Ein Junge lag gestern mitten im Touristenviertel Thamel auf dem Gehweg. Dem Viertel, wo Verkäufer jeden scannen und auffordern zu kaufen. Auf diesem Gehweg vor diesen Läden lag dieser regungslose Körper. Das Gesicht am Asphalt. Ich schaute hin, überlegte und ging weiter. Wie alle anderen. Dann zog es mich zurück. Ich fragte im Laden, vor dem der Junge lag, was zu tun ist. Eine Nepalesin kuckte mich beschämt an, und erklärte mir, der Junge käme jeden Tag. „Er kommt also jeden Tag, um bewusstlos auf dem Gehweg zu liegen?“ fragte ich. Sie bestätigte. Ich besorgte was zu essen und zu trinken – Traubensaft, Kekse. Wasser. Und kontaktierte Diana Weinert. In Pokhara am Fusse des Himalaya lernte ich sie kennen. Sie kümmert sich ehrenamtlich und auf Eigeninitiative um Strassenkinder in Nepal. Sie gab mir den Kontakt zu einem Kinderhilfswerk in Kathmandu. Ich rief an. Skeptisch aber freundlich wiesen sie mich darauf hin das Dropcenter in Thamel anzurufen. Das wiederum bat mich, die Polizei zu kontaktieren. Zum ersten Mal in meinem Leben wählte ich 101 und nach einigen Minuten Verständigungsschwierigkeiten – „Engliiiiiiish please!“ kapierten sie, was los ist und wo sie hinkommen sollten. Ich wartete und beobachtete die vorbeigehenden Menschen. Eine Asiatin, im Superfashionistastil hielt an, zog ihren Lippenstift nach, machte ein Selfie und registrierte dann, dass vor ihr ein Junge mit verdreckt-zerfetzten Klamotten am Boden lag. Sie schenkte ihm gefühlt eine halbe Sekunde, glotze dann wieder ins Smartphone und ging schliesslich weiter. Eine ältere Dame schlug die Hände vors Gesicht und sagt „Oh my God, my heart breaks!“ Ihr Lover stand ratlos wie ein kleiner Junge hinter ihr. Ich forderte beide auf zu bleiben und zu helfen. Sie gingen weiter. Viele, die die Strasse entlang schlenderten, nahmen den Jungen wahr. Dann stoppte jemand und blieb. Ein Nepalese. Er weckte den Jungen auf. Benommen setzte er sich halbaufrecht hin, sein Gesicht kam zum Vorschein mit einer Wange, die von starken Asphaltabdrücken gezeichnet war. Ich sprach mit ihm, der Nepalese übersetzte. Er heisst Ruslan, ist 11 Jahre alt und hat keine Eltern mehr. Er ist Klebstoffabhängig wie so viele der tausend Strassenkinder in Kathmandu. Sein Blick war milchig-stumpf und schon wieder im Suchtmodus nach dem nächsten Zeug, das seinen Schmerz platt machen soll, darüber, dass familiäre Liebe ihm enthalten bleibt, und dass die meisten Menschen wegschauen. Während er die Herzenkekse verschlang, die ich ihm pathetisch mitgebracht hatte, ahnte er langsam, dass was im Busch war. Die Polizei kam und fuhr mit ihrer fetten Karre an uns vorbei. Ich rief hinterher, aber sie fuhren zu schnell. Dann ein Anruf von ihnen, wo ich denn mit dem Jungen sei. Ich bat sie zurückzufahren. Das machten sie und der Junge checkte die Lage und rannte fort. Erst wankend, dann immer schneller. Er liess Wasser und Saft stehen, die Herzchenkekstüte nahm er mit. Die Polizei kam zwei Minuten zu spät, die vier Beamten fragten mich, ob der Junge ernsthaft – also lebensgefährlich – verletzt sei. Ich sagte ihnen, dass er benommen und mit geschwollener Wange am Boden lag. „Ach, er ist süchtig. Da ist nichts zu machen“ erklärten sie nüchtern mit verschlossenem Herzen. Mitleid spürte ich nicht, dafür mir gegenüber etwas Hohn, dass ich mich um so“was“ kümmere. Ich versuche das nicht zu werten und weiss, dass es unglaublich viele dieser Strassenschicksale gibt. Da müsste die Regierung anpacken mit Geld, Power und Herz.
Diana Weinert aus Köln hat Power und Herz. Sie kommt immer wieder nach Nepal, um Strassenkindern zu helfen.
Jetzt verstehe ich sie umso mehr, warum sie sich einsetzt. Als ich sie vor einigen Wochen auf der Strasse in Pokhara kennenlernte, erzählte sie mir von Ashish, einem Jungen, der am See lebt. Seine Klamotten sind nicht ganz so dreckig und zerfetzt wie die von Ruslan und er scheint auch nicht drogenabhängig zu sein. Noch nicht. Er ist 9 Jahre und von zuhause fortgelaufen. Sein Vater ist alkoholabhängig, die Mutter mit einem anderen Mann fortgegangen. Ashish ist wie ein wilder Hundewelpe. Er lässt sich nicht bändigen. Gefühlt alle Langzeittouris, die sich in Pokhara niedergelassen haben, kennen den Jungen. Er hüpft auf Tischen, rennt umher, reisst einem die Kopfhörer von den Ohren, jammt mit den Hippies und schaut einen mit feurig-begeisterten Augen an.
