unsicherheiten kamen auf den Teller. Beim Ecstatic Dance musste ich sie fressen.

Das war genau richtig für mich, denn für meine Reise hatte ich mir vorgenommen, mich meinen Ängsten zu stellen und meinen Körper herauszufordern, Dinge zu lernen, die zuhause zu kurz gekommen sind. Goa stand für Tanzen.

Foto von Michela di Savino.

Wenn ich eine Sache kräftig vernachlässig habe in meinem Leben dann ist es das Tanzen. Als Teenie hüpfte ich noch in meinem Zimmer zu Madonna und Motörhead rum. Jeden Abend feierte ich stundenlang eine Onewomandisco bis ich erschöpft ins Bett fiel. Mit 16 ging’s dann auf die Parties und in die Clubs, da kam der Alkohol dazu, der in meiner Heimatstadt zum Feiern dazugehört. Wer nicht trank, wurde als seltsam betrachtet, so ist es auch heute noch. Weil ich ausserhalb meiner vier Wände gehemmt war zu dancen, machte ich beim Trinken mit. Mischgetränke als Mutpusher. Während meines Studiums hörte ich auf zu tanzen. Ich fing an fürs Radio zu arbeiten und sabbeln wurde mein Element. Ich sass auf den Parties an der Theke und unterhielt mich. Das machte ich jahrelang und die Hürde einfach mal stundelang zu dancen, wurde immer grösser. Dann entdeckte ich Ecstatic Dance. Pascal, der in Berlin eine grosse Szene aufgebaut hatte, kam nach Leipzig. Ich schlich nüchtern und schüchtern in den Raum: „Na toll, nur 8 Leute da“. Es hatte sich in Leipzig logischerweise noch nicht rumgesprochen, denn es war die erste Veranstaltung. Ich hatte dasselbe Gefühl, wie damals, als ich zum ersten Mal zum Uniradio ging. Ich hatte Schiss und wollte umkehren. Aber Umkehren führt ja nur in eine Sackgasse und zum Stillstand –  also blieb ich. Pascals Set war mega. Elektronische Musik, Tribal sounds mit Livedrums. Ich tanzte und zwar so wie ich es damals als Teenie in meinem Zimmer tat. Beim Rausgehen entdeckte ich den Flyer Ecstatic Dance Festival in Goa – Januar 2018. Und so fand ich meinen Weg nach Indien.

Jetzt stand ich in Goa unter dem Banyan Tree vor dem Rücken des tollsten Tänzers. Da ich ja nicht reden durfte, tat ich nix. Sein Geruch erreichte meine Nase und verriet tagelanges Nichtduschen.  Ausserdem bemerke ich seine für einen Tänzer ganz unüblichen nach vorne gezogenen Schultern. Er machte auf mich den Eindruck, einsam und lost zu sein. Vielleicht plagte ihn auch Liebeskummer, denn auch die freie Goaszene ist davor nicht gefeit. In den letzten Jahre hatte ich einige Erfahrungen gesammelt mit den lost souls, den lonely warriors und den freedom fightern dieser Welt. Mehr davon wollte ich gerade nicht. Ich erinnerte mich an eine Dänin, die zu mir sagte: „With Ecstatic Dance you learn how not to dance, you learn how to move!“ Ah es ging also gar nicht darum, zu lernen megatoll beim Tanzen auszusehen, sondern das Gegenteil, beim Ecstatic Dance geht es darum, das Tanzen zu verlernen und sich stattdessen so zu bewegen, wie man sich fühlt.

Ich machte zwei Moves – nach links und nach vorne. Jetzt stand ich nicht mehr im Schatten des Tänzers, sondern neben ihm. Mit etwas mehr Abstand. Der DJ forderte uns nun auf, uns zu umarmen, wenn wir wollten. Der Tänzer schaute zu mir rüber und lächelte mich an, ich schaute zu ihm rüber und lächelte ihn an. Einige Sekunden vergingen. Ich drehte meinen Kopf zurück und schaute nach vorne…„With Ecstatic Dance you learn how not to dance, you learn how to move!“ 

Ich bewegte meine rechte Hand zu meiner linken Schulter, die linke Hand zu meiner rechten Schulter. Ich umarmte mich selbst.

Epilog: Der Tänzer ergriff jetzt die Flucht nach vorne. Er verliess den Ecstatic Dance so vorzeitig wie Aschenputtel den Ball.

Mucho Love, Yvi

Ecstatic Dance bis die Wolken Lila sind

 

 

 

Das Gruppenbild ist von Festivalfotografin Michela di Savino.

