7 Titanic auf dem Pferd

Titanic Nachspielen auf dem Pferd im Valle de Viñales

Als klar war, wir düsen nach Kuba! Ich wusste sofort: das wird meine Reitpremiere. Als Setting dafür habe ich mir – wie auch gefühlt 100000 weitere Touristen – Viñales ausgekuckt. Ein Traum. Im Valle de Viñales zu stehen, fühlt sich an wie Teil eines Gemäldes zu sein. Ich reibe mir zum ersten Mal tatsächlich die Augen. Weil es so besonders ist und so eine Ruhe ausstrahlt und die Natur mit so vielen Farben protzt: Leuchtend rote Erde, drumrum giftgrüne Tabakfelder eingerahmt in krasse mogotes /Kegelkarstberge. Das sind Übrigbleibsel eines Steinklotzes, der vor Millionen Jahren wie ein schweizer Käse rumthronte und nach und nach in sich zusammenfiel bis nur noch der Rand übrig blieb, wie bei einer Pizza. Im Rand stecken bis heute coole cuevas, Tropfsteinhöhlen, typisches Ziel einer Reittour. Genau da will ich hin, muss aber vorzeitig abbrechen, da es zu anstrengend wird auf zwischenmenschlicher Ebene mit dem caballero / dem Pferdeboy Adrián. Er bietet mir an, mit mir 2 Stunden zu reiten bis zur cueva und zurück für 6 CUC, ca 8 Euro. Super Angebot. Er sagt, ich solle kurz warten dann ginge es los. Halbe Stunde später hat Adrián sein Shirt in ein Hemd getauscht, einen Strohhut auf und riecht nach Aftershave – viel zu intensiv. Ich fühle mich wie bei einem Date. Und liege damit auch nicht ganz falsch.

Er gibt mir das Pferd. Hilft mir beim Aufsteigen und eine Sekunde später sitzt er schon hinter mir auf demselben Pferd. Ich frage was das soll, ob das Pferd nicht gleich zusammenbricht und wieso wir jetzt zu zweit reiten. Er behauptet, dass wenn ich noch nie geritten bin, er mit aufs Pferd muss. Ok. Weil er harmlos wie ein Milchbubi wirkt, zieh ich das jetzt durch. Dann geht es auch schon los. Ich versuche das mal locker zu sehen. Die Landschaft ist der Knaller. Wir reiten vorbei an Tabakplantagen mit Strohhütten, die aussehen als hätten sie ein Gesicht. Vorbei an Pflanzen die ernsthaft Romeo und Julia heissen, die Corojo Pflanze, aus der auch Zigarren gemacht werden.
Und wo wir schon bei Romeo und Julia sind, ist der Sprung zu Leonardo di Cabrio und Kate Winslet in Titanic nicht weit: Adrián sagt zu mir, ich solle meine Schultern mal entspannen, und schon nimmt er meine Arme und macht einen auf Titanic. Arme in den Himmel, locker lassen. Das ist jetzt wie im Film, ich bin perplex. Natürlich werde ich dadurch nicht locker. Diese Szene versetzt mich eher in „IchmussdasPferdverlassen-Bereitschaft“, aber noch gebe ich nicht auf.

Wir reiten zu einer Bananenplantage, wo auch schon Antonio wartet, der ganz scharf darauf ist mir drei verschiedene Bananensorten zu zeigen und nebenbei noch zu klären, ob ich nicht Bock hätte einen kubanischen Farmer als Freund zu haben. Er behauptet, dass die kubanischen Frauen alle hässlich seien, sowieso keine Lust auf Countrymänner hätten, vielmehr ständen sie auf welche, die mit ihnen nach Amerika gehen am besten nach Miami. Er will aber bei seinen Bananen bleiben. So wie Adrián bei seinen Pferden, auf denen er 7 Tage die Woche mit Touristen durchs Tal reitet. Eine Freundin findet auch er nicht.
Und wo man schon mal gar keine Frau hat, will man am besten gleich mehrere: Antonio erklärt mir, dass 1 Frau pro Kubaner nicht reicht. Zeigt auf einen, der am Häuschen hockt, und haut raus, der habe 6 Frauen. Er sei loco /verrückt –  nicht untypisch für kubanische Männer. Ich bleibe cool und sage schnell adiós.

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Weiter geht’s mit Adrián zusammen auf dem Pferd durchs Tal. Er startet jetzt Phase zwei: Will wissen wie alt ich bin (er 25), kommentiert meinen Federohrring als muy bonito /sehr schööön, und fängt an, an meinen Haaren zu fummeln. Ich weise ihn zurecht, mache klar, dass seine Hände so absolut gar nix in meiner Mähne zu suchen haben – auch nicht um festzustellen, dass sie gefärbt sind. Wir stecken in der Landschaft, und ich komme aus der Nummer nicht raus, also versuche ich ruhig zu bleiben, und sage ihm, dass wir nicht bis zur Tropfsteinhöhle reiten sollen, das wäre mir zu weit. Also machen wir uns auf den Rückweg. Als wir an Wildschweinen halten, die aneinander gekuschelt lässig unterm Baum liegen, fragt er mich, ob ich heute abend mit zum Hahnenkampf komme: Ein Happening, bei dem Hähne sich gegenseitig zu Hackfleisch beissen. „ÄÄÄH. Nein“. Ich mache ihm die Ansage, sofort zurückzukehren. Wir reiten stumm zurück. Als wir ankommen, verlangt er 10 CUC statt abgemachte 6 CUC. Ich habe nur einen 10 CUC Schein, ist mir jetzt auch alles egal. Ich gebe ihm das Geld, sag ihm, dass das alles so nicht abgemacht war und gehe. Als er mich später in der Stadt sieht ,kuckt er beschämt zu Seite. ich bin versöhnt, denn ein Abenteuer war es: Mitten in der kubanischen Pampa Titanic auf einem Pferd spielen.

Das mit dem Reiten probiere ich noch ein zweites Mal aus in Trinidad. Ähnlich absurd. Die Geschichte dazu folgt bald.



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