Diana versucht seit vier Wochen diesen Jungen in ein Kinderdorf bei Pokhara zu bekommen, wo er leben und lernen soll. Sie tut alles dafür Ashish eine „Ausbildungs-Heimat“ zu geben, fuhr immer wieder in den letzten Wochen stundenlang Bus zum Dorf des Vaters, um Papiere zu besorgen, die sie für den Antrag einen Platz für ihn zu bekommen benötigt. An einem Morgen durfte ich sie dann zum Kinderdorf in Bhakunde bei Pokhara begleiten. Ashish sollte auch mit, der war aber wieder verschwunden. Wir gingen also ohne den Jungen dorthin.
Wenn er wüsste wie schön es dort ist, wäre er nicht schon wieder abgehauen. Ein Deutscher betreut dieses Kinderdorf mit seinem „Freundeskreis Nepalhilfe e.V.“ Gelegen in schöner Landschaft mit Garten, Gemüseanbau und Tieren, leben hier aktuell 80 Waisen, Halbwaisen und Kinder aus schwierigen Elternhäusern. Ein guter warmherziger Ort, der den Kindern eine Heimat gibt, von wo aus sie nach Klasse 8 gestärkt und vollgetankt mit wertvollem Wissen weiterfliegen können. Oft auch mit Medaillen und Pokalen. In Karate sind sie spitze. Wie eine 16-Jährige Nepalesin, die mittlerweile in Pokhara lebt, aber regelmässig zu Besuch kommt, um Lehrer Betreuer und Kids wiederzusehen. Es ist eben Familie. Bedenkt man, dass die Hälfte der über 14-Jährigen Nepalesen Analphabeten sind und nur die Hälfte der eingeschulten Kids den Grundschulabschluss schafft, ist das Kinderdorf eine grosse Chance.
„Wie benehme ich mich mit den Nachbarn?“ ist der Unterrichtsstoff
Wir haben die Klassen besucht, alle waren total vertieft im Unterricht: Sie lernen: „Wie benehme ich mich den Nachbarn gegenüber“ oder Wertschätzung: „Wie führe ich ein Gespräch mit meinem Partner?“ Ich dachte, wenn sie aus so krassen Verhältnissen kommen, sind sie vielleicht schwer zu bändigen. Das Gegenteil war der Fall. Sie hatten so Bock aufs Lernen. Nach dem Pausengong dauerte es noch zwei Minuten bis sie die Bücher zuschlugen. Auf dem Schulhof zeichneten sie in mein Heft, einer nach dem anderen. Bangitay, ca. sechs Jahre, zauberte mit dem Bleistift ein Mädchen aufs Papier, wunderschön. Ich fragte ihn, ob er mehr malt und mir was zeigen kann…Am Ende der Pause steht er schüchtern weit von mir entfernt in der Ecke und hält ein Bild in seiner Hand. Ich gehe auf ihn zu und sehe wieder eine Zeichnung von einem langhaarigen Mädchen mit geschwungenen Formen.
Ashish ist im Kopf schon wieder unterwegs
Diese Kinder sind besonders.Vielleicht haben sie begriffen, was es bedeutet hier lernen und leben zu dürfen.
Nachtrag 2021: Ashish geht jetzt in die Sahara Academy, lernt fleißig und spielt viel Fußball!
Wenn ihr das Kinderdorf mit den Kids supporten wollt, dann könnt ihr spenden oder Patenschaften übernehmen oder sogar Mitglied werden im Verein. Ihr findet alles, was ihr wissen wollt auf deren Seite und ein schönes Video von der Atmosphäre.
Wenn Diana nicht gerade Strassenkindern hilft, dann bastelt sie Reisen zusammen, um Menschen Nepal näher zu bringen. Mit Kinderdörfern, Homestays und Gegenden, die Tourifrei sind. Informationen zu Dianas Reisen stecken hier.
Alleine reisen ist toll. Man hat die Gelegenheit noch einmal gründlich durch eine Charakterschule zu gehen und lernt sich immer wieder neu kennen. Ich liebe es, auch mich immer wieder meinen Ängsten zu stellen. Aber für mich gibt es Grenzen. Während ich keine Probleme damit hatte, alleine mit Zug und Nachtbus durch Indien zu zuckeln, zitterten mir die Knie bei der Vorstellung alleine im Himalaya zu trekken. Einige sagten mir, ich wäre ein Schisser. Ja, die Vorstellung alleine durch die Berglandschaft zu laufen, fand ich mega, aber die Info, dass alleine trekken das Einzige ist, was man in Nepal NICHT machen sollte, bremste mich. Auch die Info, dass Menschen verschwinden und/oder in den Bergen sterben. Seit Februar fehlt jede Spur von einer Französin, die alleine los ist zum bekannten Poonhill Trek. Für mich war klar: Alleine mache ich das nicht. Durch Zufall traf ich Trijntje aus meinem 10 Tages Vipassana Meditations Kurs wieder. Mit 18 Jahren ist sie schon alleine den Annapurna Circuit gelaufen. Jetzt ist sie 19 und möchte im Sommer mit ihrem Studium beginnen: Lehrerin werden für das Fach Lebensanschauung / Levensbeschouwing. Dass sie vorher noch einmal 5 Monate alleine reist, ist perfekt, um ihre Gardinen noch weiter zu öffnen. Trijntje liebt es nicht nur viele Menschen kennenzulernen, sie steht auch total darauf, sich ihren Ängsten zu stellen am besten mit Abenteuern. Als ich sie treffe, ist sie dabei, eine Wanderung zu planen in eine der isoliertesten Gegenden Nepals, hochgelegen im Nordwesten. Mit Zelt. Ich bin beeindruckt und deswegen bekommt sie einen Platz hier. Nach dem Gespräch beschliessen wir, dass wir erstmal zusammen den berühmten Poonhill ansteuern und Trijntje dann alleine weiter zum Annapurna Basecamp wandert, dem ABC, als Warm Up für ihren abgefahrenen Wunsch-Trek.