PS: Diese Geschichte trug sich zu an einem Abend bei The Source in Arambol Goa. The Source ist einer der schönsten Konzert-, Workshop- und Tanzorte, an dem es mehrfach die Woche öffentlichen Ecstatic Dance gibt. Auf dem Ecstatic Dance Festival waren wir eine geschlossene Gruppe im Forgotten Land. Truppe und Ort waren ganz wunderbar. Ich kann es jedem, der Bock auf tolle Musik und Dance hat, nur empfehlen! Fotos vom Festival findet ihr auf der Ecstatic Dance Goa Facebookseite 

https://www.facebook.com/pg/ecstaticfestival/photos/?tab=album&album_id=162113257775857

 

 

 

 

 

 

Lebensmüde nach Gokarna

Völlig fertig sass ich mit ein paar Hunden vor einem schlafendem Guesthouse. Es war 4:30 Uhr in der Früh und ich wartete darauf, dass die dicke gelbe Kugel aufwachte. Ich war in Gokarana am OM Beach gestrandet, was unterhalb von Goa liegt. Ein Bekannter aus Leipzig war da und ich wollte mal vorbeikucken.

Vorbeikucken bedeutete von Südindien 837 Kilometer mit dem Zug und Nachtbus hochzubrettern. Alleine.

am OM Beach angekommen

Erstmal zur Reise, wie ich überhaupt in den Süden Indiens gekommen bin, bevor ich wieder hochfuhr.Schon auf der Hinreise in den Süden Indiens, also von Margao, dem Bahnhof bei Goa nach Thiruvananthapuram in Kerala sass ich 21 Stunden lang im Zug.

 

 

Start der Reise: Margao: Zug von Goa nach Thiruvananthapuram in Kerala Südindien 21 h

 

 

Das Zugende ist nicht in Sicht. Reisen in Indien mit Zug und Bus ist spannend. Niemals habe ich mich so lebendig gefühlt. Ich hatte das Gefühl,  im Film Darjeeling Limited von Wes Anderson gelandet zu sein.

Mitternacht ging es in Goa los. Ich bestieg das kilometerlange blaue Metallmonster, die zweite Klasse  mit harten schmierigen Pritschen zum Schlafen. Ich fand das Abteil mit Option zum Schlafen, hiefte meinen Rucksack auf die mittelhohe Pritsche (an jeder Seite gibt es 3 Pritschen zum ausklappen – unten, mitte und oben). Eigentlich sollte ich oben schlafen, direkt unter den fettig schwarzen Ventilatoren, aber das war mir zu hoch. Ich hatte Angst runterzufallen und mir alles zu brechen. Ich klappte die mittelhohe Pritsche aus und versuchte etwas zu schlafen. Keine gute Idee: Morgens um 7 wurde ich von indischen Männern geweckt und gebeten: „Bitte Liege an die Wand zurückklappen und unten hinsetzen.“ Sie sind morgens in den Zug zugestiegen und haben das Schlafabteil umfunktioniert in einen Gruppenkuschelwagon. Ich sass die nächsten 6 Stunden eng gequetscht zwischen den Männern, Marktleute stiegen ein und aus, verkauften auch warmes Essen wie Linsen, den fast flüssigen Dhal assen sie mit ihren rechten Händen.

 

Bücherverkauf im Zug

 

Aus den Fenstern bzw. aus den Kucklöchern mit Metallstäben brauste der Wind um meinen Kopf. Was für 1 Feeling. Abends kam ich dann ok an in Thiruvananthapuram. Ich hatte auch für zwei Wochen später ein Rückfahrtticket gekauft, also zurück nach Goa – von dort aus wollte ich dann irgendwie nach Gokarna, was keine eigene Zughaltestelle hatte. In dem Ashram, wo ich war, kam jeden Morgen eine Inderin, die Reisetickets verkaufte. Sie sagte: „Oh du kommst ja morgens um 5 in Goa an, das ist zu gefährlich.  Kauf besser ein Ticket für den Nachtbus, der bringt dich direkt nach Gokarna.“ Da würde ich morgens um 6 ankommen. Also schmiss ich mein Zugticket weg, was umgerechnet 8 Euro gekostet hatte und kaufte mir ein neues Ticket. Es stellte sich heraus, dass diese Fahrt viel aufregender war. Vom Ashram aus, der auf einem Hügel in der Natur lag, musste ich mit einem Rikschafahrer sehr früh morgens eine Stunde lang zum Bahnhof in Thiruvananthapuram. Ich musste ihm vertrauen. Es war das einzige Mal, dass mich auf der Reise durch Indien jemand angrabste, beim Rucksack auf- und absetzen. Die ganze Fahrt über wiederholte er seine Frage, ob ich verheiratet sei. Ich bejahte immer wieder – auch wenn ich auf Flunkern nicht stehe. Es war definitiv die bessere Aussage.

