Bekifft in Goa

Alles, was ich noch konnte, war in Zeitlupentempo mit meinem rechten Arm nach links zur Wasserflasche greifen und einen Schluck Wasser trinken.

Ich sass auf einer Goa-Hippsterparty. Ich war eingeladen, weil ich einige Streetartkünstler zu Beginn meiner Reise kennenlernte, die Teil der Party waren und ich zudem nebenan wohnte. Den ganzen Tag über waren wir unterwegs gewesen, hatten uns mit einer Motorbiketour ihre Graffitis und Murals angesehen, die sie über Goa verteilt hatten. Die Sonne, das Kucken, das Rumfahren hatten mich müde gemacht. Sehr müde. Keine gute Voraussetzung für eine Party. Früher hätte ich in so einer Lage ein paar Bier getrunken, die die Müdigkeit weggeschubst hätten. Weil ich damals aber gerade ein Experiment machte – keinen Tropfen Alkohol für 1,5 Jahre –  wollte ich keine Ausnahme machen, auch nicht für eine besondere Hippsterparty in Goa. Also versuchte es mit einem Kaffee. Er wirkte nicht, das war ein schlechtes Zeichen. Neben mir sass ein Inder mit einem Joint. Ich habe nie Drogen genommen, bis auf Bier und 1 Erlebnis mit Kiffen, das war mit 16 und ich stellte fest, dass das nix für mich ist. Aber 16 war lange her und ich dachte: „Ok: Vielleicht wirkt es ja jetzt anders, könnte ja sein, dass ich wach davon werde.“ Hahaaa, ja ich weiss. Ich zog also drei Mal daran und machte mich auf zur Tanzfläche.

Nach kurzer Zeit erwischte ich den Beat nicht mehr. Ich war zu langsam, und er zu schnell, kam mein Fuss am Boden an, war der Beat schon weg. Mein Körper fühlte sich an wie Knete. Ich setzte mich schnell an eine Wand. Beats flechteten in meinen Ohren schöne Klangteppiche, auf einmal verstand ich wie Tracks sich zusammensetzen. Neben mir unterhielten sie sich und ich hatte das Gefühl hautnah dabeizusitzen. Vor mir tanzte eine schöne gazellenartige Yogalehrerin, ich sah ihren Bewegungen an, dass sie auf der Suche war nach einer Romanze für die Nacht.  Mich sprach eine ältere Frau an, ob alles in Ordnung sei. Ingrid aus Deutschland. Ich wollte sagen: „Nein“, aber konnte es nicht, mein Mund war wie zugeklebt. Sie gab mir Wasser und irgendwie schaffte ich es dann doch ihr zu stecken, dass ich drei Mal am Joint gezogen hatte. Sie sagte: „Keine Sorge, ich pass auf dich auf, in einer Stunde fühlst du dich wieder normal.“ Ich spürte jeden einzelnen Muskel in meinem Rücken, wie verspannt ich doch trotz meines bekifften Zustandes war. Ich war sauer auf mich, dass ich so doof war, daran zu ziehen und jetzt die ganze Party an mir vorbeirauschte. Ein älterer Mann kam dazu: Er fragte: „Ingrid bist du es?“ Ingrid: „Ja. Ach wie heisst du noch mal, warte….Peter, ja Peter“. Peter begeistert: „Ja ich bin’s Peter.“ Ingrid: „Goa 1990, Mensch du warst ja damals mit deiner Freundin in Goa und ihr hattet zusammen eure Malerei.….“. Peter: „Ja das ist 25 Jahre her. Und du, bist du noch beim Fernsehen, drehst du noch Forsthaus Falkenau?“ Ingrid: „Nein, die Serie gibt es nicht mehr, vor 2 Jahren war die letzte Folge“. Peter: „Oh, schade“. Er blickte zu mir rüber, dann wieder zu Ingrid und lachte: „Die ist in ihrem eigenen Film, die reist jetzt erstmal schön. Das kann was dauern. Weisste noch wir damals mit unserem LSD Trip? Ach das waren Zeiten.“ Ingrid wiederholte mantramässig: „Mensch Peter, Du hier.“  Und Peter echote: „Mensch Ingrid du hier“. Die beiden passten auf mich auf. Ingrid kippte viel Bier in sich hinein. Im Gegensatz zu Ingrid, die in den nächsten 2 Stunden immer betrunkener wurde, veränderte sich mein Zustand nicht. Ich sass immer noch wie eine Salzsäule an der Wand und griff grobmotorisch zur Wasserflasche.  Zu allem Überfluss wurde die Party dann auch gesprengt. Die Polizei stand um 21 Uhr auf der Tanzfläche – nicht wundern: Parties in Goa beginnen 19 Uhr und enden 22 Uhr. Ich bekam Schiss. Ich atmete tief ein und aus, stand mit einem Ruck auf und rollerte so schnell es ging raus runter in den Innenhof und flüchtete in mein Zimmer. Was für ein Film. Wie ein Stein schlief ich sofort ein.

 

PS. Die Geschichte trug sich 2015 1 zu 1 so zu. Auch wenn das Kiffen  1 Geschichte geliefert hat: Für mich gilt: „Drugs don’t work!“ Das nächste Mal besser einen Kasten OM Rock einhauchen.

Mucho Love, Yvi



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