1 Woche später nach dem Gespräch am Poonhill auf 3210 Meter Höhe. Trijntje ist der perfekte Trekkingbuddy für mich.
ENGLISH
Traveling alone is wonderful. You have the possibility of getting to know yourself better in different situations. It is a school for facing fears and shaping your character. I love it, but I have my limits. I had no problem traveling alone by nightbus and train in India, but the idea of trekking alone in the Himalayas in Nepal made me trembling. Some people said that I worry too much, but as I got the information, that only one thing you should not do in Nepal is Trekking Alone, I really feard it. I mean I would love to walk alone through the mountains, but this information and the one about people that are still missing and or dead, were big warnings for me. Since February a French woman, that was very experienced with trekking is missing, she did the popular Poonhill Trek. So I came to the conclusion I will not go trekking alone. Per coincidence I met Trijntje again, she is from my Vipassana Mediation course that I did for 10 days. With 18 years she did the Annapurna Circuit alone. Now with 19 she is going to study soon. In summer she will start to become a teacher in Levensbeschouwing, means worldview. That she is traveling the world now for 5 months is perfect to expand her horizon even more. Trinjntje loves challenging herself and overcoming fears. She is very cool with the world. When I met her in Pokhara she was planning her trek to a remote area with a tent. This time she looks for a partner. I am impressed. After the talk we decided to go together to the popular Poonhill Trek and Trinjntje will stay in the mountains alone for doing the ABC, Annapurna Basecamp as a warm up for her maybe upcoming extraordinary trek. I could not have imagined a better buddy than her.
INTERVIEW
Yvi: Who are you?
My name ist Trijntje Van de Wouw. I am living in the Netherlands. I am travelling in Nepal starting 1,5 months ago and I have like 4-5 months still to travel.
Who I am? That is always a good question. I am a girl who likes adventure, nature, poetry, words, outdoor, meeting people and have nice conversations.
Yvi: When it comes to poetry and words, which sentence do you have in mind now? Maybe you just read something and you thought: “Oh that is great!”
Actually there is one coming in my head, because I just read it 2 days ago. It is “Your soul is the whole universe.” (Trijntjes version from Your soul is the whole world in Siddhartha written by Hermann Hesse). I really like that one, because it is true like everything is inside of you, it is all inside the frame of the body, everything is happening there. If you are feeling good or sad, it is all inside your body.
Yvi: What is your current mood?
My current mood is not so good, because I have been thinking a lot the last 2 days and now I realize how calm and relaxed I was the days before. Now I feel very busy in my head and a little bit anxiety of what I going to do next, about the trekking I want to do.
Yvi: This upcoming project gives you a lot of worries, what is it?
Yeah it is fear. I want to do something that I really really want to do. Trekking in a remote area of Nepal.
Yvi: Why?
I always want to do something unique and to challenge myself more and more. Because if I challenge myself and I do it, I feel good. Maybe it is a little bit my ego, but I also want to go to this special area, because of the Tibetan Buddhism. But I am fearing it, because I don’t want to go alone, and I know I can just go there and meet people just as I did it with the Annapurna Circuit, but in this area named Dolpa there are not a lot of people walking, I don’t know if it is smart to go there, and it is also camping – you don’t meet people for 6 days you need to have your own food – it is a lot for someone who is not so experienced as me.
Yvi: You have already faced some fears in your young life with 19 years. When did you do the Annapurna Circuit?
I just became 18. I had to go for an internship for my study and I just wanted to do something really cool and challenging again. I went on an internship on a rafting company, an outdoor activity company, and after that I had time to travel and so I wanted to do the Annapurna Circuit, but I did not have a lot of fear for that.
Yvi: Why challenges like that?
I had a good childhood for sure, but I struggled with some things and maybe this is also something that makes me stronger, because I know what real fears are, maybe. I had OCD (obsessive-compulsive disorder), I thought a lot, I was overthinking, it is a mental disease, you are obsessed with thinking with things…. When I was younger I was obsessed with counting stairs for example and if you do not count than something is happening… Then I grew over it, and it was gone. But with 14 – they say there are things that can trigger you and let it come back – so at 14 I had it again, much worse. In my head I had to think about things obsessively, it was awful! I did not tell anyone, it was just in my head for 3 years. I did not dare to tell anyone, because I thought nobody will understand me. In that time I had lots of fears and I became stronger and stronger, because I was overwilling this mental thing. And because of that I dare to do a lot of things.
Yvi: So how was the Annapurna Circuit Trek – alone?
Amazing, I started alone. The first 3 days I was alone, there were some people on that trail, but I was, like “Oh that people are not so nice, let’s walk alone, I will meet best people later maybe”. So first 3 days I was alone, it was ok. But after that I got fear like telling me ”You go to the 3000 meters, you need to meet someone, you can’t go alone“. And after few days I met the best people ever, we had the best journey, we walked together for 2 weeks, and we had so much fun. I like the lifestyle like waking up very early, have breakfast and then walk the whole day with great people and then you have the best conversations, because you have time, you walk and around you is the best nature and then you stop walking around 4 pm in the afternoon and then you play games and eat and go to bed early. I love that!