Dann nahm ich den Zug nach Kochi.

 

auch hier die schmierigen Ventilatoren.

Wir rauschten vorbei an Müllbergen. Es ist krass zu sehen, wie viel Müll neben den Gleisen liegt, neben mir sass eine hübsch gekleidete ältere Dame, sie schmiess einfach Plastik aus dem Fenster. Ich behielt mein Kaffeestäbchen in der Hand. In Kochi hatte ich 4 Stunden Aufenthalt: Zeit, um einen Mülleimer zu finden und aufs Klo zu gehen, wo Inderinnen sich komplett wuschen, mit Wassereimer über den Kopf. Es dauerte etwas bis ich dran war und derweil passte eine alte Dame für zehn Rupees auf mein Gepäck auf. Ich war froh über die Umsteigezeit die ich hatte, musste nämlich erstmal die Bushaltestelle finden, die war, wie so oft, an einem Guesthouse irgendwo mitten in der Stadt. Ich heuerte einen Rikschafahrer an, er setzte mich ab, kassierte das Geld, falsche Stelle. Die nächste Fahrt brachte mich dann an den richtigen Ort. Ein netter Inder in meinem Alter wartete dort schon bei einem Chai und ich gesellte mich dazu. Er wollte zu seiner Schwester nach Goa. Honest kam pünktlich, so hiess der Bus. Also Ehrlich.

Es geht los mit dem Nachtbus nach Gokarna, muss schnell noch der Reifen ausgewechselt werden, ein Erlebnis, das ich mehrfach in Indien hatte.

Er war gemütlich. Aber nur Männer fuhren mit, ich musste wieder vertrauen. Der Inder und ich unterhielten uns noch eine Weile und ich schlief dann ein bisschen. Irgendwann weckte mich der Fahrer. „Aussteigen!“ Wir seien da, also in Gokarna. Ich schaute auf die Uhr. 3 Uhr nachts. Ankunft 6 Uhr bezog sich nicht auf Gokarna sondern auch das Endziel Goa. Und da, wo wir stoppten, war auch gar nicht Gokarna Stadt, sondern 20 Kilometer ausserhalb. Gokarna Cross. Da gab es nichts, nur den Highway. Nicht mal eine Bude zum Hinsetzen und Verstecken. Ich stieg paralysiert aus und  bekam Panik, ich fing an zu schreien, dass das lebensmüde ist und dass ich das nicht mal in Deutschland tun würde, mitten in der Nacht an einer Strasse aussteigen und sowieso wie sollte ich denn weiterkommen? Der nette Inder bot mir an, dass ich mit ihm weiter nach Goa fahre, dort erstmal eine Runde schlafen könnte bei ihm und seiner Schwester, und von dort aus – wie ja ursprünglich geplant – wieder runter nach Gokarna. Das war mir zu doof, 3 Stunden weiter gen Norden zu fahren, um die dann wieder runter zu fahren, wenn ich jetzt 20 Kilometer von Gokarna entfernt bin. Die Inder redeten in Hindu aufgeregt durcheinander. Ich stieg wieder ein, und sie brachten mich zur nächsten Stadt. Ankola. Dort stand ein Taxifahrer an einer Tankstelle. Wir sprachen ihn an, und er brachte mich dann für mehr Geld als die komplette Fahrt kostete zum Strand von Gokarna. Ich musste ihm wieder vertrauen. Es war kurz vor 4  Uhr in der Früh. Ich versuchte meinen Bekannten anzurufen, er ging nicht ran. Innerhalb eines Tages, musste ich Vertrauen wie am Fliessband: Dem Rikschafahrer von früh morgens, der Horde Männer im Sleepingbus, und dem Taxifahrer, der mich an mein Endziel brachte. Zum Strand runter führten Stufen, es war stockduster.  Der Taxifahrer beruhigte mich. Er sagte: „Dir passiert nichts, geh einfach runter und warte bis die Sonne aufgeht.“ Genau das machte ich dann. Ich knipste meine Taschenlampe an und schlich zum Strand runter. Beim ersten Guesthouse setzte ich mich dann hin, einige Hunde gesellten sich dazu, und wir warteten bis die Sonne aufging. Niemals hab ich mich so lebendig gefühlt und niemals war ich so froh darüber, noch lebendig zu sein. Dann machte ich mich auf die Suche nach meinem Bekannten. Mit einem Rucksack voller Vertrauen.

Mucho Love, Yvi

 

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Goa: Esotrip als Entertainment

Vor 3 Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Indien. Ich startete in Goa – Arambol, dem Mekka für Yogis, Tantragöttinen, Lost souls, lonely warriors, HulaHup-Prinzessinnen, flötenden Männern mit weissen langen Haaren in Brezelstellung und Kühen, die immer und überall Vorfahrt haben, auch am Strand. Und während die dicke gelbe Kugel einen hübschen Postkartenabgang macht, tanzen schöne Menschen knapp bekleidet am Strand mit Kopfhörern zur Silent Disco in slow motion. Ich stand nur sprachlos da, glotze und knipste.

 

Wenn ihr euch traut: In Goa könnt ihr euch sowas von in euren Selbsterfahrungstrip werfen. Es gibt so viel Angebot: Tantratratra im LoveTemple, Osho Mediationen –  mit Schnappatmung und wildem Rumgehüpfe pustet ihr eure düsteren Gedanken aus euren Köpfen und in Workshops könnt ihr in die Vergangenheit reisen, sozusagen in euren vorherigen Leben mal „hallo“ sagen. Mich hat das damals alles überordert. Und auch heute noch denke ich regelmässig: „Hier ist jetzt mal Schluss. Ich geh Pommes essen.“ Nicht umsonst hing ich bei meiner diesjährigen Goa-Reise oft bei den Hunden von I Love Goa Dogs ab – über Rani und ihre Community zur Hunderettung in Arambol berichtet ich schon. Findet ihr auch unter Indien und unter People.

ich
I Love Goa Dogs als Zuflucht vorm Esotrara

Zurück zu vor 3 Jahren:  Talia aus Israel, die ich damals in Indien traf, nahm das auch alles nicht so ernst. Wir beschlossen, uns einen Tag lang einen Spass zu machen und uns die volle Ladung Esoenterntainment zu geben. Auf einem Plateau am Strand bot uns ein bärtiger Mann mit Wallemähne an in unsere vorherigen Leben zu reisen. Why not? Wir legten uns also auf Matten mit bunten Kopfkissen, um uns herum noch 8 weitere Neugierige.  Wir schlossen die Augen, der Mann in der Mitte machte ein paar Ansagen, um uns in Stimmung zu bringen, mal nachzugucken, wer wir früher waren. Nach zwei Stunden holte uns Swami Ramish  zurück ins Hier und Jetzt. Ich hatte die Zeit genutzt um zu pennen und Talia langweilte sich. In der Ecke hockten zwei Russinnen: Die eine auf dem Schoss der anderen, ihre Augen schimmerten.  Sie hatten sich wohl ineinanderverliebt, so deutete ich ihre Blicke. Das störte einen abgehalfterten Briten, Dany, der mit lauter Stimme tönte: „An elephant is in this place, you see this elephant? It disturbs me.“ Dabei zeigte er wütendem Blick auf die beiden Frauen. Swami Ramish fragte ihn: „Kann es sein, dass du dich nach romantischer Liebe sehnst und es deswegen den beiden Frauen nicht gönnst?“ Dany wurde kurz still und bejahte dann. Seine Einsamkeit wurde immer lauter, er schimpfte, tobte und wurde schliesslich gebeten das Plateau zu verlassen. Weil Talia und ich auch keinen Bock mehr auf dieses Theater hatten sind wir mit ihm raus. Wir hatten ihn aber jetzt an den Hacken. Er erzählte wie ein wütender Wasserfall: Dass er sich verliebt hatte in eine Lady, die ihm versprach ab sofort mit ihm ihr Universum zu teilen, aber nach dem ersten Date nie wieder auftauchte. Und dass er im Love Temple, dem Ort für Tantratrara einen Cocktail bestellt hatte mit – wie er sagt – 20 Zutaten, er musste eine Stunde warten, um dann vom Kellner gesagt zu bekommen, dass eine Zutat fehlt. „Nicht mal einen beschissenen Love-Cocktail bekomme ich“, raunzte er.

So ist es ja oft, da wo Mangel ist, kommt noch mehr Mangel hin, da wo es läuft, läuft es immer besser. Ich versuchte ihn noch kurz mit Floskeln zu beruhigen, sowas wie „Alles wird gut“, weil er aber gar nicht mehr aufnahmefähig war, hängten wir den einsamen Krieger ab. Jeder muss seine eigene Reise machen.

Mucho Love. Yvi.

Talia und ich

 

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Bekifft in Goa

Alles, was ich noch konnte, war in Zeitlupentempo mit meinem rechten Arm nach links zur Wasserflasche greifen und einen Schluck Wasser trinken.