Yvi: Have you ever been in a risky situation where you thought “Ok now it’s enough!”?
Yeah on the Annapurna Circuit Trek one time when I walked alone the first days. I got a little bit lost and then I asked a Nepali man “Hey where should I go?” and there was a dark tunnel in front of me and he walked me through it and he took my hand and he said like “Oh kiss, kiss” and then I was like “Shit: I have to be alert, this is not good.” Nothing happened luckily.
Yvi: The feeling must be great to do the Annapurna Trek, overcoming fears and more and more overcoming fears.. how come that you are with 19 years also at something like Vipassana (Buddhist Meditation)? It is very strong, it is a heavy discipline, 10 days of sitting and more than 10 hours a day meditation, I mean with 19 years you travel to Berlin, you go to Berghain and to big parties and not to Pokhara in the mountains to meditate. How come?
It is strange. I just feel attracted to these things. I wanna find out what makes us humans feel good. I developed interest in Buddhism after I had travelled to Thailand and Nepal with 18, and I found out that the Buddhist philosophy is the best way to calm my mind. Because I had this overthinking and I was always looking for a solution. I found out that how the Buddhist do things like „Just don’t be attached to something, live in the present“ these kinds of things helped me. So I got to Vipassana, and I found out that this technique is really a thing for me to observe my thoughts, and let them flow away. It is just my curiosity. I heard a lot people saying: „You are only 19 what are you doing? You are an old soul!“ It is an interest of me and I follow it!
Yvi: If you would send to your parents a postcard from here right now what would you write?
Huh, I am getting almost emotional. Oh shit. I have tears you will see it on the cards, the drops. I will say that everything is going good here. That I learn a lot, I learn every day. That I found the Vipassana Meditation Technique that it suits me perfect with my overthinking, and that I am living in the present moment a lot. That I think about them also a lot, distance and time it makes you see things clear. Now I see also – I mean I already knew it – but I appreciate more and more how good they are to me and to everyone and I hope they are happy, that is the most important. For me everything is okay here, but I know that their lives are so different with hurry and doing things that they actually don’t want. I hope that they are happy and they should do what their heart is saying..
Yvi: Thank you so much, Be Happy!
Trijntje: Yes, you too!
Hier geht es zum Interview auf SoundCloud. Trijntje talks on SoundCloud with me about her experiences.
Sí Sí Sí … Jessica Walker ruft dieses Ja Ja Ja so begeistert, wie wenn gerade das entscheidende Tor bei der Weltmeisterschaft fällt. Sie kuckt dabei mit weit aufgerissenen Augen, eine Hand geht zum Himmel, es ist ihre Reaktion auf das, was gerade vor ihr passiert. Jemand erzählt etwas über sich selbst, mal laut mal leise, pausierend und dann radikal offen.
Jessica ist vieles, vor allem ist sie Theaterschauspielerin und Regisseurin. Vor fast 20 Jahren gründete sie in Barcelona die „Laboratorio Escuela“ eine Schule für experimentelles Theater. Hier erforschen sie Körper, Geist und Beziehungen. Das machen sie auch einmal im Jahr in Indien mit dem Soulfest – Arunachala Bhakti Lab in einem kleinen familiären Ashram „Sri Anantha Niketan“. Er ist umgeben von sattgrünen Feldern, in denen Schmetterlingsschwärme wild umherflattern und sich durch keine Laune gestört fühlen – hier sind alle Gefühle herzlich willkommen.
Schlafen in der Shiva Hall
Im Hintergrund macht sich der berühmte heilige Arunachala Berg breit. Er gilt als Manifestation von Shiva, einer der Hauptgötter des Hinduismus, der auch als Zerstörer des Ego gilt. Das Ego, was im Yoga als die Ursache für Angst und Kopfmist ist. Das uns dazu bringt lieber unglücklich zu bleiben, statt was zu wagen, das uns vorgaukelt lieber ein Leben lang die beschilderte Hauptstrasse entlang zu zuckeln statt mal einen Weg einzuschlagen, der ins Ungewisse führt. Tiruvannamalai ist wegen Shiva Pilgerstadt und wegen Ramana Maharsi, dem Guru, der dort 17 Jahre lang in einer Höhle meditierte und sich fragte: WER BIN ICH?
Also wer bin ich ohne mein Ego: Ohne meinen Job, meine Karre, mein Haus, meine Klamotten, meinen geilen Body, wer bin ich ohne Plattenvertrag, ohne Kohle, ohne zehntausend Instagramfollower, ohne Facebooklikes, ohne Freunde, ohne Partner, ohne Familie? Was bleibt da übrig? Ich stelle mir diese Frage öfters auf der Reise, weil ich ja alleine durch die Welt tingle und temporär ohne Wohnung und Job bin. Also gefühlt nackt. Ich merke wie mein Ego zittert und schnaubt und es oft nicht lustig findet, immer wieder fernes Neuland zu betreten.
„Ich sage dir, was Freiheit für mich ist: keine Angst zu haben.“ – Nina Simone, Musikern
Vom Soulfest erfuhr ich in Goa. Da hatte ich schon gut an meinen Ängsten auf dem Ecstatic Dance Festival geschraubt. Der Veranstalter sagte zu mir: „Oh du findest es beim Ecstatic Dance Festival krass, dann geh mal zu Jessica Walker, da geht es ans Eingemachte!“. Und weil ich seit einigen Jahren auf Eingemachtes stehe, wagte ich mich dorthin. Zum Glück warteten weder Esoschischi noch Exzesse auf mich – denn mit beidem kann ich nichts anfangen. Das Soulfest ist ein Spielplatz, bei dem wir uns trauen dürfen uns zu zeigen, wie wir sind. Mehr nicht. Weniger auch nicht.
Am ersten Tag geht es direkt los mit wem Fremden zu tanzen – improvisiert. Ich fühle mich wieder wie mit 14 als ich lieber auf den Boden schaute und nur alleine im Zimmer die Musik aufdrehte. Etwas Scham quetscht sich dazu, aber sie vergeht nach einigen Minuten. Ich merke, wie steif wir als Erwachsene unterwegs sein können, als Kinder rennen wir noch völlig unbedarft auf andere zu und machen wonach uns ist, als Erwachsene schämen wir uns, sind blockiert und müssen uns erstmal Alkohol oder sonstige Mittelchen einverleiben, um locker zu werden. Wir haben Angst davor uns zu blamieren, davor, was die anderen über uns denken könnten. Deswegen schiebt unser Ego lieber einen Vorhang vor unseren Gefühlen, Impulsen und Wünschen statt uns ehrlich sein zu lassen, was wir gerade sind. So ein Spassverderber – und dann verklemmt in der Ecke stehen und auf die Frage „Wie geht’s Dir?“ Ein „Guuuut!“ antworten und vom verkniffenen Mund verraten zu werden, wie es wirklich geht. Scheisse.
Das soll jetzt keine Aufforderung sein, dass wir jedem sagen sollen, was wir fühlen und wie wir uns dabei fühlen… beim Soulfest rennen wir auch nicht rum und binden jedem auf die Nase, dass man gerade eine Wassermelone im Hals stecken hat, aber in einigen Momenten ist Platz: da können wir was sagen oder performen. Sí Sí Sí … Jessica ist immer voll angeknipst und hört zu, alle anderen auch, und oft erkennt man sich selbst wieder durch Empathie. Wir sind schliesslich alle Menschen mit einen Farbkasten an Gefühlen. Bei mehr und mehr Menschen hat der Gefühlskompass aber Wackelkontakt oder ist völlig Schrott. Casper singt in dem Song Keine Angst „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl.“ Durch Schiss vor „negativen“ Gefühlen wie Angst werden sie verdrängt und das Innenleben zu einem dezenten grau glattgebügelt. Wer nicht checkt, dass Neid, Scham, Trauer, Wut und Angst zum Leben dazugehören und gefühlt werden müssen, darf sich nicht wundern, dass auch irgendwann Happy Moments ausbleiben. Freude ohne Trauer ist nicht möglich. Erst heulen, dann lachen wunderbar.
Nähe entsteht durch ehrliche Gespräche. Mit der indischen Schauspielerin Anahat war es immer spannend.
Beim Soulfest geht es um Verbindung zu uns selbst und zu den anderen. Und um Ehrlichkeit. Den anderen nichts vormachen. Am Anfang urteile ich über die anderen Teilnehmer wie ich es auch in Goa gemacht hatte. Und wieder merke ich bei näheren Gesprächen, dass niemand so ist, wie ich dachte. Schon in Goa sass ein vermeintlicher Happy-Sunnyboy vor mir, der meiner Meinung nach selbstbewusst beim Tanzen war und ein Frauenheld. Es kam raus, dass Tanzen ihn total verunsicherte und was Liebe angeht, schwamm er in Kummer. Weil er sich selbst eine Zeit lang nicht ausstehen konnte, hatte er seine Ex-Freundin vergrault. Das sind drei Jahre her. Es gibt kein Zurück. Er liebt sie immer noch und will keine andere. Während er mir das alles erzählt, weint er Rotz und Wasser. Ich bin berührt von so viel Ehrlichkeit und finde das richtig stark. Beim Soulfest passieren ähnliche Dinge. Männer erzählen, wie sie Frauen sehen, dass sie Angst haben, vor Beziehungen vor sich selbst, nicht wissen wie sie das zusammen bekommen sollen – die Partnerin als beste Freundin, Mutter, Liebhaberin – das sind ja drei Dinge auf einmal und oft zwei Dinge zuviel. Frauen erzählen, dass sie gemocht werden wollen und dafür auch mal vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Es kommt heraus, dass fast alle Angst vor Ablehnung haben, nur gehen wir unterschiedlich damit um. Authentisch zu kommunizieren, also zu sagen was Sache ist, ist für viele schwer. Das braucht Mut, nicht jeder hat ihn bzw. ich behaupte: nicht jeder möchte sich die Mühe machen ihn aufzubringen. Einige ziehen sich zurück, andere wählen Auswege. Sie fangen an anderen etwas vorspielen. Das wird dann gerade in romantischen Geflechten schwierig, weil das ja der Ort sein soll für Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit. Und dazu gehören auch Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. Ich selbst habe eine fast zehnjährige Beziehung geführt, in der es nur drei Mal Streit gab, zwei Mal davon wegen Nudeln und Pizza. Das ist lange her und aus heutiger Sicht weiss ich, dass hier stark was im Argen lag. Hinter dem Nudel- und Pizzaberg steckten viele Gefühle, die nicht kommuniziert wurden, und die in erster Linie nichts mit Nudeln und Pizza zu tun hatten. Damals hatte ich keine Ahnung von all dem, ich war wohl selbst konfliktscheu. Am Ende stand ich da mit einem zerfetzten Herzen, das nachhaltig klarkommen musste mit: Liebesschwüre bis zur letzten Sekunde treffen auf Täuschen, Lügen und Betrügen…
Warum ich das so offen schreibe? Weil auch das zum Leben dazugehört. Und weil solche Geschichten immer mehr werden. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass Hollywood in unsere alltäglichen Leben eingezogen ist mit dem Drama von einstürzenden Kartenhäusern, stillen Abgängen und heimlichem Davonschleichen. Im Epilog erklingt dann manchmal noch ein Satz nach: „Ich liebte dich so sehr, deswegen konnte ich dir die Wahrheit nicht sagen.“ Unehrlichkeit, Lügen und Betrügen geschehen niemals aus Liebe, weder zu sich selbst noch zu anderen. Sie entstehen aus Angst und Feigheit, sind egogesteuert und damit das Gegenteil von Liebe.