Ich sass auf einer Goa-Hippsterparty. Ich war eingeladen, weil ich einige Streetartkünstler zu Beginn meiner Reise kennenlernte, die Teil der Party waren und ich zudem nebenan wohnte. Den ganzen Tag über waren wir unterwegs gewesen, hatten uns mit einer Motorbiketour ihre Graffitis und Murals angesehen, die sie über Goa verteilt hatten. Die Sonne, das Kucken, das Rumfahren hatten mich müde gemacht. Sehr müde. Keine gute Voraussetzung für eine Party. Früher hätte ich in so einer Lage ein paar Bier getrunken, die die Müdigkeit weggeschubst hätten. Weil ich damals aber gerade ein Experiment machte – keinen Tropfen Alkohol für 1,5 Jahre –  wollte ich keine Ausnahme machen, auch nicht für eine besondere Hippsterparty in Goa. Also versuchte es mit einem Kaffee. Er wirkte nicht, das war ein schlechtes Zeichen. Neben mir sass ein Inder mit einem Joint. Ich habe nie Drogen genommen, bis auf Bier und 1 Erlebnis mit Kiffen, das war mit 16 und ich stellte fest, dass das nix für mich ist. Aber 16 war lange her und ich dachte: „Ok: Vielleicht wirkt es ja jetzt anders, könnte ja sein, dass ich wach davon werde.“ Hahaaa, ja ich weiss. Ich zog also drei Mal daran und machte mich auf zur Tanzfläche.

Nach kurzer Zeit erwischte ich den Beat nicht mehr. Ich war zu langsam, und er zu schnell, kam mein Fuss am Boden an, war der Beat schon weg. Mein Körper fühlte sich an wie Knete. Ich setzte mich schnell an eine Wand. Beats flechteten in meinen Ohren schöne Klangteppiche, auf einmal verstand ich wie Tracks sich zusammensetzen. Neben mir unterhielten sie sich und ich hatte das Gefühl hautnah dabeizusitzen. Vor mir tanzte eine schöne gazellenartige Yogalehrerin, ich sah ihren Bewegungen an, dass sie auf der Suche war nach einer Romanze für die Nacht.  Mich sprach eine ältere Frau an, ob alles in Ordnung sei. Ingrid aus Deutschland. Ich wollte sagen: „Nein“, aber konnte es nicht, mein Mund war wie zugeklebt. Sie gab mir Wasser und irgendwie schaffte ich es dann doch ihr zu stecken, dass ich drei Mal am Joint gezogen hatte. Sie sagte: „Keine Sorge, ich pass auf dich auf, in einer Stunde fühlst du dich wieder normal.“ Ich spürte jeden einzelnen Muskel in meinem Rücken, wie verspannt ich doch trotz meines bekifften Zustandes war. Ich war sauer auf mich, dass ich so doof war, daran zu ziehen und jetzt die ganze Party an mir vorbeirauschte. Ein älterer Mann kam dazu: Er fragte: „Ingrid bist du es?“ Ingrid: „Ja. Ach wie heisst du noch mal, warte….Peter, ja Peter“. Peter begeistert: „Ja ich bin’s Peter.“ Ingrid: „Goa 1990, Mensch du warst ja damals mit deiner Freundin in Goa und ihr hattet zusammen eure Malerei.….“. Peter: „Ja das ist 25 Jahre her. Und du, bist du noch beim Fernsehen, drehst du noch Forsthaus Falkenau?“ Ingrid: „Nein, die Serie gibt es nicht mehr, vor 2 Jahren war die letzte Folge“. Peter: „Oh, schade“. Er blickte zu mir rüber, dann wieder zu Ingrid und lachte: „Die ist in ihrem eigenen Film, die reist jetzt erstmal schön. Das kann was dauern. Weisste noch wir damals mit unserem LSD Trip? Ach das waren Zeiten.“ Ingrid wiederholte mantramässig: „Mensch Peter, Du hier.“  Und Peter echote: „Mensch Ingrid du hier“. Die beiden passten auf mich auf. Ingrid kippte viel Bier in sich hinein. Im Gegensatz zu Ingrid, die in den nächsten 2 Stunden immer betrunkener wurde, veränderte sich mein Zustand nicht. Ich sass immer noch wie eine Salzsäule an der Wand und griff grobmotorisch zur Wasserflasche.  Zu allem Überfluss wurde die Party dann auch gesprengt. Die Polizei stand um 21 Uhr auf der Tanzfläche – nicht wundern: Parties in Goa beginnen 19 Uhr und enden 22 Uhr. Ich bekam Schiss. Ich atmete tief ein und aus, stand mit einem Ruck auf und rollerte so schnell es ging raus runter in den Innenhof und flüchtete in mein Zimmer. Was für ein Film. Wie ein Stein schlief ich sofort ein.