All das hinterlässt nur Verletzungen, die sehr tief sind und sich wie eine Schneelawine fortsetzen können. Denn der, der aus Angst vom anderen betrogen wurde, hat nun auch Angst und aus Angst wieder so verletzt zu werden, wird er/sie vielleicht das nächste Mal selbst zum angstbesoffenen Betrüger-/in….oder man wird mit seiner neu erworbenen Angst vom anderen Angsthasen als uncool abgestempelt. Und so entsteht all der irre Gefühlszirkus, der nicht nur hippe Grossstädte überflutet, sondern längst auch in die Keller der Kleinstädte gezogen ist. Oder in die Kleingärten. Bevor ich auf meine Reise ging, steckte ich plötzlich wortwörtlich wieder in einem Garten des Irrsinns, der so gar nicht von mir verursacht wurde, sondern von jemand, der behauptet er sei abgestumpft – ein abgestumpfter Angsthase, der dieses „Ich fühl mich wie ich fühl, weil ich nix mehr fühl“ leierte…für ihn ein angeblicher Freifahrtschein für Lügen und Betrügen, mal wieder. Blitzschnell habe ich mich vom Acker gemacht. Ich bin ausgestiegen aus all dem für eine Zeit, denn mein Mitgefühl für all die Angst-Games ist fast leergelaufen, mein Tränenreservoir dagegen nicht.
Auf dem Festival hören wir jeden Tag das buddhistische Mantra Om Mani Padme Hum, es steht für Mitgefühl. Ich habe mal wieder literweise Pippi in den Augen und frage mich, ob es nicht mal langsam gut ist mit dem Rumheulen. Jessica spricht davon, dass gerade romantische Beziehungen immer bis zu einem gewissen Grad toxisch sind. Nicht nur, weil es für viele schwer ist, authentisch zu sein, sondern auch, weil es für viele schwer ist bei sich zu bleiben: sie stecken in Beziehungen wie Verhungernde – statt ein Stück Schokolade will man die ganze Tafel. Der andere soll einen satt machen mit Glück und Geborgenheit im Bauch. Ein Trugschluss.
Wir liegen abends beim Sonnenuntergang im Gras über uns Schwärme mit indischen Königslibellen. Die Flattertiere wirken wie bestellt. Jessica Walker säuselt: „Nacemos, crecemos, nos desarrollamos para desaparecer.“ Wir werden geboren, wir wachsen, wir entwickeln uns, um zu sterben.”
Es wäre schade, zu sterben und dann nur ein Leben geführt zu haben, wo wir den anderen und uns selbst etwas vorgemacht haben. Wir verrotten in der Erde und unsere Angst sitzt vollgefressen auf dem Sofa. Jessica macht uns klar, wie wichtig loslassen ist. Unsere Ängste, unsere Geschichten, unser Denken über uns selbst. „Actualizate!“ – „Update dich“ fordert sie auf. „Zweifel nicht das du dies und das nicht kannst, jeder Moment ist neu, eine neue Chance für dich. Gerade wenn du nach einem Herzbruchwalzer die Scherben alleine aufsammeln musst, ist es wichtig, das diszipliniert und sorgfältig zu tun, dabei kreativ zu werden. „Ohne Heimat keine Reise“ sage ich da immer. Erstmal in seinem eigenen Beet rumbuddeln und sich die Hände dreckig machen, bis es anfängt zu blühen. Dann muss man auch nicht beim Garten des Anderen betteln oder klauen gehen.
Jessica selbst ist diesen Weg gegangen und hat ihre Energie genutzt ein Blumenmeer wachsen zu lassen. Ey so kitschig das klingt, nur so besteht eine aufrichtige Chance einen Gemeinschaftsgarten zu eröffnen, ohne Angst und ohne Anhaftung. Eine einfache Kiste und für viele von uns erst einmal ein steinharter Weg, der vielleicht niemals endet. Aber der Weg ist das Ziel und dabei nicht vergessen immer wieder auf aktualisieren zu drücken:-)
„Ich liebe dich damit du mich zurück liebst“ ist selbstzentriert und ein Mangelzustand. Es ist keine Liebe. „Ich liebe dich, weil ich dich liebe“, klingt viel besser.
Weil Jessica mich so begeistert hat, sprach ich spontan mit ihr nach dem Festival. Auf englisch und spanisch, beide Versionen findet ihr hier. Danke an Camilo Zaffora, Radiokollege aus Argentinien, der mir mit den beiden Sprachen half und der mit Jessica das Festival organisiert. Wer das Gespräch auf deutsch möchte, meldet sich gerne bei mir.