 

PS. Die Geschichte trug sich 2015 1 zu 1 so zu. Auch wenn das Kiffen  1 Geschichte geliefert hat: Für mich gilt: „Drugs don’t work!“ Das nächste Mal besser einen Kasten OM Rock einhauchen.

Mucho Love, Yvi

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„I wanna make dogcatching sexy!“ Rani & I Love Goa Dogs

Rani an ihrem Schreibtisch

Ich bin nach Goa gekommen, um das zu tun, was Hippies tun. Tanzen, Singen, Yoga. Hier sitzen sie am Strand in Brezelstellung, singen Hare Krishna, spielen Flöte, streicheln sich die Haare und tanzen bis die Wolken lila sind. Nix dagegen, aber ich mache jetzt Urlaub vom Selbstfindungstrip und widme mich den Menschen, die ihr Leben anderen widmen. Diese Reihe beginnt mit Rani: Sie kümmert sich seit neun Jahren rund um die Uhr um Strassenhunde in Goa. Einer davon ist, Nina, eine weisse Hündin mit nur drei Beinen. Sie war jeden Tag beim Ecstatic Dance Festival dabei, an dem ich teilnahm. Dort hüpfte sie vergnügt umher und so erfuhr ich von Rani, dass sie sie damals rettete. Nina geht es gut, sowohl bei Rani als auch am Strand, denn während der Saison kümmern sich auch Touristen um die Fellnasen – bis Mai, dann kommt der Monsun, die Touristen verlassen Goa, die Hunde bleiben zurück und verhungern. Rani war vor 15 Jahren auch so eine Touristin, die vor dem Monsun flüchtete, als sie nach Goa zurückkam, erlebte sie einen Moment, der alles änderte. Seitdem hält sie die Stellung, auch in der Monsunzeit. Mit ihrer gemeinnützigen Organisation: I LOVE GOA DOGS.

Rani am Schreibtisch
Nina ist immer gut drauf auch ohne viertes Bein.

Bevor Rani nach Goa kam, arbeitete sie mit ihrem Exmann als Safariguide für reiche Menschen in Tansania. Jetzt lebt sie ein simple life. Ihr Reich liegt an einem Fluss. Unter einem riesigen Dach hat sie Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche – keine Wände.  Sie sagt: „Keine Wände, keine Schuhe, das ist Freiheit!“ Um sie herum hat sie ihre kleine Community bestehend aus Volunteers, die über Mundpropaganda und auch über Workaway den Weg zu ihr finden. Sie leben in Bambushütten und Tipis.

Arambol kann sehr laut sein, ein Partymonster, Ranis Ort dagegen ist eine Oase. Als ich ankomme, schwappt mir eine einzigartige Ruhe entgegen, trotz der ca. 20 Hunde und Katzen und den Volunteers, die aus den unterschiedlichsten Ländern kommen. Finnland, Deutschland, Kanada, Schweden, England, Portugal, Grönland, Brasilien usw.

Alleine in den letzten zwei Wochen hat Rani mit ihren Volunteers 14 Welpen gerettet. Gerade ist Honeybee dazugekommen. Ein kleiner Welpe, der verlassen am Strand lag neben seiner toten Schwester. Ein Musiker fand ihn und brachte ihn zu I Love Goa Dogs. Honeybee hat sich schon nach ein paar Stunden eingelebt und bekommt von allen viel Liebe. Rani versucht eine neue Heimat für die Tiere zu finden, gibt sie aber nur fort, wenn sie nicht als Wachhunde oder für ähnliche Aufgaben missbraucht werden. Sie sieht ihren Ort als Busstation: Hier peppelt sie die Hunde auf, gibt ihnen Essen und Medizin, bringt sie zum Tierarzt und zur Klinik zum Sterilisieren.  Am liebsten hätte sie eine Klinik und eine Dogcatching-Ninjaschool. Sie möchte am liebsten den tätowierten jungen Typen, die nur am Strand von Goa rumhocken und Mädels hinterherschauen, entgegen rufen: „Hey mach dich mal nützlich und fang mal einen Strassenhund ein, das ist sexy!“ Sie finanziert ihre Arbeit durch Spenden – am liebsten wenn man sie persönlich vorbeibringt und eine Weile bleibt. Wie eine Russin, die jeden Tag kommt und den Hunden das Fell kämmt oder wie Tobi aus Süddeutschland, er macht eine halbe Monatsmiete locker für I Love Goa Dogs. Rani ist überglücklich und macht ihm einen Tee. Zum Trinken kommt er nicht: Ranis Telefon klingelt unentwegt, wieder ein Notfall: Jemand sagt ihr, dass ein Welpe gerettet werden muss. Weil sie mit mir sprechen will, und Igor, der Haupt-Dogcatcher aus Brasilien gerade nicht da ist, springt Toby ein und fährt los, um den Welpen zu retten.

English version:

I came to Goa to do what hippies do. Dancing, Singing, Yoga. I took part in Ecstatic Dance Festival and there down by the beach I met a lovely three-legged dog. Nina. People told me that Nina was rescued by Rani, a woman who is taking care of street dogs in Goa/ Arambol since 9 years. Rani dedicates her life to the animals. 15 years ago she came as a tourist to India, made dog friends and left like all tourists do in may when the monsoon comes. When she returned she experienced a moment that changed her life.

Before she founded I Love Goa Dogs, she worked with her exhusband as a safariguide for rich people in Tansania. Now she lives a simple life. Bedroom, living room, kitchen all under 1 roof, no walls. Rani says: „No walls, no shoes, that is freedom“. Her space down by the river is beautiful with very soft and gentle energy, although there live about 20 dogs and 10 cats. She is sourrounded by her community. People from all over the world find their way either via workaway or  just hear about her and wanna learn more. Like a russian lady, she comes everyday to comb the dogs. Or Toby from Germany. He took part in the Dance Festival next to Ranis place and donated half of his monthly rent to her and her work.  In the last two weeks she and her volunteers rescued 14 puppies. She sees herself as an animal bus station and wants to find loving homes for the animals. Ranis dream is to have a clinic and a Dogcatching-Ninjaschool. „I am trying to make dogcatching sexy. Cause there is lot’s of guys around here who just sit on the beach with a lot of tattoos, I wish they would come and catch some dogs. That is real ninja work.“  Toby has tattoos and he will rescue his first puppy now. When he arrives to drink a tea, Rani gets an emergency call: a puppy to be rescued. As Igor, her main dogcatcher from Brasil, is not there at the moment, Toby gets on his bike to bring it to I Love Goa Dogs. Rani is happy and has time to talk to me.

Rani im Gespräch // Interview with Rani

Yvi: Rani when I was at the beach at my Dance Festival there was a white dog with three legs, Nina, and people told me about you, that you took care of her and also of many other dogs, that are in need here in Goa-Arambol. How come?

Rani: Well. I came here 15 years ago as a tourist and made some dog friends, but I didn’t help them much. I didn’t feed them but I had some friends who looked after me, dogs that came and visited me. And then I walked away in the monsoon like all the tourist do, left the dogs and really didn’t think about them. It was actually two I made friends with: it was a mum and a baby, a big puppy, and when I came back, the big puppy was starving, Mama was gone and probably dead, the puppy still didn’t want any food, she just wanted love and I promised her that I will not ever let it happen again (tells it with tears)….. yeah I am still quite emotional about it.

Yvi: You are 15 years later still touched by it.

Rani: Yes, there is her picture.. there she is. (Rani points at a closet with a painting of a dog). That is her in heaven, she stayed with me for 14 years. Her name is Muty (means mother).

Yvi: So it started with her.

Rani: Yes then I helped her and made sure she was okay and I got her really strong, she became the alpha female of my little orphanage, she was the queen of my place and since she died two years ago it is different. When I met her and helped her I just realized that the animals need help. So I started to help them and the more I helped them the more I realized they need help, so it just keeps on going. I started feeding them also in the monsuun. And then I met quite a few people that also got activated and there is quite a few more people helping now which is great, it is still not enough, but there is more people over the time.

Yvi: You are always very busy.

Rani: I am highly activated. I can smell when there is a dog, I might see a shadow and I know there is something going on. People come and see me. And then they get activated.

A low level of activation is watch, calling me. But you can actually do more, pick it up. And look after it, take it to the vet yourself and take it home… So there is all different levels of activation and it is always nice when people get inspired and do more. You know 5 minutes ago a man,  Toby, he has come for donating money and a cup of tea and he has just gone to help us to rescue a puppy, because I am talking to you. Good for him, He is helping a wounded puppy. He is doing something real.

Yvi: And you are living here in this beautiful place at the lake, your „house“ is like a shala, it is open..

Rani: with no walls.

Yvi: Living without walls, what does that mean about your life?

Rani: Oh. It is beautiful it is luxury  – no walls and no shoes. That is nice. It is freedom.“

Yvi: A lot of people are here with you, seems a chilled place with very nice vibe and good simple life:  What was your last happy moment?

Just recently seeing my friends. It is always about friends. I live in a community I got volunteers helping and they do fantastic. And having old friends come back is amazing, I just had a friend, I call her pussycat, and I have got Maria over there in the hammock. So having old friends is always fine.