Mucho Love, Yvi
Obwohl Jessica so viel weiss und kann ist sie null Ego. Noch nie habe ich einen so präsenten, klaren, warmherzigen, begeisterten und gleichzeitig unaufgeregten Menschen wie sie kennengelernt.
INTERVIEW mit JESSICA WALKER
Yvi: It happened to me that I met you in this place and you are talking about relationships for one week. Relationship is the essence of life, no?
Jessica:Relationships is everything. Everything in this dream. I am committed to spirit, that motivates me to walk the path of relationships. How to improve our quality of life? Our love for ourselves? And for silence. How to lead a relationship with the essential.
Yvi: I have the feeling when I talk to my friends or to my family that relationships give you a lot of pain.
Jessica: It is a game, the game of where do you put your eyes. We put pain, where there is no pain, guilt where there is no guilt, or envy, or violence, our mind is lost, distracted, sick, it is very easy to lose ourselves there.
Yvi: So I cannot lose myself when my exboyfried cheated on me in a very sick way?
Jessica: Yes, we can lose ourselves, but the question is how long and how much time you want to keep yourself there. And the definition of it is toxic.
Yvi: Why?
Jessica: Because we talk about princess and the prince on the white horse, that saves your life. We search for someone that saves our lifes. We think: “If you are not with me, I will kill myself. Or I kill you”. It is an antigue system of possession.
Yvi: I remember you said, CREAR – after a heartbreak start to create something. It is not sufficient getting up, having breakfast and going to work. When I had a broken heart I started to smoke, I drank beer, I just worked and I stayed in bed when I did not work, now you come and say create.. so how?
Jessica: Create is the prayer of the spirit of god. Create es un walk, a path, a dimension of healing, impressive for us human beings. It is the way to come back home. It is a way to not stay in the toxic. Create saves us from the toxic. It raises our vibration, it changes our color, it invites us to become new, it makes us to want to live. To be connected with life, creation is life.
Yvi: And when you are damaged it is work. You really have to work on yourself.
Jessica: A lot, but with compassion, in a loving way, with patience, you give yourself time, space, it is a rebuilding of your core-self that is broken. When somebodys heart is broken, you don’t have many tools, the connection with the big mystery gets lost. We lose it like our confidence, the trust, the path, we don’t know where to go, we are lost without a direction. If you don’t have a committed training, it is very complex. To get up and to create. Because everything transforms in sadness. In pain, in abandonment. I abandon myself, so I can’t. I ask for help, help from a cigarette, from a beer…… You have to take care with this kind of helps, because they can become an addiction. For the same depression you are in. For the crisis, the crisis is huge, everything that balances me is broken, my balance is broken. „Where do I go? I don’t know.“ So I hide behind a cigarette, a beer, in a bed, I look for pleasure, I try to get some pleasures around.
Yvi: When I see you teaching and talking, I can feel that what you are talking about is 100 percent experienced by you. You also had pain, how did you get yourself out of it?
Jessica: It is the practice. Without practice we go nowhere. That is reality. I have a practice. Since long time I do meditation. A very old one and I am very committed to it. And this practice gives me the strength to do everything I do.
Yvi: And you do a lot and it feels so light. Friends asking me what can I do, I have to work on myself so hard, I also felt this with myself and then you drop the sentence: „Make it easy“.
Jessica: The more simple the better. Because real love is simple. Real love helps, real love puts things in their proper place, it is a path and it is simple. And you can realize, because it is simple. So the class is simple. The more simple the more you and me can meet. The more we can see each other. And unite. It is not conceptual, we are not gonna learn much in a conceptual way. We can learn concepts, but we are not gonna learn life. Is through experience.. that your heart is touched.
Yvi: In this week of Arunachala Bhakti Lab I was reminded of a radio programme in Spain. They had one category it was called “La ciudad invisible” on radio 3. It is a place of peace, connection and love. This place here is for me the invisible city. How was it for you – being one week here and working with people?
Jessica: Imagine wonderful. Precious. A gift. It is very simple. I am committed with god and with love. I share with you what I have. I don’t keep anything. It is vivid and warm, we try to listen and we try to see what it is and not fooling ourselves.
Yvi: How long will you do Arunachala Bhakti Lab?
Jessica: I hope until we are old and until we die.
Yvi: And why here?
Jessica: Arunachala was a call. And he wants us to be happy.
Yvi: So let’s try.
Jessica: Sí Sí Sí.
El entrevista en ESPAÑOL
Yvi: Salí de viaje por un año. Me pasa que te encuentro en este lugar. No sabía nada de tí, estaba buscando tanto como repararme a mimisma. He intentado con muchas cosas, hacer yoga, viajar sola. Y no quería hablar más de relaciones y vengo aca y tu estás hablando de relaciones por una semana. Las relaciones es como la essencia en la vida, no?
Jessica: Las relaciones es todo. Es todo en este sueño. Yo soy una comprometida con el espíritu. Esto me motiva a caminar el camino de las relaciones. De como mejorar nuestra calidad de vida. Como mejorar nuestro cariño por el planeta. Nuesto cariño por nosotros mismos.Y por el silencio. Una corespondecia por la naturaleza, una corespondencia sencilla con lo essencial.
Yvi: Tengo la sensación de cuando hablo con mis amigos o mi familia que las relaciones te pueden dar mucho dolor.
Jessica: Es el juego, claro. Es el juego á donde pongas la mirada. Nosotros ponemos dolor, donde no hay dolor, culpa donde no hay culpa o envidia, o violencia, nuestra mente esta perdida, esta distraida, esta enferma, es muy fácil perdernos ahí.