Yvi: You meet people here through the dogs and they come back?

Rani: A lot now, that is what happens nowadays. I think most of my social life has to do with animals now.

Yvi: What does happiness mean to you?

I am happy when I rescue animals that are in stress, I am happy when I find them a home. I am happy when I meet kind people, cause there is a lot of bad people out there, that are cruel. And then just living in Goa, it is a beautiful place to live and even if it is changing which it is quite fast, there is still quite a beautiful spirit and freedom here.

Yvi: Rani: Where do you come from and where is home for you?

Rani: I was born in Africa. We lived in quite a lot countries before I was about 20, I think maybe 11 or 13 countries. My father is from South Africa my mother from England. I am a little bit african, a little bit english, a little bit autralian and a little bit oriental, because I was a teenager in south east asia so I have some oriental sensitivity sometimes. And then I have 15 years in Goa. It is an own planet. Very international place.

If someone asks my address it is quite funny anyway, because I don’t think there is a address here, I live by the river, you have to put my landlords name and the village.

Yvi: And you stay here even at monsoon time that must be very hard all the rain coming down all the tourists go away and the dogs are still here, they need someone to help them to survive?

Rani: I mean it is a great honor to help them. And also the thing is I open my eyes so I can’t close my eyes. You know I could go, but there is not really anyone else helping them which is shameful. So I can make a difference, I can reduce some suffering, that makes me happy. It is a beautiful thing to be in service.

 Yvi: Do you know how many cats and dogs are living with you right now?

Rani: No I don’t count, it is better for me.  But two weeks ago I decided to count how many puppies are rescued in 2 weeks. 14 and 2 died. But if I think about it that I just rescued 14 puppies, it is quite worrying. Cause when I haven’t got home for them it is another 14 dogs and so so and so on. So it is better just to do it and not count.

Yvi: You rescue the dogs, you give the first treatment, you give them food and then you try to find people that adopt  them?

Rani: I am just a puppy busstation. I want them to go and want them to find homes. And even though they are really happy and fat and relaxed lying on our couches and eating our couches (laughs), they are still better to be in their own home, you know, be king of their own castle.

Yvi: How are you working, you have many volunteers here also via workaway, they come here spent some weeks?

Rani: It is changing all the time. Sometimes people just come anyway. There is a russian lady she speaks no english, she comes everyday and combs the dogs. Now it is abundant-time, there is people around, people want to ƒa a

help, but it is not easy all the time, because if they are not trained they can’t go and catch a dog. Or they don’t know how to drive in India, so they can’t drive a car, so it is quite limited also in what they can do. If we had experienced animal carers or a vet or a vetnurse… I am obviously very greedy, I would like to expand, we should have a clinic. We drive 34 kilometers to the clinic, that is terrible.

Yvi: You want to have a clinic here in Arambol?

Rani: I do! I would love to have a clinic!

Yvi: What are your skills?

Rani: I am only skilled at basic stuff, I am a god dogcatcher. I am trying to make dogcatching sexy. Cause there is lot’s of guys around here who just sit around on the beach with a lot of tattoos, I wish they would come and catch some dogs. That is real ninja work. I wanna make a dog catching ninja school, that is my dream. Cause I am 56 I am quite slowly now. When I was 20 I was twice as fast. You need to be fast when you catch dogs. It is a wonderful ninja school. It is quite exciting, when you get them it is like „wow, fantastic“ and then you saved their lives. We catch a lot of dogs to sterilize them, because there are so many puppies around so we try to sterilize all the animals, and even though it does feel like we are not getting anywhere, ƒbecause there is more and more and more, there is also less and less, and also you have to do what you can do. Right? Don’t think about it, just do what you can do. And hope that other people come and do what you do, and hopefully we change the world, and change the way people think and make it sweeter for animals!

Yvi: Are you going to stay here forever?

Rani: Well I don’t know, I thought I would give five years, I mean I have already given quite a few years, i thought I would give five years with the dream that at the end there is a clinic. And that was a year ago, and I haven’t gone any closer, I have gone backwards, so I think I need a team that manages and business people, we need money sure, then we need people to help organize it. But if you look around the world there is lot’ s of people like me that start just one person. And these organisations grow bigger and bigger and bigger. And become really affective and powerful. Come on guys come and help us!

Der Kontakt zu Rani und I Love Goa Dogs:

https://www.facebook.com/ILoveGoaDogs/

I Love Goa Dogs  ist auch sehr beliebt bei workaway:

https://www.workaway.info/368143938752-de.html

Ranis has a beautiful voice, listen to the interview here:

https://soundcloud.com/yvonne-struewing/i-love-goa-dogs

 

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