Yvi: Es que yo no me puedo perder en el hecho de que mi exnovio me engaño en una manera muy mala?
Jessica: Claro que nos podemos perdernos, el tema es hasta cuando perderte y sobre todo nostostro metermos en este código del amor romántico que la definición es bastante tóxica.
Yvi: Porqué?
Jessica: Porqué hablamos de princessa, de principe en caballo azúl, te voy a salvar la vida, estamos buscando á alguien, para que nos salve la vida. Tenemos un ideal de „Sí no estas conmigo, me mato, te voy a matar”, un sistema possesivo antiguo. Un sistema de ser nos hemos perdido el centro que nos hacen perder energía, que nos hacen perder, ser coherentes.
Yvi: Cuando experimentas algo que se siente como un naufragio, me recuerdo el primer día has dicho ponte crear. Es no suficiente de levantarte e ir a trabajo …cuando yo tenia el corazón roto empezo a fumar, he tomado cerveza, solo trabajo y me he quedado en la cama cuando no estaba trabajando y tu me dices crea! Como?
Jessica: Crear es el camino, es una dimension de sanación impressionante para nosotros los humanos. Es la manera de volver à casa. Es la manera de no quedarnos en lo tóxico. Crear nos salva de lo tóxico. Crear nos eleva la vibración, crear nos cambia el color, crear nos invita a ser de nuevo. A querer vivir. Crear esta conectado con la vida. Crear es vivir.
Yvi: Cuando estas dañado, hay que trabajar en uno miso.
Jessica: Muchissimo, pero de una manera compasiva. De una manera cariñosa, con mucha patiencia, si te emoras, te emorars, te das espacio, te das espacio. Es una reconstrucion con el nucleo interno. Se ha roto la conneción con díos. Cuando uno le rompen el corazón, la connecion con el gran misterio se pierde. Uno lo pierdo como la confianza, como el camino, no sabe donde ir, esta completamente perdida y si no tienes un entrainamiento comprometido es muy complejo. Es muy complejo levantarse y poder crear. Por que todo se transforma en una tristeza, en un dolor, en un abandono. “Me abandono. Por lo tanto, no puedo.” Tengo que pedir ayuda, fumar es un ayuda, tomar una cerveza es un ayuda, entonces simplemente hay que tener un poco de cuidado con estas ayudas, porque que no se puedan transformar en una adicción, por la misma depression, por la misma crisis, la crisis es tremendo, es como el rompimiento de todo lo que me equilibra, se rompe mi equilibrio. “A donde voy? No se, donde ir.” Por lo tanto me escondo. Detrás un cigarro detrás una cerceza, detrás una cama, busco placer.
Yvi: Cuando te veo enseñar y hablar, puedo sentir de lo que hablas es cien porciento sentido por tí, experiementado por ti. Tambien tuviste dolor, como te levas tu cuando tienes dolor?
Jessica: Es la practica, sin practica no nos vamos en ninguna parte, es una realidad, simplemente tengo una practica de meditacion muy antigua hace mucho tiempo. Con la cual estoy muy comprometida. Y esa practica me da la fuerza para hacer todo.
Yvi: Haces muchissimo y todo el tiempo se siente como liviano. Amigos me preguntan „que puedo hacer? Tengo que trabajar en mi misma tan duro“. Yo tambien sentio lo mismo, yo senti lo mismo de hay que trabajr mucho en mi misma, y tu dices, hazlo fácil, hazlo simple!
Jessica: Es que le mas simple mejor. Porque el amor verdadero is simple. El amor verdadero ayuda, en el amor verdadero colocan sus cosas en su lugar, es un camino. Y es sencillo. Y te puedes dar cuenta de que es sencillo. Por lo tanto una clase sencilla. Entre más sencilla más podemos encontranos tu y yo. Más podemos vernos, unirnos. No es conceptual, no vamos a aprender mucho conceptualmente. Podemos aprender conceptos, pero no vamos a aprende. Es a través la experiencia, de que tu corazón se tocado.
Yvi: En esta semana del festival se me recordo un programa de radio en España de radio 3 que se llama la ciudad invisible. Es un lugar donde hay equilibrio, paz, amor y connecion.. y que aprendio en este semana cuando encuentras con otras personas que todos tenemos las mismas temas y asuntos como la vulneribilidad. Como es este trabajo para ti de estar aqui una semana y trabajar con la gente?
Jessica: Imaginate maravilloso, precioso. Un regalo. Es muy sencillo. Yo estoy comprometida con Dios, con el amor, y entonces como lo tengo claro con todas las herramientos que tengo que conosco. Creo espacio para recordar lo que hay que recordar hasta donde yo puedo llegar. Entonces comparto contigo lo que tengo. No me quedo con nada. Es asi, esta vivo, esta caliente, tratamos de escuchar, y tratamos de ver lo que hay, no sernos los tontos. Lo que hay, lo que paresca.
Yvi: Cuanto tiempo más vas a hacer Soulfest – Arunachala Bhakti Lab?
Jessica: Espero de que hasta que seamos viejitos y nos murimos.. Es un contrato.
Yvi: Porque aqui?
Jessica: Arunachala fue un llamado. Y Arunachala además quiere que seamos muy felices.
Yvi: Vamos a intentarlos!
Jessica: Sí Sí Sí!
Muchas Gracias a Camilo Zaffora para ayudarme con las lenguas. Camilo organziza con Jessica el festival. También en agosto en España.